Diesel - Rezension des biografischen Romans von Viktor Glass

Diesel - Buchcover - Rotbuch-Verlag
Diesel - Buchcover - Rotbuch-Verlag
Der biografische Roman 'Diesel' zeichnet ein lebendiges Porträt des großen Erfinders Rudolf Diesel und seiner Zeit.

Mit seinem Roman 'Diesel' lässt Viktor Glass die Epoche der Industrialisierung und Motorisierung lebendig werden. Viele Aspekte der Persönlichkeit des großen Erfinders Rudolf Diesel und der Zeit, in der er lebte, werden beleuchtet. Der Autor macht die technische Aufbruchstimmung des 19. Jahrhunderts erlebbar. Er macht nachvollziehbar, was ein Kind jener Zeit, wie Rudolf Diesel, antreibt und zum Erfinder macht.

Ein gutes Jugendbuch

Die Zielstrebigkeit Diesels, seine Unbeirrbarkeit, Beharrlichkeit und Ausdauer gepaart mit seiner Fürsorglichkeit, seiner Liebesfähigkeit und Dankbarkeit Gönnern, Förderern und Freunden gegenüber und seinem sozialen Engagement machen den beschriebenen Diesel zum idealen Vorbild für junge Menschen aller Epochen. Damit kann das Buch auch als gutes Jugendbuch empfohlen werden, zumal es durchweg leicht verständlich geschrieben ist und auf drastische Schilderungen von Gewalt oder Sex verzichtet.

Paris, London, Augsburg, München - Stationen eines bewegten Lebens

Viktor Glass schildert das Leben des zu Beginn des Buches zehnjährigen Diesel im Paris des Jahres 1868. Hier war der Bub ein Außenseiter, ein Deutscher unter Franzosen, der von seinen Mitschülern gehänselt wurde und mit einem Karren die Lederwaren der väterlichen Produktion ausfahren musste. Hier hatte der Junge aber auch Gelegenheit, beim Besuch von Ausstellungen und Museen mit den großen technischen Errungenschaften seiner Zeit in Kontakt zu kommen und Begeisterung und Verständnis für die Technik zu entwickeln.

Es folgen die Flucht der Familie Diesel nach London und die Jugendjahre Rudolf Diesels in Augsburg. Hier lebte Rudolf bei einem Onkel, der ihn verständnisvoll förderte und die Gewerbe- und Industrieschule besuchen ließ. Bald tat sich der junge Rudolf mit guten Leistungen hervor und machte einen glänzenden Abschluss. Er traf auf andere große Persönlichkeiten seiner Zeit wie Linde und Oscar von Miller. Gespräche mit ihnen ließen Ideen in ihm entstehen, deren Entwicklung der Romanautor durch Dialoge und Überlegungen plausibel macht. So heißt es nach einem Gespräch Diesels mit seinem Kollegen Linde:

"In Rudolfs Gedanken taucht wie aus dem Nichts ein Bild auf, hervorgerufen durch die Worte 'Überdruck' und 'heiße Luft'. In seiner Augsburger Schulzeit hat er einmal der Demonstration eines Luftdruckfeuerzeugs beigewohnt: In einem Glaszylinder befand sich ein Kolben, den der Physiklehrer mit einem kräftigen Schlag seiner Hand nach unten trieb, worauf ein Stückchen Zunder, das sich am Boden des Kolbens befand, plötzlich aufglühte. Die zusammengepresste Luft hatte sich erhitzt. Lag hier etwa die Lösung?"

Diesel nicht nur als Ingenieur sondern auch als Familienvater und als Sozialreformer

Der Autor schildert jedoch nicht nur die Entwicklung Diesels zum erfolgreichen Erfinder, Ingenieur und Unternehmer, wobei er auch auf Probleme und Rückschläge eingeht. Viktor Glass beschreibt Diesel darüber hinaus als fürsorglichen, verständigen Familienvater und als verantwortungsvolles Mitglied der Gesellschaft, das sich Gedanken über die sozialen Verhältnisse seiner Zeit macht und sie in einem sozialreformerischen Konzept formuliert, das Diesel Solidarismus nennt.

Komplexer Aufbau und neue Sichtweise

Eingestreut zwischen die Handlung sind aktuelle Zeitungsberichte aus der Zeit, in der sie spielt, und Beobachtungen und Überlegungen des Autors bei seinen Recherchen und beim Besuch der Handlungsorte.

Zu Beginn und am Ende des Buches steht Diesels Tod, sein Ertrinken auf der Überfahrt nach England. Wie es dazu kommen konnte ist bislang ungeklärt. Es gibt Selbstmordvermutungen, die Viktor Glass nicht teilen will. Er lässt in seinem Roman statt dessen einen Mord geschehen.

Viktor Glass: Diesel . Rotbuch Verlag 2008. 352 Seiten, gebunden, Euro 19,90

Heidi, HeidiJovanovic

Heidi Jovanovic - Heidi Jovanovic arbeitet als Autorin, Übersetzerin und freie Journalistin für Printmedien wie die Augsburger Allgemeine Zeitung ...

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