
- Clarias-Wels - Gerhard Ott
Das Interesse an Welsen (Siluriformes) ist seit Jahren ungebrochen. Südamerikanische Welse stehen dabei an erster Stelle, asiatische Welse müssen erst noch ihre Liebhaber finden. Afrikanische Welse sind – vor allem durch die Gattung Synodontis – durchaus beliebt. Das mehr als eineinhalb Kilogramm schwere Handbuch für Bestimmung und Pflege von Dr. Lothar Seegers sollte dafür sorgen, dass die Welse Afrikas noch mehr Freunde finden werden.
Das Buch ist in einer deutschen und einer englischsprachigen Ausgabe erschienen. Es ist weit mehr als ein bloßes aquaristisches Handbuch. Es ist auch eine aktuelle, wissenschaftlich fundierte Zusammenfassung der artenreichen Welsfauna der Süßgewässer Afrikas. Viele Fotos zeigen die abgebildete Fischart überhaupt zum ersten Mal. Aquarianer waren es, die das interessante Fortpflanzungsverhalten der Kuckuckswelse als Brutparasiten oder die Maulbrutpflege mehrerer Tanganjikawelse erstmalig beobachteten. Besonders wertvoll sind viele Details über die Lebensräume der afrikanischen Welse, die der Autor – selbst eifriger Freilandforscher in Afrika – in akribischer Arbeit zu einer so vollständigen, beeindruckenden Übersicht zusammengetragen hat.
Aquaristische Pflege und Zucht
Die einleitenden Kapitel über die Welse Afrikas und Aquarien für afrikanische Welse sind übersichtlich gehalten und dem Hauptteil des Buches vorangestellt: Alle bekannten Familien, Gattungen und Arten werden vorgestellt und beschrieben; dort, wo vorhanden auch mit Angaben über den natürlichen Lebensraum und über die aquaristische Pflege und Vermehrung oder Zucht.
Das Buch wurde im Sinne des Artikel 8.1 des International Code of Zoological Nomenclature (ICZN) veröffentlicht und enthält Artbeschreibungen von neuen Arten: Amphilius chalei Seegers, 2008; Zaireichthys compactus Seegers, 2008 und Synodontis orientalis Seegers, 2008. Ein bisschen Verwirrung hat es gegeben, weil eine englischsprachige und eine deutschsprachige Ausgabe vorliegt, von denen angenommen wurde, es gäbe verschiedene Erscheinungstermine. Nach Verlagsangaben gelten beide Ausgaben als gleichzeitig im Mai 2007 erschienen. Zur Interzoo 2008, also am 10. Mai 2008 waren beide Bücher dann auch lieferbar. Dem Buchimpressum ist zu entnehmen, dass im Zweifel „bezüglich nomenklatorischer Angaben die deutschsprachige Fassung“ gelten soll. Zu Fragen von Datums-, Seiten- oder gar Zeilenpriorität hinsichtlich der drei Erstbeschreibungen wird es zukünftig wahrscheinlich nicht kommen, weil sich die Ichthyologie Afrikas nicht so rasant entwickelt, wie das für andere Regionen gelten mag. Das nur am Rande.
Das neue Standardwerk
Viel wichtiger: Es sind eine Fülle von Biotop- und Habitatdaten in Text und Bild in diesem Buch versammelt, die in dieser Form bisher unveröffentlicht waren. Farbfotos von Arten werden durch Zeichnungen aus den wissenschaftlichen Beschreibungen ergänzt. Zahlreiche Karten mit Markierungen, die zeigen, wo die einzelnen Arten vorkommen, geben zoogeografische Informationen. Bestimmungsschlüssel und „Stammbäume“ betonen den wissenschaftlichen Anspruch des Buches, welches wirklich als Werk bezeichnet werden kann. Das ausführliche Literaturverzeichnis und eine detailliertes Stichwortverzeichnis ergänzen die informative Fundgrube.
Es darf als das beste Buch über afrikanische Welse, welches bisher erscheinen ist, bezeichnet werden und verdient es, Standardwerk genannt zu werden. Die Inhalte sowohl textlich und bildlich, die Ausstattung vom Papier bis zum Layout rechtfertigen jeden Cent des Preises. Für Fischkundler und Welsfreunde unter den Aquarianern ist dieses Werk ein Muss.
Lothar Seegers: Die Welse Afrikas. Ein Handbuch für Bestimmung und Pflege. Tetra Verlag 2008. Hardcover, 608 Seiten, über 1100 farbige Abbildungen. Euro 65,00 für die deutsche Ausgabe (Euro 89,90 für die englischsprachige Ausgabe).
