Die Welle: Im Münchner Cosimabad brandet das Meer wie im Ozean

Sprudelbecken im Cosimabad - K. Mieth
Sprudelbecken im Cosimabad - K. Mieth
Das Cosimabad in München-Bogenhausen ist das einzige Wellenbad der bayerischen Landeshauptstadt. Es entstand unter Leitung des Architekten Peter Seifert.

Der Ablauf ist jeden Tag aufs Gleiche spannend. Zuerst ertönt der Gong, dann wird im Schwimmmeisterraum die Maschine angeschaltet, bis die Welle, einem tosenden Ozean gleich, anrollt. In den tanzenden Wellen des Cosimabades können Badegäste aus ganz München und Umgebung einen Urlaubstag unter Palmen wie am Meer genießen, denn das Bad ist neben seiner einzigartigen Holzbau-Konstruktion im Urwald-Look ein einzigartiges Wellenbad in der bayerischen Landeshauptstadt. „Die Welle“ brandet in halbstündigem Zeittakt unaufhörlich sieben Minuten lang und für dieses Wasserspektakel zahlen Wellen-und Wasserratten nur wenige Euro. Zu den Zeiten, in denen die Wellen toben, sind permanent zwei Schichtleiter vor Ort, denn bei der Wellenerzeugung werden unterirdisch bis zu 40 Kubikmeter Wasser gestaut und bewegt. Ein Vergleich macht es klar: Ein Kubikmeter Wasser entspricht 1000 Litern Wasser. „Das sind ungeheuerlich große Wassermengen, die da umgewälzt werden.“ Und Schichtleiter Uwe Kollin zieht den Vergleich: „Schon in eine Badewanne daheim passen um die 200 Liter Wasser, in unserem Schwimmbecken sind es 200 Mal so viele Liter."

Von der Erzeugung mittels Technik bis zum fertigen Wellenspaß

Für die Wellenerzeugung werden 300.000 bis 400.000 Liter Wasser auf Knopfdruck abgesenkt, wobei diese Riesenmenge an Wasser nach unten rollt. “Die Welle, wie die Brandung im Cosimabad liebevoll genannt wird, findet montags bis freitags ab den Mittagsstunden und an Wochenenden von morgens bis abends im Halbstundentakt statt“, erzählt Schichtleiter Uwe Kollin neben dem faszinierenden Prozess der künstlichen Wellenerzeugung. Von den Wellenmachern gibt es neben der Wasserumwälzung einmal im Jahr für die ganz kleinen Badegäste „Die Geburtstagsparty“. Bei diesem Event bietet das Team Kinderparties mit anderthalb Stunden Animation an. Mit einem ausgehängten „Herzlichen-Glückwunsch-Slogan“ und lustig-weißen Punkten auf rotem Grund macht die Cosima-Crew auf das tolle Angebot für Spiele, wie das „Übers Wasser laufen“ aufmerksam. Neben diesem Spaß für Geburtstagskinder bietet eine kunterbunt-gemalte Tier- und Pflanzenwelt mit Leoparden, Elefanten und Lianen in der Babyecke den ganz kleinen Zwergen ein liebevolles Urwaldschauspiel am Wasser. Zur Sommerzeit öffnet sich ein großes Tor nach draussen und ein zusätzliches Kinderparadies mit Platschbecken erschließt sich.

Aktivitäten im Wasser sind gelenkschonend aber auch schweißtreibend

Neben der „Welle“ und dem Babypool bietet das Cosimabad Aqua-Kurse aller Art. „Jogging“, „Fit für Jedermann“, „Power“ oder „After-Work“ für müde Rücken. Die leichte Variante vom gelenkschonenden Wassersport ist die Wassergymnastik, die täglich von den Bademeistern angeboten wird. Die Mitarbeiter der Münchner Bäder gehen selbst mit gutem Bespiel voran. „Nach dem regulären Badebetrieb dürfen wir im Becken trainieren. Alle Schichtleiter müssen den sogenannten „silbernen Rettungsschein“ haben. Diese Auszeichnungen gibt es wie bei der Olympiade in den Abstufungen bronze, silber oder gold“, sagt Rettungsschwimmer Uwe Kollin. In einen Fall zur Lebensrettung hatte er selbst einen Einsatz und erinnert sich: „Vor meiner Zeit im Cosimabad war ich Schichtleiter im Westbad. Als dort ein Junge von einem Turm sprang und nach angemessener Zeit nicht wieder an die Wasseroberfläche kam, musste ich hinterher springen und den Jungen retten. An den dortigen Beckenrändern habe ich das Präventiv-schauen gelernt und kann jetzt schnell reagieren.“

Wasser kann Gefahren bergen oder körperliche Fitness und Freude bringen. Auch zeigt es sich in unterschiedlicher Form von Dämpfen. In der Saunalandschaft als Dampf unter dem Sternenhimmel, leicht im Sanarium, in Tröpfchen in der finnischen Sauna und im Außenschwitzkasten der Stollensauna, die wie ein Bergwerkstollen anmutet, vermischt mit Aufgüssen. „Bäder- und Saunafans können das Lebenselixier in allen Aggregatzuständen für die Gesundheit ausschöpfen. Unsere Stammgäste sind fit und durchtrainiert. Manche stehen täglich schon zur Öffnung um 6:30 Uhr vor der Tür“, so Kollin.

Wasser und Kunst passen zusammen – Aquarelle von Alfred Welz

Im Eingangsbereich des Aqua-Wohlfühl-Paradieses sind Aquarelle des Künstlers Alfred Welz gehängt, seine Bilder werden einen Monat lang gezeigt, bis die Kunstwerke zirkulieren. Stammgäste des Cosimabades schauen sich gerne die Kunstwerke an. Unter dem Motto: Kontraste – Humor – Besinnlichkeit zeigt der Maler und Grafiker Kunstwerke mit Titeln, wie „die Spinatwachtel, „Narrenkasperl an, mit und vom Stab“, „die große Vorzimmerschrulle“ oder „der Korupticus“. Der Künstler wurde im Jahr 1951 in Bayern, Rosenheim geboren und lebt seit 1953 in München. Im Entrée des Bades präsentiert er seine karikaturistischen Bilder von seltenen aber bekannten Vögeln des täglichen Lebens. In der „Vogelkunde des Alltags“ geben die Aquarelle Anhaltspunkte zum Nachdenken und Schmunzeln. Schmunzeln muss auch Badleiter Uwe Kollin, wird er zu den zurück gelassenen Sachen im Schwimmbad befragt.

Zurück Gelassenes neben Welle und Kunst

An eine Kuriosität aus seiner Zeit im Westbad erinnert er sich ganz genau, als wäre es erst gestern gewesen. „Wir fanden einen zurück gelassenen Rollstuhl. Was wir hier im Cosimabad an weiteren Kuriositäten fanden, können wir im Interview nicht erzählen, aber es sind wirklich Dinge des täglichen Lebens von A bis Z. Was wir täglich sammeln sind Berge von Handtüchern, manchmal Bücher aus einer Bücherei oder zum Beispiel Jeanshosen zur Winterzeit. Oder ein Paar Krücken. Dabei drängt sich die Frage auf, wie geht ein Badegast mit Krücken ins Bad hinein und kommt ohne Krücken wieder heraus. Wir scheinen hier im Cosimabad heilendes Wasser zu haben“, schmunzelt der Schichtleiter. Und zum Abschluss: „Die Leute lieben die Bäder, zur Zeit wird gerade das Giesing-Harlaching-Bad zu einem Bäderparadies umgebaut, was wunderbar ist. Und so hat jedes der Münchner Bäder etwas ganz Besonderes.“

Fotostudio München, All eyes on you

Katti Mieth - Nach dem Studium Wirtschafts-und Gesellschaftskommunikation in Berlin lernte ich die Agenturarbeit kennen, wurde in den 80er Jahren ...

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