
- Wirtschaftstheorie nach Keynes - Gerd Altmann/pixelio.de
Was war die Ausgangslage damals, als Keynes diese Theorie entwickelte? Welchen Erklärungsansatz fand er zur damaligen Zeit und was ist der zentrale Gedanke von Keynes in seiner Wirtschaftstheorie? Hier ein kleiner Überblick zu Keynes' Wirtschaftstheorie.
Wie war die Auslangslage?
Zur damaligen Zeit (1930er Jahre) hatte man bereits Erfahrung mit der Weltwirtschaftskrise inklusive der hohen Arbeitslosigkeit gesammelt. Der Wirtschaftsliberalismus war hilflos, da nach dessen Theorie eine langanhaltende Arbeitslosigkeit nicht möglich war, denn die Arbeitslosigkeit galt als eine vorübergehende Krise. Als Ursache von Arbeitslosigkeit galten zu hohe Lohnkosten, welche die Produktion für Unternehmen unrentabel machten. Folglich galt als Ansatzpunkt, dass es im Fall von Arbeitslosigkeit eine verstärkte Konkurrenz um die wenigen verfügbaren Arbeitsplätze gibt. Dies wiederum ermögliche Lohnsenkungen, damit würden als Folge die Produktionskosten sinken, womit sich wieder die Investitionsbereitschaft der Unternehmen erhöhen würde. Damit würde ein wirtschaftlicher Aufschwung eingeleitet werden.
Erklärungsansatz von Keynes
In den Augen von Keynes ist statt einer mikroökonomischer (Ebene des einzelnen Betriebes) eine makroökonomische (Ebene der gesamten Wirtschaft) Betrachtung erforderlich: Wenn alle Unternehmen die Löhne senken, dann sinken die Einkommen der privaten Haushalte, d.h., dass die gesamtwirtschaftliche Konsumnachfrage sinkt, wobei es zu einer Verschärfung der Krise kommt, da die Unternehmen auch bei sinkenden Löhnen erst dann investieren, wenn Nachfrage nach Produkten (also Absatzperspektive) besteht.
Also erfolgt eine kumulative Verstärkung des Abschwungsprozesses bei sinkenden Löhnen. Makroökonomisch betrachtet ist die Beschäftigungslage abhängig von der Gesamtnachfrage und diese wiederum abhängig vom Volkseinkommen. Die entscheidende Frage ist: Wie ist die gesamtwirtschaftliche Nachfrage auf ein Niveau zu heben, das einen hohen Beschäftigungsstand ermöglicht?
Dazu gibt es folgende Möglichkeiten:
- Die private Konsumnachfrage wird mittels Lohnerhöhungen gesteigert. Dies führt zu einer Erhöhung der Produktionskosten für die Unternehmen, was eine sinkende Investitionsbereischaft und damit Arbeitslosigkeit bedingt.
- Die Investitionsnachfrage wird erhöht: Ein Aufbau neuer Produktionskapazitäten ist angesichts hoher Produktionskosten und geringer Absatzerwartung nicht zu erwarten. Eine Senkung der Produktionskosten über Lohnsenkungen verringert die private Konsumnachfrage weiter, was wiederum eine sinkende Absatzperspektive bedeutet.
- Die Auslandsnachfrage wird erhöht: Dies ist von mehreren Faktoren im Ausland abhängig, die nicht ohne weiteres beeinflussbar sind. Das bedeutet außerdem eine hohe Abhängigkeit vom Ausland.
Zentraler Gedanke von Keynes
Keynes ist der Meinung, dass der Staat zusätzliche Nachfrage schaffen muss (durch Staatsaufträge und/oder Steuersenkungen). Wenn die Mittel hierfür fehlen, muss der Staat sich verschulden, was dem "deficit spending" entspricht.
Konkret heißt das, dass der Staat öffentliche Aufträge rausgeben muss, damit Arbeitsplätze geschaffen werden. Dies ermöglicht eine private Konsumnachfrage, womit die Investitionsbereitschaft von Unternehmen gesteigert werden kann, wodurch wiederum Arbeitsplätze für einen wirtschaftlichen Aufschwung geschaffen werden können.
Also muss ein Staat, der seine Verantwortung für das Wohl der Bürger ernst nimmt, die gesamtwirtschaftliche Nachfrage durch Staatsausgaben wieder auf ein Niveau heben, das einen hohen Beschäftigungsstand garantiert. In Zeiten des Aufschwungs soll der Staat durch Steuerhöhungen sowie Einsparungen in Transferleistungen und Subventionen das Staatsdefizit wieder abbauen.
