
- Die geheime Kraft der Zwiebel - Amazon
Zwiebeln haftet kein besonders guter Ruf an: Sie werden ungern geschnitten, aus den Mündern der Mitmenschen ungern gerochen und gelten allgemein als unfein. Dabei sind nicht nur für viele Speisen unentbehrlich, sondern auch noch überaus gesund.
Die Geschichte der Zwiebel
Die Zwiebel stammt ursprünglich aus dem Orient, wo sie bereits seit mehr als 5000 Jahren angebaut wird. Nicht nur die Sumerer schätzten sie als Heil- und Speisepflanze, Zwiebeln gehörten neben Bier auch zu dem täglich Brot der Pyramidenarbeiter im alten Ägypten. Im antiken Griechenland maß man dem Spross – wie auch den verwandten Arten Lauch und Knoblauch – einen nicht minder hohen Stellenwert bei. Hippokrates nutzte sie nicht nur für die Herstellung von Salben, sondern verabreichte sie auch als Harntrieb- und Abführmittel. In der römischen Medizin wurden Zwiebeln ebenfalls häufig als Arznei verwendet. Nach Plinius unter anderem gegen Husten, Rheuma, Asthma und Diabetes. Plutarch dagegen weiß von einer aphrodisierenden Wirkung zu berichten...
Zwiebeln – Allheilmittel früherer Tage
Im Zuge der Expansion Roms gelangte die Zwiebel schließlich nach Germanien. Mittelalterliche und neuzeitliche Pflanzenbücher preisen sie als Mittel gegen vielerlei Beschwerden. So schrieb der Frankfurter Botaniker Adam Lonitzer 1557, die rohe Zwiebel fördere Auswurf und Harnfluss, reinige den Magen und wäre vorzüglich gegen Verstopfung. Der regelmäßige Verzehr gekochter Zwiebeln hingegen wäre heilsam bei Asthma und Bronchitis. Verschieden verarbeitet brächten sie zudem Linderung bei Spulwürmern, Haarausfall, Ohrensausen, Furunkeln, Kopfschmerz, Karies etc. Ein wahres Panazee also. Doch was für eine Pflanze ist die Zwiebel überhaupt?
Die Zwiebel - alias Allium cepa
Der wissenschaftliche Name für die Pflanze Zwiebel lautet Allium cepa. Man zählt sie zur Familie der Lauchgewächse, der beispielsweise auch Knoblauch, Bär- und Schnittlauch angehören. Allen Alliaceae (Lauchgewächsen) ist der auf Alliin beruhende lauchige Geschmack gemeinsam. Diese Schwefelverbindung sorgt für den unangenehmen Geruch und hat einen weiteren Nebeneffekt, von dem jede/r Hausfrau/-mann ein Lied singen kann: Die tränenfördernde Wirkung beim Schneiden. Zwiebeln vermehren sich durch Samen oder Tochterzwiebeln. Neben der Küchen- oder Speisezwiebel gibt es heute eine Vielzahl von Sorten, die in Schärfe, Geschmack und Haltbarkeit variieren.
Zwiebelsorten – von Speisezwiebeln und Schalotten
Die Speisezwiebel ist rund, scharf, von gelblich-brauner Farbe und dunkel gelagert lange haltbar. Frühlings- oder Lauchzwiebeln halten dagegen nur wenige Tage, sind jedoch sehr viel milder im Geschmack. Ebenfalls mild ist die große Gemüsezwiebel, deren Hauptanbaugebiete in Spanien liegen. Primär aus Italien und dem Balkan wird dagegen die rote Zwiebel importiert. Diese nur sehr begrenzt lagerfähige Zwiebelsorte ist aufgrund ihres würzigen, saftigen Aromas sehr beliebt – Eigenschaften, die sie mit der weißen Zwiebel teilt. Silberzwiebeln wiederum sind sehr klein und werden überwiegend eingelegt, häufig zusammen mit Paprika oder Gurken.
Die Schalotte ist sozusagen die Königin unter den Zwiebeln: sie besitzt nicht nur hervorragende Kocheigenschaften, sondern auch ein äußerst pikantes Aroma ohne die Schärfe ihrer Artverwandten. Sie besteht aus einer Hauptzwiebel und einer Vielzahl kleiner Tochterzwiebeln, die von einer rotbraunen Schale umhüllt sind. Egal welche Sorte man im Einzelnen bevorzugt – Zwiebeln stellen nicht nur ein elementares Würzmittel beim Kochen dar, sondern sind auch noch überaus gesund.
Gesunde Inhaltsstoffe in Zwiebeln – Querzetin, Adenosin und Co
Zunächst enthalten Zwiebeln zahlreiche bioaktive Stoffe. Die Schwefelverbindungen wirken stark antibiotisch und sind somit effektiv gegen bakterielle Infektionskrankheiten. Die Sulfide haben jedoch noch weitere positive Eigenschaften: sie sind entzündungshemmend, verbessern die Durchblutung, beugen Gefäßablagerungen vor und wirken – wie bereits in der Antike bekannt – mildernd bei Asthma sowie verdauungsfördernd. Inwieweit sie auch einer Krebserkrankung vorbeugen, ist noch nicht ausreichend erforscht. Hier spielt ein weiterer Stoff eine Rolle: Zwiebeln enthalten das Flavonoid Querzetin. Flavonoide verhindern als natürliche Antioxidantien die Entstehung freier Radikale, die Krebs auslösen können.
Das ebenfalls in der Zwiebel steckende Adenosin senkt den Blutdruck und stimuliert die Durchblutung der Herzkranzgefäße. Daneben sind viele weitere gesundheitsfördernde Biostoffe in dem Wunderspross enthalten. Dessen Nährstoffgehalt sich übrigens ebenfalls sehen lassen kann: Zwiebeln enthalten alle essentiellen Aminosäuren, wichtige Mineralstoffe und Spurenelemente, Vitamin C, B1, B2, B6, E sowie Niacin und Panthothensäure.
Die Kalorien der Zwiebel und ihre Heilwirkung
Ein weiterer Pluspunkt: Zwiebeln enthalten kaum Fett. Sie gehören zu den Gemüsesorten mit der niedrigsten Kalorienzahl überhaupt – 100g Zwiebel bringen es gerade mal auf 27 kcal. Allium cepa bietet somit gesunden Genuss ohne Reue. Und auch gegen die Tränen beim Schneiden gibt es ein Rezept: Wasser. Das Schneidebrett, Messer und Hände anfeuchten, die Zwiebel unter fließendem Wasser schälen und teilen, mit der angeschnittenen Seite auf das Brettchen legen und mit dem nassen Messer schneiden. So sollte sich die Feuchtigkeit größtenteils auf das Küchengerät beschränken.
Fazit: Zwiebeln sind wirklich ein besonderes Gemüse. Sie sind nicht nur unentbehrlich in der Küche, sondern auch gut gegen Erkältungen, Asthma und Verdauungsbeschwerden, gut für Herz, Kreislauf und Immunsystem. Auch äußerlich können sie bei mancherlei Beschwerden Linderung verschaffen – so ist das Einreiben mit einer Zwiebel ein bewährtes Hausmittel gegen Insektenstiche, bei Ohrenentzündungen kann ein Zwiebelsäckchen helfen.
Ulrich Ravens: Die geheime Kraft der Zwiebel. Verblüffend einfache Rezepte für Gesundheit und Wohlbefinden. Midena, 1997. Broschiert, 127 Seiten.
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