Schleswig-Holstein mit seinem typischen Seeklima und fetten Marschwiesen ist seit Jahrhunderten ein Hochzuchtgebiet für Pferde. In Schleswig herrschten die Kaltblüter vor, während in Holstein die Warmblüter stärker vertreten waren.

Dänischer Einfluss

Ihren Ursprung haben die Schleswiger Kaltblüter im heutigen dänischen Jütland. Die Rasse der Jütländer ist eine sehr alte Rasse, angeblich sollen sie bereits in der Römerzeit erwähnt worden sein. Auch die Wikinger fanden vor über 1000 Jahren Gefallen an den Pferden dieser Rasse. Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts verfügten die Dänen zwar über ein Arbeitspferd, allerdings musste dies unbedingt veredelt werden. Zunächst versuchten die dänischen Züchter ihre Jütländer mit Hengsten aus dem englischen Yorkshire zu verbessern, aber durch den Einfluss dieser Hengste wurde das dänische Arbeitspferd zu leicht und zu schwerfuttrig. Um dem entgegen zu wirken, kamen von überall Kaltbluthengste, hauptsächlich aus England und Belgien. Eine konsequente Zuchtrichtung war nicht zu erkennen. Erschwert wurde die Züchtung durch Haltungs- und Fütterungsfehler.

Mit dem Hengst „Oppenheim“ kam die Wende. Auf diesen Hengst, der 1869 nach Jütland kam und dessen Herkunft nicht bekannt ist, wahrscheinlich handelte es sich um einen Suffolk Punch oder einem Shire Horse, baute sich die gesamte nachfolgende jütländische Zucht auf.

Die „Oppenheimer“-Nachzucht verbreitete sich bis zu den Menschen in Schleswig, die schon immer enge politische und wirtschaftliche Kontakte zum Nachbarn Dänemark pflegten. Um nun endlich das Ziel der Züchtung eines mittelschweren Arbeitspferdes zu erreichen, wurde auf Grundlage jütländischer Hengste, die alle in direkter Linie von Oppenheim abstammten, eine neue Zucht aufgebaut. Das Zuchtziel wurde erreicht und im Jahr 1888 wurde der “Schleswiger“ von der Deutschen Landwirtschaftlichen Gesellschaft (DLG) anerkannt. Im gleichen Jahr beschloss der schon bestehende Zuchtverband des Landes Schleswig-Holsteins die Trennung von Kalt- und Warmblutpferden. 1891 schlossen sich die verschiedenen Kaltblutzuchtvereine zum Verband der Schleswiger Pferdezuchtvereine zusammen. Seitdem besteht das Brandzeichen aus den Buchstaben „VSP“ in einem Oval, mit dem die Schleswiger Kaltblutpferde noch heute am Oberschenkel des rechten Hinterbeines gekennzeichnet werden. Fast alle seit 1930 gezüchteten Schleswiger lassen sich auf den Oppenheim-Nachkommen Munkedal zurückführen.

Mittelschweres Arbeitspferd mit ausdauerndem Trabvermögen

Anfang des 20. Jahrhunderts befanden sich alle Hengste in Privatbesitz. Auf die Fläche bezogen war der Bestand an Kaltblütern im ehemaligen Herzogtum Schleswig im Vergleich zu Westfalen und Rheinland sehr hoch.

Das Schleswiger-Kaltblut war im Gegensatz zum Rheinisch-Deutschen Kaltblut mit einem Durchschnittsgewicht um die 600 kg nur ein mittelschweres Arbeitspferd, bei dem allerdings viel Wert auf ein gutes und ausdauerndes Trabvermögen gelegt wurde. Ein Grund dafür, dass es über die Landesgrenzen hinaus gerne zur Personenbeförderung und für die Artilleriebespannung seinen Einsatz fand.

Der Erste Weltkrieg war ein herber Schlag für die Zucht der Schleswiger. Nur das Landgestüt Traventhal behielt noch drei Schleswiger Hengste, während alle anderen Landgestüte auf Hengste rheinischer bzw. belgischer Herkunft umstellten. Am meisten traf die Zucht jedoch die Abgabe Nordschleswigs an Dänemark (heute Südjütland), womit wertvolle Zuchtpferde verloren waren. Die Schleswiger Zucht breitete sich nach Süden aus und nahm Einzug in Holstein. Warmblut– und Kaltblutzucht existierten nun nebeneinander. Die Schleswiger Züchter kauften die guten Hengste in Dänemark und die Qualität der Schleswiger verbesserte sich nachhaltig. Die Entwicklung der Schleswiger Zucht nahm den gleichen Verlauf wie bei den Rheinländern. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es einen explosionsartigen Anstieg der Rasse, der seinen Höhepunkt 1949 erreichte, als im Stammbuch etwa 25000 Stuten und 450 Hengste eingetragen waren. Dann wurden auch die Schleswiger wie die anderen Kaltblutrassen von der zunehmenden Mechanisierung in der Landwirtschaft verdrängt, jedoch traf es die Schleswiger Kaltblüter besonders hart. 1976 gab es nur noch 35 eingetragene Stuten und 5 Hengste und damit war die Rasse fast ausgestorben. Der Zuchtverband wurde aufgelöst und seitdem werden die Schleswiger durch das Pferdestammbuch Hamburg/Schleswig-Holstein betreut.