Die Welt der Pilze: der Tintenfischpilz, Clathrus archeri

Tintenfischpilz mit Hexeneiern - Jaroslav Maly
Tintenfischpilz mit Hexeneiern - Jaroslav Maly
In der farbenfrohen Welt der Pilze ist der Tintenfischpilz eine sehr faszinierende Erscheinung. Hier erfährt man die Merkmale und Fundorte dieses Pilzes.

Selten hat man das Glück einen Tintenfischpilz zu entdecken. Diese farbenprächtigen Pilzgestalten, die an Seesterne oder Tintenfische erinnern, sind erst seit kurzer Zeit auch in Deutschland heimisch. Ursprünglich fand man diese bizarre Erscheinung ausschließlich in Australien. Hier erfährt man wie der Tintenfischpilz in unsere Gefilde vorgedrungen ist, seine wichtigsten Merkmale und Vieles mehr.

Der Tintenfischpilz (Clathrus archeri)

Der Tintenfischpilz wächst aus einem 3-5 cm großen Hexenei heraus, welches rund oder birnenartig geformt und gräulich-weiß oder hellrosa gefärbt ist. Dieses Hexenei ragt weit aus der Erde hervor und besitzt eine dicke Hülle, die bei Anschnitt eine dünne durchsichtige, gallertartige Schicht offenbart. Anfangs zeigt sich das Hexenei geschlossen und reißt schließlich in der Reife oberhalb auf. Einige Zeit darauf wächst das sogenannte Rezeptakulum aus dieser Öffnung (Peridie), ein längliches Gebilde, das sich im weiteren Wachstumsverlauf in 4-7 Arme aufteilt. Diese tintenfischartigen Arme sind im Ei vorerst noch rosa-weißlich gefärbt, umschließen die braune Sporenmasse und werden mit zunehmender Reife des Eies rot. Nach aufreißen der Eihülle wachsen die porösen und brüchigen Arme erst Richtung Himmel, teilen und krümmen sich dann, neigen sich langsam der Erde zu, bis sie schließlich auf ihr ruhen. Die zugespitzten Arme können bis zu 12 cm lang werden, meist sind zwei davon an den Enden zusammen gewachsen. Die Farbe des Tintenfischpilzes ist im Alter intensiv rot. Wobei die Oberseite als leuchtend rot und die Unterseite als blassrot zu bezeichnen ist. Die Arme sind mit olivschwarzen, unregelmäßigen schleimigen Flecken (Gleba) bedeckt, die die Sporen beinhalten. Diese sind auch für den unerträglich starken Aasgeruch des Pilzes verantwortlich.

Vorkommen und Saison der Tintenfischpilze

Der Tintenfischpilz ist in Australien, Tasmanien, Neuseeland und den Malayischen Inseln heimisch. Aber auch in Europa hat er sich vor einiger Zeit angesiedelt. Dieser exotische Pilz gedeiht hauptsächlich in warmen Laub- und Mischwäldern mit leicht sauren Böden, auf morschem Holz oder Rindenmulch. Der Tintenfischpilz ist aber auch außerhalb des Waldes auf Wiesen, Weiden und Waldrändern zu finden. Er wächst einzeln oder auch gesellig, vom Flachland bis ins Gebirge. Saison: Juli bis November

Wissenswertes über den Tintenfischpilz

Im Lateinischen wird der Tintenfischpilz "Clathrus archeri" genannt. Anthurus bedeutet Blütenblatt, archeri steht für den irischen Mykologen W. Archer. Der Tintenfischpilz wächst als Saprobiont und zählt zur Gattung der Gitterlinge. Der Tintenfischpilz ist weder giftig noch gefährlich. Er gilt als nicht essbar, ist in manchen Gegenden sehr häufig, während er andernorts fehlt und sollte daher stehen gelassen werden. Erst im 20. Jahrhundert kam der Tintenfischpilz nach Europa. Der urspünglich aus Australien stammende Pilz wurde 1914 in den Vorgesen bei La Petite-Raon erstmals gesichtet und verbreitet sich seither rasch. Es wird vermutet, dass die Sporen des Tintenfischpilzes mit australischer Wolle nach Europa eingeschleppt wurden. Heute findet man den Pilz in Nordspanien, Belgien, Süd-Niedersachsen bis zum nördlichen Harzrand, in der Tschechei, Österreich und Italien, aber auch in der Schweiz und England hat er sich angesiedelt. Der intensive aasartige Geruch den der Tintenfischpilz verströmt dient dazu, um Fliegen und andere Insekten anzulocken, die dann den Schleim aufsaugen und anschließend die Sporen mit ihrem Kot verbreiten. Es ist naheliegend das insektenfressende Vögel für die schnelle Verbreitung des Tintenfischpilzes mitverantwortlich sind. Der Tintenfischpilz ist einzigartig was Aussehen und Geruch betrifft. Eventuell könnte er mit dem Armleuchterpilz (Aserö rubra) verwechselt werden, der aber nur in den Tropen und Subtropen zwischen Holzresten vorzufinden ist. Im jungen Reifestadium könnte er noch mit der Stinkmorchel verwechselt werden, die ein ähnliches Hexenei bildet. Jedoch ist das Hexenei des Tintenfischpilzes durch die rosa gefärbten Rhizomorphen (verdickte Myzelstränge) gut von der Stinkmorchel zu unterscheiden.

Quellen:

  • BLV Naturführer Pilze/ Andeas Neuner, Unsere Pilze/ Hans Mauch und Konrad Lauber/ Hallwag, Steinbachs Naturführer: Pilze / Mosaik Verlag

Bildquelle: Jaroslav Maly/ naturfoto-cz.de, steffihe / pixelio.de, Meinhard Siegmundt / pixelio.de

Anna, Ghezzi

Anna Ghezzi - Als ständige Autorin der Rubrik Pilze freut es mich besonders, Sie durch die zauberhafte und faszinierende Welt der Mykologie ...

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