
- Nemi als dämonische Hexe - Nemi©L ise, distr. iblis@nemi.no
Das neben Samhain bedeutendste Fest des modernen keltischen Jahreskreises ist Beltane (auch Beltaine), was übersetzt „das Feuer des Bel“ bedeutet. Bel ist der keltische Gott des Lichts und im Irischen ist „Bealtaine“ die Bezeichnung für den Monat Mai. Aus historischen Zeiten ist von den Kelten keine besondere Präferenz eines bestimmten Festes überliefert, es wurden zudem regional unterschiedliche Hauptfeste gefeiert.
Beltane - ein Fruchtbarkeitsritual
Beltane ist in erster Linie ein Fruchtbarkeitsfest und wurde von den Kelten begangen, um die wärmere Jahreszeit und das Leben zu begrüßen. Im Beltane-Ritual wird die Vereinigung der Großen Mutter (Dana oder auch Ceridwen) mit dem gehörnten Gott (Bel oder Cernunnos) zelebriert. Durch diese Vereinigung wird neues Leben auf die Erde gebracht.
Ein Fest der Kelten
In der Beltane-Nacht vereinigten sich aber nicht nur die Götter. Für die Kelten war das Leben, der Körper heilig und somit auch die Vereinigung zwischen Mann und Frau.
Zum Beltanefest wurde die Nacht am Feuer durchgetanzt, ein Brauch, der sich in der Form des Maitanzes bis heute erhalten hat. Der aufgerichtete Maibaum symbolisiert dabei die Vereinigung von Mann und Frau, Gott und Göttin, wobei die Assoziationen zu Maibaum und Maikranz offensichtlich sind. Der Baum selbst stellt den Phallus dar, der Kranz die durchstoßene Vulva.
Walpurgisnacht: Die Nacht vom 30. April auf den ersten Mai
Alternativ zur Nacht auf den ersten Mai wird in der heutigen Zeit das Fest von sogenannten Neuheiden auch am Vollmond nach Ostara gefeiert, wenn die Sonne das Tierkreiszeichen “Stier“ passiert oder in der ersten Vollmondnacht zwischen der Frühjahrstagundnachtgleiche und der Sommersonnenwende.
Hexenritt zum Blocksberg
Im Volksglauben des späten Mittelalters ist die Walpurgisnacht die Nacht, in der Hexen sich fliegend an ihren Versammlungsorten einfinden, um dort dem Teufel zu huldigen. Der Teufel nimmt dabei die Gestalt eines Bockes oder einer schwarzen Katze an, wobei der Ziegenbock den Gott Thor und die schwarze Katze die Göttin Freya symbolisieren. Der Ort, der mit diesem Ritual am engsten in Verbindung gebracht wird, ist der Blocksberg (eigentlich Brocken) im Harz.
Anzumerken sei, dass der Teufel eine Erfindung der Kirche des Mittelalters ist und Heiden keine Dualität von Gut und Böse kennen. Beide Seiten sind für Heiden untrennbar miteinander verbunden, so daß ihre Götter auch weder nur gut oder nur böse sind, genau wie die Natur selbst, die sie repräsentieren.
Walpurgisnacht – eine christianisierte Nacht
Die Bezeichnung für die Walpurgisnacht leitet sich von der an einem 1. Mai heilig gesprochenen Walburga ab, einer Äbtissin, die im achten Jahrhundert als christliche Missionarin tätig war.
Mit der sehr energisch vorangetriebenen Christianisierung werden alte Bräuche als heidnisch verteufelt, der soziale Hintergrund und die ursprünglich überwiegend auf matriarchalische Gesellschaftsstrukturen zurückgehenden Bedeutungen gehen verloren. Heutzutage wird in der Nacht vom 30. April auf den ersten Mai zwar wieder um Feuer getanzt, nun aber nicht um Freudenfeuer, um den Frühling zu begrüßen, sondern um Hexen und andere Geisterwesen von sich fernzuhalten.
Keltisches und germanisches Brauchtum
Die Germanen feierten ihrerseits das Fest ebenfalls mit Freudenfeuern und zogen ihre weisen Frauen, die sogenannten „Hagazussen“, zu Rate. Diese hochangesehenen Frauen waren der Prototyp, den die Christen als Hexen verfolgten. Dabei leitet sich der Begriff Hexe von „Haga“ ab, welches in der Runenschrift optisch nahezu identisch mit der lateinischen Schreibweise „Hexe“ ist.
