Etliche Metropolen verzeichnen in den 1990er Jahren einen starken Rückgang der Gewaltverbrechen. Allein in New York ist die Mordrate um 67 Prozent gefallen. Der damalige Bürgermeister von New York, Robert Giuliani, lobte das harte Durchgreifen der Polizei als Grund für diese Entwicklung. Andere machen die soziale bzw. wirtschaftliche Entwicklung dafür verantwortlich. Jedoch liegt die Antwort ganz wo anders.
Steigende Gewaltbereitschaft durch Blei
Überall auf der Welt, wo das Blei aus dem Benzin entfernt wurde, sank die Zahl der Gewaltdelikte zwei Jahrzehnte später, also genau zu der Zeit, als die erste Generation der Kinder ohne Blei in der Atemluft aufwuchs. Natürlich sind Faktoren wie Erziehung und Psyche das Fundament für das Gewaltpotenzial eines Menschen, jedoch ist man sich mittlerweile sicher, dass der Schlüssel zum Ausbruch der Gewalt in biochemischen Substanzen liegt, die wir täglich zu uns nehmen. Also dient Blei in anderen Worten wie ein Türöffner zur Gewalt.
Doch warum erhöht Blei die Aggressivität? Der Grund dafür ist, dass bereits winzige Mengen von Blei im Blutkreislauf ausreichen, die Gehirnentwicklung von Heranwachsenden zu hemmen, und zwar genau die Regionen, die für die Verhaltenssteuerung und Entscheidungsfindung verantwortlich sind. Beispielsweise können Menschen mit einer Bleivergiftung ihre Impulse nicht kontrollieren und dadurch zu willkürlichen Gewaltausbrüchen neigen. Eine Langzeitstudie der Cincinnati Universität, die von US-Forscher Rick Nevin durchgeführt wurde, bewies, dass Kinder, die in bleibelasteten Haushalten aufwuchsen, ein doppelt so hohes Risiko besaßen im Gefängnis zu landen. Der amerikanische Mediziner wollte wissen, ab welcher Bleikonzentration im Körper ein Mensch gewalttätig wird und untersuchte dafür 200 Jugendliche und 200 jugendliche Straftäter. Dabei fand er heraus, dass die Knochen der Straftäter einen durchschnittlichen Wert von elf ppm (parts per million) Blei aufwiesen, während bei den anderen Jugendlichen im Durchschnitt nur 1,5 ppm Blei in den Knochen gefunden wurde.
Lebensmittel - Der Schlüssel zur Gewalt?
Jedoch sind nicht nur Schadstoffe in der Luft für die steigende Gewaltbereitschaft verantwortlich, auch die Nährstoffe, die wir täglich zu uns nehmen, fördern die Gewaltbereitschaft. Ein durchgeführtes Experiment in der Strafhaftanstalt in Chesapeake, USA, zeigt, wie Lebensmittel unser Aggressionsverhalten manipulieren. In der Haftanstalt wurde bereits alles versucht, um die Aggressionen der Häftlinge unter Kontrolle zu halten: Professionelle Psychologen, mehr Familienbesuche als Belohnung für gutes Verhalten. Trotzdem blieben die gewalttätigen Übergriffe der Häftlinge unverändert hoch. Daraufhin wurde das Experiment gestartet. Dafür wurde die Gefängniskost für sieben Monate geändert. Gesüßte Getränke und Limonaden wurden durch ungesüßte Säfte ersetzt, Tafelzucker durch Honig. Zuckerhaltige Desserts wurden durch frische Früchte ersetzt. Das faszinierende Ergebnis: Die Zahl der Übergriffe sank um mehr als 25 Prozent. Wenn ein Mensch viel Zucker isst, dann steht ihm viel Energie zur Verfügung. Wenn diese Energie nicht sinnvoll genutzt wird, dann entlädt sie sich automatisch in aggressivem Verhalten. Doch nicht nur Zucker, sondern auch die tägliche Zufuhr an Vitaminen, Fett und Fast Food bestimmen, wie gewalttätig wir sind.
Die innere Chemie der Gewalt
Warum ist die erste Schlägerei am schwersten? Dies liegt daran, dass nahezu jeder Mensch beim ersten Schlag eine innere Hemmschwelle überwinden muss. Diese innere Hemmschwelle wird von chemischen Molekülen reguliert, die für unsere Emotionen wie Mitgefühl oder Angst verantwortlich sind. Die Hemmschwelle wird von äußeren Einflüssen wie Stresssituationen oder Alkohol beeinflusst, da dabei das Gleichgewicht der Moleküle durcheinander gebracht wird. Sobald ein Schlag erfolgreich durchgeführt wurde, wird im Körper Adrenalin freigesetzt. Der Mensch verbindet Gewalt nun im Unterbewusstsein mit einem guten Gefühl und speichert das im Gehirn ab. Wenn es nun noch einmal zu so einer Gewaltsituation kommt, fällt das Nachdenken über die Folgen weg, da der Mensch nun weiß, dass Gewaltausübung ein positives Gefühl erzeugt.
Macht Gewalt süchtig?
Prügeleien können eine psychische Abhängigkeit erzeugen. Verantwortlich dafür ist der Botenstoff Dopamin. Besonders Männer suchen gezielt Gewalt, weil sie mit dem dadurch ausgeschütteten Dopamin ihr Belohnungssystem im Kopf stimulieren. Das bedeutet: Wer einmal einen Gewaltrausch erlebt hat, will ihn immer wieder erleben. Mittlerweile genügt es auch nicht mehr, das soziale Umfeld oder die Kindheit eines Gewalttäters zu erkunden. Diese Punkte sind nämlich nur die Grundlage der Gewalt. Vielmehr sind es die biochemischen Faktoren, die einen Menschen gewalttätig machen.
Tilidin
In fast jeder Großstadt in Deutschland ist ein Anstieg der Gewalt sichtbar. Jugendliche greifen mittlerweile sogar bewaffnete Polizisten an. Diese Gewalt steht immer öfter in Verbindung mit Tilidin. Die sogenannte Amok-Droge entfaltet besonders bei sowieso gewaltbereiten Menschen ihre volle Wirkung. Nur wenige Tropfen genügen, um das Angst- und Schmerzzentrum auszuschalten, der Körper stößt große Mengen Adrenalin aus und der Konsument verspürt nur noch den Drang, Gewalt auszuüben.
