Westerkappeln - Die westliche Kapelle

Zur Bedeutung der Namen Westerkappeln, Oster- und Westerbeck

Portal der Westerkappelner Kirche - Christof Spannhoff
Portal der Westerkappelner Kirche - Christof Spannhoff
Der Name der Gemeinde Westerkappeln, Kreis Steinfurt, geht auf die Anlage einer westlich von Osnabrück gegründeten Kapelle zurück.

Ortsnamen erzählen Geschichte. Die in ihnen enthaltenen Bezeichnungen geben uns Auskunft über die Beschaffenheit der Landschaft unserer Heimat zum Zeitpunkt der Namengebung, verweisen auf menschliches Siedeln, Kultivieren und Wirtschaften und verraten uns etwas über die verkehrsgeographischen oder sozialen und rechtlichen Gegebenheiten vergangener Zeiten. Oft haben diese Namen auch alte, heute nicht mehr gebräuchliche Personennamen konserviert. Weil die Wörter, mit denen die Siedlungsnamen gebildet wurden, häufig einer wesentlich älteren Sprachstufe angehören und uns heute fremd erscheinen, ist die Deutung von Siedlungsnamen nicht immer einfach. Hinzu kommt, dass sie sich im Laufe der Zeit durch sprachliche Prozesse wandeln können und somit ihre ursprüngliche Bedeutung in ihrer heutigen Form nicht mehr erkennbar ist. Deshalb ist die Suche nach den ältesten Belegen eines Siedlungsnamens unabdingbare Voraussetzung, wenn man seiner Bedeutung auf die Spur kommen möchte. Die Ergebnisse der Deutung von Siedlungsnamen sagen aber auch etwas über das Benennungsmotiv aus, warum ein Ort seinen Namen trägt. Mit anderen Worten: Die Deutung eines Namens legt oftmals offen, was für unsere Vorfahren einst wichtig war.

Von „Capelun“ zu Westerkappeln

Der Name Westerkappeln wird erstmals Mitte des 11. Jahrhunderts als „Capelun“ erwähnt. 1178 erscheint ein „Heinricus de Cappele“ und 1188 heißt es „Kappelen prope [bei] Thekeneborch“. 1244 wird der Ort bereits zum im Landkreis Osnabrück gelegenen Ostercappeln unterschieden, indem dem lokalen Priester (sacerdos) namens Heinrich der Namenszusatz „de Westercappele“ beigefügt wurde. 1278 heißt es dann „Westercappelen“. Der Name ist eindeutig zu althochdeutsch „kapella“, mittelhochdeutsch „kap(p)elle, kappel“ in der Bedeutung „kleines Gotteshaus“ zu stellen, das eine Entlehnung von mittellateinisch „cap(p)ella“, eigentlich „kleiner Mantel“, eine Verkleinerungsform von lateinisch „cappa“ (Kopfbedeckung), darstellt. Zunächst war das mittellateinische Wort „cap(p)ella“ ausschließlich eine Bezeichnung für das Gebäude, in dem ein Umhang als Reliquie des Heiligen Martin von Tours aufbewahrt wurde. Später kam es zur Verallgemeinerung auf „kleines Gotteshaus“. Der Name Westerkappeln ist also ein Kompositum, d.h. eine Zusammensetzung von zwei Wörtern (z.B. Haus-tür), mit dem Grundwort (zweiter Teil der Zusammensetzung) -kapelle und dem altsächsischen Adjektiv „westar“, mittelniederdeutsch „wester“ (westlich, nach Westen liegend) im Bestimmungswort. Der geographische Bezugspunkt, auch im Hinblick auf das Gegenstück Ostercappeln, dürfte das christliche Missionszentrum Osnabrück gewesen sein.

Oster- und Westerbeck

Wiederum auf den geographischen Bezugspunkt Westerkappeln gehen die Namen der Bauerschaften Oster- und Westerbeck zurück, die den östlich (altsächsisch „ostar“, mittelniederdeutsch „oster“) bzw. westlich (altsächsisch „westar“, mittelniederdeutsch „wester“) von Westerkappeln gelegenen Bach (altsächsisch „beki“, mittelniederdeutsch „beeke“) bezeichnen. Hier ging die Bezeichnung des Wasserlaufes auf die an diesem entstandene Siedlung über.

Literatur:

Spannhoff, Christof, Namen sind Nachrichten. Die Ortsbezeichnungen in Westerkappeln erzählen Geschichte(n), in: Unser Kreis 2011. Jahrbuch für den Kreis Steinfurt, S. 66-73.

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