In Pflegekursen erfahren Angehörige alles über die Maßnahmen, die verhindern sollen, dass Menschen, die sich kaum noch ohne Hilfe bewegen, etwas essen oder trinken können, noch weitere gesundheitliche Komplikationen bekommen. Einige dieser Prophylaxen können Pflegelaien nach vorheriger Anweisung vornehmen, andere aber müssen von Experten durchgeführt werden, denn sie können - werden sie aus Unwissenheit falsch angewendet - auch lebensbedrohliche Folgen haben.
Wer also selbst aktiv werden möchte, der sollte sich in jedem Fall beim Hausarzt oder bei den Mitarbeitern eines Pflegedienstes darüber informieren und sich schulen lassen. Übrigens: Ob und wie oft diese Maßnahmen auch für den bettlägerigen Angehörigen im Pflegeheim durchgeführt werden, erfährt man aus seiner Pflegedokumentation, die man sich dort jederzeit zeigen lassen kann.
Hier nun eine Übersicht über die wichtigsten Vorbeugungsmaßnahmen in der Krankenpflege.
Kontrakturenprophylaxe
Bei Menschen, die über einen längeren Zeitraum ihre Gelenke und Muskeln nicht ausreichend bewegen können oder dürfen, besteht die Gefahr, dass Gelenke versteifen und Muskeln sich verkürzen (Kontraktur). Das kann passieren bei längerer Bettruhe, bei schmerzbedingter Schonhaltung oder der Ruhigstellung im Gipsverband, bei Menschen mit Narben im Gelenkbereich, mit degenerativen entzündlichen Erkrankungen oder Lähmungen. Aber auch besonders antriebsarme Menschen (hohes Alter, Demenz, Angst vor Stürzen) sind gefährdet.
Durch regelmäßige Umlagerung alle zwei Stunden mit Kissen, Rollen, Keilen oder Fußstützen wird die Gefahr von Kontrakturen (z.B. Spitzfuß) vermindert. Die wichtigste vorbeugende Maßnahme aber ist Bewegung in Form von Krankengymnastik. Hier unterscheidet man vier Arten: Ein Therapeut oder eine Pflegeperson mobilisiert vorsichtig die betroffenen Gelenke oder unterstützt den Patienten bei der Eigenbewegung. Der Patient bewegt die Gelenke eigenständig oder arbeitet sogar gegen einen Widerstand. Gute Motivation und eine Behandlung der Schmerzen fördern zusätzlich die eigenständige Bewegung (aktivierende Pflege).
Thromboseprophylaxe
Auch hier sorgt lange Bettlägerigkeit dafür, dass die Blutzirkulation abnimmt. So können sich in den Gefäßen Blutgerinnsel (Thrombose) bilden. Zur Vorbeugung werden spezielle entstauende Lagerungstechniken angewendet: Beine hoch, nicht überkreuzen, keine Abknickungen in Knie- und Hüftgelenk. Es werden Kompressionsstrümpfe oder -wicklungen und Medikamente gegen Thrombose eingesetzt. Und schließlich kommt mit Bewegungsübungen für die Beine und Kreislauf anregenden Atemübungen die Blutzirkulation wieder in Gang.
Pneumonieprophylaxe
Menschen, die lange bewegungslos liegen, deren Atemwege besonders ausgetrocknet sind oder/und die ein schwaches Immunsystem haben, sind besonders gefährdet, an einer Lungenentzündung (Pneumonie) zu erkranken. Das kommt beispielsweise vor, wenn der Körper zu wenig Flüssigkeit aufgenommen hat, wenn man hauptsächlich durch den Mund atmet, man beatmet wird oder ein Tracheostoma trägt, also einen künstlichen Zugang im Hals.
Einer Lungenentzündung beugt man vor mit einer Kombination aus verschiedenen Maßnahmen: den Fähigkeiten angepasste Atemgymnastik (tiefes Atmen, Nasenatmung, Luftballon aufpusten, durch einen Trinkhalm pusten usw.), spezielle Atemtechnik, gute Raumluft und befeuchtete Atemluft, Sekretlockerung (viel trinken, schleimlösende Medikamente), Aushusten oder Absaugen. Sitzen im Kutschersitz, Stehen und langsames Laufen entlastet die Lungenflügel und verbessert ihre Belüftung.
Soorprophylaxe
Mundtrockenheit, Diabetes mellitus, Antibiotika, Cortison-haltige Inhalationspräparate, zuckerhaltige Ernährung und schließlich ein schlechter gesundheitlicher Allgemeinzustand begünstigen ein „Kippen“ des Gleichgewichts der Mundflora. Dann überzieht die Mundschleimhaut der weiße Belag des Hefepilzes Candida albicans (Soor), der beim Essen brennt und sich im schlimmsten Fall auf Atemwege und Verdauungstrakt ausweiten kann.
Maßnahmen wie vermehrtes Trinken, Mundspülungen und regelmäßige Mundhygiene (Prothesen) fördern und stärken die Abwehrfunktion der Mund- und Rachenschleimhaut. Ebenso vorbeugend wirken das Kauen zuckerfreier Kaugummis - es regt den Speichelfluss an - und eingecremte Lippen.
Parotitisprophylaxe
Mangelnde Kautätigkeit und zu geringer Speichelfluss und schwache Abwehrkräfte können dazu führen, dass sich die Ohrspeicheldrüse schmerzhaft entzündet: Parotitis durch Befall mit Bakterien. Darunter müssen oft Menschen leiden, deren Mund stark ausgetrocknet ist (s.o.), die künstlich über Magensonde oder Katheter ernährt werden. Flüssigkeitsmangel, Schluckstörungen oder Infektionen der Mundhöhle, schlecht sitzende Zahnprothesen, eine schlechte Mundhygiene und ausgetrocknete Lippen begünstigen ebenfalls Parotitis.
Speichel anregende Maßnahmen beugen dieser Entzündung aber vor: Kaugummi, Fruchtgummi, Brotkruste oder Trockenfrüchte kauen oder auch an Zitrusfrüchten riechen lassen. Wichtig: Lippenpflege mit Wundsalbe und Vaseline für spröde und eingerissene Lippen.
Obstipationsprophylaxe
Wer sich zu wenig bewegt, dessen Darm wird träge. Bettlägerige Menschen leiden deshalb schon nach kurzer Zeit unter Verstopfung (Obstipation), wenn sie nicht eine entsprechend angepasste Ernährung bekommen: Faserstoffreiche (Vollkorn), überwiegend pflanzliche Kost, wenig Fleisch, Rohkostgemüse, Salat und Obst, dazu Leinsamen, Kleie, Pflaumen und Datteln.
Dekubitusprophylaxe
Druck, Reibung, Feuchtigkeit und geringe Elastizität der Haut verursachen Dekubitus (Druck- oder auch Liegegeschwüre). Bettlägerige Patienten mit hohem Alter, Inkontinenz, Durchblutungsstörungen, Übergewicht, Abwehrschwäche und schlechten Allgemeinzustand gehören zur besonders gefährdeten Risikogruppe.
Auch hier stehen Mobilisation und regelmäßiger Lagerungswechsel mit Lagerungshilfen an erster Stelle der Vorbeugungsmaßnahmen. Dekubitusmatratzen und spezielle Pflegebetten beugen vor oder unterstützen die Heilung. Die Haut muss besonders gepflegt werden an den gefährdeten Stellen: Kreuz- und Steißbein, Fersen, Schultern, Hinterkopf, Ohrmuscheln, Wirbelsäule, Knie, Ellenbogen. Außerdem unbedingt vermeiden: Nähte, Knöpfe, Falten, Brotkrümel, Rutschen, Schwitzen und Stauwärme. Eine ausgewogene Ernährung bessert den Allgemeinzustand, die Wundheilung fördern Vitamine ( A, C, und E), Mineralstoffe wie Calcium, Natrium, Kalium und Spurenelemente wie Zink, Phosphor, Selen und Chlor.
