Wenn schon ein Aquarium, dann würde ich mich für eines entscheiden, in dem Rote Zebras aus dem Malawisee schwimmen und mich allein wegen ihrer Anwesenheit erfreuen würden. So zumindest mein fester Entschluss, nachdem ich in den Gewächshäusern in Magdeburg, die auch über eine Abteilung mit Wasserbewohnern verfügen, einen Glaskasten mit ebensolchen Fische betrachtet habe. Vieles spricht gegen den Besitz eines Aquariums. Vor allem längere Abwesenheiten. Bleibt aus Alternative, sich mit Literatur zum Thema zu beschäftigen. Hier sei auf das Buch von Bernd Brunner hingewiesen, der im Berliner Wagenbach-Verlag unter dem Titel „Wie das Meer nach Hause kam“ eine bündige und doch umfassend informierende Kulturgeschichte des Aquariums vorgelegt hat.
Die Geschichte eines Glaskastens
Bevor der Mensch begann, die Lebenswelt unter Wasser zu beobachten, betrachtete er die Tier- und Pflanzenarten der Ozeane in den eigenen vier Wänden. Denn mit dem Aquarium kam das Meer ins Haus. Erst nach 1900 entwickelte die Wissenschaft ein Bewusstsein dafür, dass es sinnvoller sei, Studien vor Ort zu betreiben, um das komplex Ökosystem des Meeres zu verstehen. Bernd Brunners Buch „Wie das Meer nach Hause kam“ ist eine komprimierte Geschichte über jenen Glaskasten, in dem seit dem späten 19. Jahrhundert Miniaturausgaben einheimischer und exotischer Unterwasserlandschaften gestaltet werden. Das Halten von Fischen aus Freude und zur Zierde ist aber deutlich älter. Schon im 10. Jahrhundert sind in China Goldfischbecken nachweisbar. Die Herausbildung transparenter Behälter war jedoch an die Voraussetzung gebunden, stabiles Flachglas preiswert produzieren zu können. Das wurde erst im Zuge der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts möglich.
Die ersten Aquarien enthielten Salzwasser
Erstaunlich ist der Hinweis des Autors, dass die ersten Forschungs- und Heim-Aquarien mit Lebewesen aus den Salzwasserregionen gefüllt waren, was bezüglich der Beschaffung von Fischen und Wasser eine große logistische Herausforderung war. Die Lebensformen des Süßwassers fanden erst mit Verspätung in die künstlichen Unterwasserparadiese. Ein Problem, das die Ingenieure lange beschäftigte, war das, wie Aquarien richtig durchlüftet werden können. Und was für den Wissenschaftler wie für den privaten Fischliebhaber auf dem eigenen Wohnzimmertisch begann, ist inzwischen zu einem submarinen Großereignis geworden. Das Ozeaneum in Stralsund – das als „Europa-Museum des Jahres 2010“ ausgezeichnet wurde – etwa bietet einzigartige Einblicke in die Tiefen und die Artenvielfalt der nördlichen Meere. Bernd Brunners Buch über die Geschichte der Aquakultur ist ein überaus spannendes Stück Kulturgeschichte und nicht allein Aquarianern sehr zu empfehlen.
Bernd Brunner: Wie das Meer nach Hause kam. Die Erfindung des Aquariums. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2011. 137 S., br., 10,90 €.
