
- Die Wohlstandsgesellschaft in Deutschland - Stefan Dassler
Sie hat aber auch eine Schattenseite: Die zunehmende Armut – beispielsweise bei Hartz-IV-Empfängern, vielen Rentnern und Migranten. Bildung und eine günstige Berufswahl vermindern tendenziell die Gefahr von Arbeitslosigkeit und Armut und ermöglichen soziale Mobilität (Aufstieg) in der Wohlstandsgesellschaft.
Lebensstandard
In Deutschland haben wir insgesamt einen hohen Lebensstandard. Viele können sich viel leisten. Man kann sich beispielsweise Hobbys, Sport, Kultur und Unterhaltung widmen. Themen wie Nachhaltigkeit und Umwelt sind aktuell. Zudem wird unsere Existenz durch die rasante Entwicklung von Technik und Wissenschaft erleichtert. Unter einer Wohlstandsgesellschaft versteht man heute eine Gesellschaft, bei der der überwiegende Teil der Menschen über dem Existenzminimum verdient. Der Besitz von Luxusgütern ist üblich.
Überflussgesellschaft und Wertorientierungen
Häufig spricht man in diesem Zusammenhang auch von Überflussgesellschaft. Dies ist eine von materiellem Überfluss für breite Bevölkerungsteile geprägte Gesellschaft. Jedoch verfügen nicht alle Bevölkerungsteile über den gleichen Wohlstand und Lebensstandard. Der Begriff wird umgangssprachlich oft abwertend verwendet. Die Wohlstandsgesellschaft kann Auswirkungen auf die Wertorientierungen der Menschen haben. Nach der Theorie von Inglehart nehmen bei steigendem Wohlstand einer Gesellschaft der Materialismus ab und der Postmaterialismus zu. Zudem gehen einige Soziologen davon aus, dass altruistische (selbstlose) Werte an Bedeutung verlieren zugunsten von hedonistischen (genussorientierten) Wertorientierungen.
Merkmale der Wohlstandsgesellschaft
Seit den 1980er Jahren wird die „pluralisierte Wohlstandsgesellschaft“ diskutiert, in der die Vielfalt der Lebensweisen zunimmt. Auch der Zusammenhang zwischen Schicht und Lebensstil wird in der Wohlstandsgesellschaft zunehmend gelockert.
Als Merkmale der Wohlstandgesellschaft werden oftmals genannt:
- Vitalitätsverlust und Erlahmen der Kräfte
- Ausbau des Sozialstaates und gleichzeitig immer mehr „soziale Kälte“
- Soziale Polarisierungen („arm-reich“), neue soziale Ungleichheiten und wachsende, relative Armut
Trainingsaufgabe:
Textauszug: Sind die meisten Deutschen satt und faul?
Meinhard Miegel: In der Studie „Der programmierte Stillstand“ wird weder gesagt, dass die Leistungsbereitschaft abgenommen habe, noch dass die Deutschen satt und faul sind. Ihre Motivationen haben sich verändert. In den 1950er und 1960er Jahren mussten sie ranklotzen, um ihre Familien satt zu kriegen und ein Dach über dem Kopf zu haben. Das haben die meisten inzwischen geschafft. Jetzt wollen sie mehr Freizeit, mehr Zeit für ihre Familien und Freunde oder auch Hobbys.
Aber die meisten müssen doch längst wieder härter ran. Die Arbeitszeit wurde verlängert. Bei Arbeitslosigkeit muss man auch schlechtere Stellen annehmen.
Meinhard Miegel: Das ist schon richtig. Aber im Vergleich zu den 1950er oder 1960er Jahren wird immer noch deutlich weniger gearbeitet, und auch die Arbeitsbedingungen sind für die allermeisten weitaus besser.
(Quelle: Internet http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/1730574/r_article_print vom 20.08.2008)
1. Sind Sie der Auffassung, dass die Deutschen im Wohlstand satt und faul geworden sind? Begründen Sie Ihre Meinung.
2. Welche Bedeutung hat das Problem Arbeitslosigkeit in der Wohlstandgesellschaft?
3. Welche generellen Merkmale und Auswirkungen der Wohlstandsgesellschaft sehen Sie heute?
