
- Kloster Chorin in Brandenburg - azrael74
Einer der bedeutendsten christlichen Orden des Mittelalters war jener der Zisterzienser. Gegründet im elften Jahrhundert, wuchs der Einflussbereich des Ordens, auch dank einer geschickten Bündnispolitik, stetig, so dass im späten Mittelalter nahezu das gesamte westliche Europa und daneben auch Teile Osteuropas mit Zisterzienserklöstern übersät waren. Der Orden der Zisterzienser hat seinen Ursprung in der einsetzenden Erneuerungsbewegung der Kirche im Laufe des 10. und 11. Jahrhunderts. 1098 gründete der Mönch Robert von Mosleme in den Wäldern von Citêaux ein Kloster, in welchem die Ursprünge des Mönchtums, Armut und Einsamkeit, wieder gelten sollten. Der zweite Abt des Klosters, Stephen Harding, initiierte dann das Abfassen der Charta Caritatis, in welcher die grundlegenden Prinzipien des Ordens festgehalten wurden. Der Mönch, welcher auch heute noch am ehesten mit den Zisterziensern in Verbindung gebracht wird, ist Bernhard von Clairvaux. Schon zu dessen Lebzeiten dehnten neue Niederlassungen der Zisterzienser den christlichen Wirkungsbereich weit nach Osten bis an die Westgrenze des slawischen Siedlungsraumes aus. Um 1150 wurde das erste Kloster in Böhmen gegründet, gleichzeitig entstanden auch östlich der Oder die ersten Klöster im heutigen Polen.
Eigenwirtschaftshöfe für eine autarke Lebensweise
Zum anfänglichen Ideal des Ordens von einer autarken Lebensweise gehörte auch eine geschlossene Wirtschaftsfläche, getrennt von weltlichen Siedlungen. Der unmittelbare Nahbereich eines Klosters kam allein für die zisterziensische Eigenwirtschaft in Frage. Die Bewirtschaftung dieser Fläche sollte von den Eigenwirtschaftshöfen, den so genannten Grangien, aus gesteuert werden. Die ideale Grangie war demnach ein freier Wirtschaftshof abseits anderer Siedlungen und von Konversen des Ordens geleitet. Um diesem Ideal zu entsprechen, wurden teilweise bestehende Siedlungen beseitigt. Ein Beispiel dafür wäre das Dorf Ragösen, welches „allzunah“ (altonah) beim Kloster Chorin im heutigen Bundesland Brandenburg lag und deshalb der Grangie „Altena“ weichen musste. Die Legitimation dieses Prinzips, welches man gemeinhin als „Bauernlegen“ bezeichnete, erfolgte dann auch durch das Generalkapitel der Zisterzienser. Dieses sah in den Eingriffen in die alte Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur des Landes eine gerechtfertigte Methode, um das Land nach den Vorstellungen des Ordens effektiv nutzen zu können.
Die historische Kulturlandschaft der Zisterzienser
Neben dem Aufbau der Grangien gab es noch weitere Maßnahmen der Landeskultivierung, wie die Rodung der Wälder oder die Anlage von Fischteichen. Im Laufe der Zeit begannen die Klöster ihre Ländereien an selbstständig wirtschaftende Bauern zu verpachten. Die Bauern lieferten dann feste Abgaben an das jeweilige Kloster. Die Methode der Verpachtung wurde vom Generalkapitel der Zisterzienser 1208 erlaubt. Die Siedlungsgebiete um die jeweiligen Kloster konnten so nach den Bedürfnissen und Vorstellungen des Ordens strukturiert werden, wobei die Klöster auch Unterstützung durch die Landesherren erhielten, in dem diese zum Beispiel dem jeweiligen Kloster eine Immunität vor der örtlichen Gerichtsbarkeit garantierten. Im Laufe der Zeit entstand so ein Wirtschaftsraum, welcher die Klosterangehörigen sowie die Lohnarbeiter aus den umliegenden Dörfern ernährte und daneben auch noch Überschüsse erwirtschaftete. Dieser Wirtschaftsraum eines Kloster mit allen dazu gehörigen Dörfern und Fluren, ist das was wir heute als historische Kulturlandschaft der Zisterzienser bezeichnen.
Zum Weiterlesen:
- Schenk, Winfried (2001): Süddeutsche Kulturlandschaften unter zisterziensischem Einfluss: Historisch-geographische Ausprägungen und aktuelle planerische Anforderungen. In: Knefelkamp, Ulrich (Hg.): Zisterzienser. Norm, Kultur, Reform – 900 Jahre Zisterzienser. Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag, S. 179-209.
- Schich, Winfried (2007): Wirtschaft und Kulturlandschaft. Gesammelte Beiträge 1977 bis 1999 zur Geschichte der Zisterzienser und der "Germania Slavica". Berlin: BWV Berliner Wissenschafts-Verlag.
