Im Winter wird es morgens spät hell und abends früh dunkel. Man beginnt im Dunkeln zu arbeiten und geht im Dunkeln in den Feierabend. Wenn es dann wochenlang nur schneit und der Himmel nur grau ist, weil die Sonne sich nicht zeigt, fallen viele Menschen in eine schlechte Stimmung und sind gereizt. Müdigkeit macht sich breit und die Aktivität lässt nach. Oft fällt den Betroffenen dieser Zustand gar nicht auf. Eine Winterdepression kann dafür verantwortlich sein.

Was ist eine Winterdepression?

Den Begriff Winterdepression gibt es erst seit Ende der 1980er Jahre. Die Zahl der Betroffenen steigt jährlich. Inzwischen klagt jeder vierte Deutsche über diese Beschwerden. Frauen sind häufiger davon betroffen als Männer. Mit zunehmendem Alter verstärkt sich meist der Krankheitsverlauf. Bei der Winterdepression handelt es sich um eine saisonale Depression, die nur in den Herbst- und Wintermonaten auftritt. Wenn der Frühling beginnt, die Tage länger werden und die Sonne öfter scheint, verschwinden die Symptome schnell wieder. Typische Beschwerden bei der Winterdepression sind getrübte Stimmung, Antriebslosigkeit, erhöhtes Schlafbedürfnis, verstärkter Appetit auf Kohlenhydrate und Mangel an Bewegung. Dadurch kommt es in den meisten Fällen zu einer Gewichtszunahme.

Woher kommt die Winterdepression?

Die Sonne regt in unserem Körper die Bildung von Serotonin an. Es wird in den Blutplättchen, im Magen-Darm-Trakt und in den Nervenzellen produziert. Durch seine Wirkung auf das Zentralnervensystem ist Serotonin an unserer Stimmung, vor allem an dem Empfinden von Wohlbefinden und Glück, maßgeblich beteiligt. Depressive Verstimmungen lassen sich häufig auf einen Mangel an Serotonin zurückführen. Serotonin wirkt sich ebenfalls auf den Schlaf-Wach-Rhythmus, den Appetit, das Schmerzempfinden, das Sexualverhalten und die Temperaturregelung aus. In der lichtarmen Jahreszeit wird zu wenig Serotonin ausgeschüttet. Der amerikanische Psychiater Dr. Peter Whybrow beschreibt die Winterdepression als eine Vorbereitung des Körpers auf den Winterschlaf. Ausgelöst wird der Vorgang durch die kürzeren Tageslichtperioden und die fallenden Temperaturen. Der verminderte Lichteinfall auf die Augen - genau genommen auf die Netzhaut - sorgt für eine vermehrte Ausschüttung an Melatonin. Melatonin ist ein Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus steuert, es schwächt den Antrieb und macht müde. Es wird in der Zirbeldrüse im Zwischenhirn gebildet. Durch die kurze Tageslichtdauer ist der Melatoninspiegel auch tagsüber erhöht. Wirkt man diesen Symptomen nicht entgegen, kann sich daraus eine Winterdepression entwickeln.

Was kann man tun gegen die Winterdepression?

Das Prinzip bei der Behandlung lautet: Weniger Melatonin, mehr Serotonin. Selbst wenn die Sonne nicht scheint, sollte man die wenigen Stunden Tageslicht nutzen und nach draußen gehen. Ein kurzer Spaziergang in der Mittagspause kann wahre Wunder wirken und Körper und Geist wieder auf Trab bringen. Tageslicht und Bewegung regen die Serotoninproduktion an und das hellt die Stimmung auf. Der Stoffwechsel kommt in Schwung und vertreibt die Müdigkeit. Kohlenhydrate in Form von Schokolade und Bananen werden im Organismus in Serotonin umgewandelt und wirken sich positiv auf das Gemüt aus. Das Immunsystem braucht im Winter besonders viel Vitamin C aus Obst und Gemüse, denn schlechte Stimmung schwächt auch die Abwehrkräfte. Helle Farben wie Gelb, Orange und Rot sind der Sonne ähnlich und beeinflussen das Unterbewusstsein positiv. Frische Blumen schaffen ein Sommergefühl ebenso wie frische Düfte. Flotte Musik regt zur Bewegung an und bringt in Schwung. Am wichtigsten sind positive Gedanken. Keine Depression hat eine Chance gegen gute Laune. Wenn das alles nicht hilft, kann man eine Lichttherapie bei einem Spezialisten oder ambulant in einer Klinik durchführen. Es gibt dafür auch spezielle Lampen, die man zu Hause anwenden kann, man sollte sich aber vorher von einem Fachmann beraten lassen.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.