Dieseltriebwagen BR 171 und BR 172 der Deutschen Reichsbahn

Schienenbus 172 133 im Bahnhof Puttbus auf Rügen - Harald Rossa
Schienenbus 172 133 im Bahnhof Puttbus auf Rügen - Harald Rossa
Sie waren für eine gewisse Zeit die Retter der Nebenstrecken in der DDR, die Schienenbusse. Seit 1960 lösten sie die Züge mir Dampftraktion ab.

Die Schienenbusse der Baureihen 171 und 172 der Deutschen Reichsbahn (DR) wurden Ende der 19 50er Jahre entwickelt. Sie ähnelten konzeptionell den Uerdinger Schienenbussen VT 95 und VT 98, die die Deutsche Bundesbahn (DB) auf Nebenstrecken einsetzte. Die roten Fahrzeuge der DR wurden ab 1960 (BR 171) bzw. 1962 (BR 172) in Serie gebaut. Ihnen wurde eine bunte Auswahl von Spitznamen zuteil. „Ferkeltaxe“, „Eule“ oder „Blutblase“ waren darunter.

Die Geschichte der Baureihen 171 und 172

Die Schienenbusse der DR trugen ursprünglich die Bezeichnung VT 2.09. 1970 wurden die Motorwagen in Baureihe 171.0 und die Beiwagen in 171.8 umgezeichnet. Die Baureihe 172 umfasste in der Ursprungsversion einem Motorwagen mit zwei Führerständen und einen Steuerwagen mit einem Führerstand.

Die Beiwagen der BR 171 hatten kein Steuerpult. So musste am Umkehrpunkt der Strecke immer der Motorwagen umgesetzt werden. Das wurde nach der Wende 1989 als unwirtschaftlich angesehen, Daher wurden die Beiwagen 171.8 im Ausbesserungswerk Halle zu Steuerwagen umgebaut. Dabei wurden auch die Triebwagen modernisiert. Ein Teil der Beiwagen wurden mit neuen Rahmen zu Triebwagen umgebaut. Viele 171 wurden nun solo auf die Strecke geschickt.

Bei dieser Modernisierung erhielten die Fahrzeuge Zugfunkgeräte und die punktförmige Zugbeeinflussung PZ 80. Der bis dahin offene Führersitz wurde durch eine Trennwand vom Fahrgastraum getrennt. Weiter wurde ein neuer Motor eingebaut und teilweise das Elektroschaltgetriebe gegen ein Strömungsgetriebe ausgewechselt. Mit dem neuen Antrieb waren die Ferkeltaxen für eine weitere Revisionsperiode einsatzfähig. Die überholten Fahrzeuge wurden in dem damals aktuellen Mintgrün neu lackiert. Auch der Innenraum wurde in den damaligen Farben des DB-Nahverkehrs neu gestaltet.

Die Technik der Schienenbusse der DR

Auf beiden Seiten waren vorn und hinten doppelflüglige Falttüren eingebaut. Es gab eine optisch-akustische Türschließwarnung durch eine Klingel und eine rote Warnleuchte. Eine Vielfach- und Wendezugsteuerung für Doppeltraktion gab es ursprünglich nur bei der BR 172.

Angetrieben wurden die Schienenbusse durch Sechszylinder-Reihenmotor des Typs 6VD 18/15 aus dem VEB Elbewerk Roßlau. Die Kraftübertragung erfolgt über Strömungskupplung auf ein Sechsgang-Elektroschaltgetriebe. Bei dem sind alle Gänge im permanenten Eingriff und werden durch elektrische Reibscheibenkupplungen mit der Sekundärwelle verbunden. Ein Achswendegetriebe setzte die Drehzahl herunter. Mit ihm wurde auch die Fahrtrichtung gewählt.

Für den Triebwagen lieferte eine Lichtmaschine 24V/1,2 kW den Strom. Bei- und Steuerwagen waren mit einem Achsgenerator ausgerüstet. Bei Modernisierungen der Fahrzeuge wurden die Achsgeneratoren ausgebaut. In die Motorwagen wurde eine zweite Lichtmaschine zur Versorgung der Bei- und Steuerwagen eingebaut.

Der Fahrgastraum der Triebwagen wurde durch Kühlwasser und bei Bedarf durch ein ölgefeuertes Luftheizgerät erwärmt. Die Steuer- und Beiwagen hatten je 2 ölgefeuerten Luftheizgeräten an Bord.

Die Fahrzeuge dieser Baureihen hatten Scheibenbremsen an allen Achsen. Die Triebwagen waren dazu noch zusätzlich mit einer Magnetschienenbremse, die bei Schnellbremsungen zusätzlich wirksam wurde, ausgerüstet.

Verbleib der Ferkeltaxen

Schon bald setzte in den neuen Bundesländern das Sterben der Nebenstrecken mit Macht ein. Immer mehr Fahrzeuge der Baureihen 171 und 172 wurden ausrangiert. 2004 waren sie fast vollständig ausgemustert worden. In Deutschland war der letzte Einsatzort Stendal, wo 772 155 am 14. Januar 2004 abgestellt wurde. Mit der Ausnahme von 2 Triebwagen bei der Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn (OBS). Diese wurden umfassend modernisiert, erhielten ihr originales rotes Farbkleid der DR und werden seit 2006 im Schwarzatal zu Sonderfahrten eingesetzt oder vertreten Triebzüge der Baureihe 641, wenn einer von ihnen zur Wartung in Erfurt ist. Ein Teil der ausgemusterten Fahrzeuge wurde nach Kuba verkauft, andere nach Rumänien.

Einige Triebwagen der Baureihe 171 und 172 der DR sind bei Eisenbahnvereinen in Deutschland erhalten geblieben. Auch auf Usedom und Rügen sind noch Exemplare zu finden. Darunter auch 172 133 in Originallackierung im Bahnhof Puttbus.

Die Daten der Baureihe 172

  • Hersteller: VEB Waggonbau Bautzen
  • Baujahre: Prototyp 1957, Serie von 1962 bis 1969
  • Ausmusterung: bis 2004 mit Ausnahme von zwei Exemplaren der OBS)
  • Achsfolge:1A
  • Länge über Kupplung: 13.550 Millimeter
  • Spurweite: 1.435 Millimeter
  • Höchstgeschwindigkeit: 90 km/h
  • Antrieb: dieselmechanisch/ hydromechanisch
  • Motorleistung: 180 PS
  • Raddurchmesser: 900 Millimeter