Dieter Lobenbrett: Loriot Biographie

Lobenbrett: Loriot Biographie - riva Verlag
Lobenbrett: Loriot Biographie - riva Verlag
Wie wurde Victor von Bülow zu Loriot? Diese Biographie erzählt seine Herkunft, seinen Werdegang und seinen Aufstieg.

Ein Buch über ein Phänomen wie Loriot zu schreiben, ist gewagt. Ein Buch über ein Phänomen wie Loriot zu schreiben, ohne ihm selbst einmal begegnet zu sein, ist noch gewagter. Wäre es nicht ein Buch über einen der größten deutschen Komiker Deutschlands, der in zahlreichen Zitaten selbst im Buch zu Wort kommt, wäre ein solches Buch schlichtweg nicht möglich und nur eine leblose Auflistung von Fakten. Doch Loriots Sprache und sein Humor würzen das Buch und machen es zu einem lesenswerten Stück deutscher Humorgeschichte.

In zehn Kapiteln beginnt eine Annäherung an den großen Komiker Loriot

Dieter Lobenbrett ist nur ein Pseudonym und wirkt fast selbst wie ein Name aus einem der Sketche von Loriot. Warum der Journalist, der laut Verlagsangabe „bereits mehrere Bücher geschrieben hat und wahrscheinlich Deutschlands größter Loriot-Fan ist“ sich nicht offen zu diesem Buch bekennt, ist verwunderlich. Denn es ist chronologisch gut aufgebaut und auch gut recherchiert. Sicher, was fehlt, ist das wirklich Persönliche, der Familienmensch, Ehemann oder Vater Victor von Bülow, der sich auch nach dem Lesen der Biographie weiterhin nur durch seine Sketche und die zwei Filme zeigt, in denen immer auch ein Teil des Autors steckt, wie Loriot selbst oft sagte. Und auch in dem Buch steckt viel Loriot. Schon der Einleitungstext ist durchdrungen von seiner Komik: „Es war ein seltsamer Sommer gewesen. Er folgte einem schwierigen Frühling und einem anstrengenden Winter. Noch absurder wirkte der Herbst. Zugleich aber aufregend.“ Auch wenn dies kein Zitat ist, so gibt es genug Zitate des Großmeisters des Humors. Und es gibt viel Neues über ihn zu entdecken. Das Buch widmet sich im ersten Kapitel seiner Kindheit und Jugend, im nächsten – eher nebensächlichen – Kapitel den berühmten von Bülow-Vorfahren und schreitet dann den künstlerischen Lebensweg vom Kunstschulstudent, zum Zeichner Loriot bis zum Opernstatist, Schriftsteller, Schauspieler, Filmemacher bis zum Bundesverdienstkreuzträger und Honorarprofessor. Der Umfang des Lebenswerkes Loriots ist im Kapitel 10 zu finden: Ein elfseitiges Werksverzeichnis mit allein über 50 Büchern des Künstlers.

Es gibt immer wieder Neues über den großen Komiker zu entdecken

Die Kindheit und frühe Jugend des „preußischen Adligen“ – fesselnd beschrieben im ersten Kapitel – wird einerseits von der Idylle bei der Großmutter und vom moraltreuen, aber humorvollen Vater Johann-Albrecht von Bülow bestimmt, andererseits auch von den Ereignissen der Zeitgeschichte. So erlebte Vicco nicht nur die Reichskristallnacht „Wir gingen durch die Stadt und standen zwischen diesen zerstörten Geschäften. (...) Wir haben uns zu Tode geschämt. (...)“, als 19-Jähriger wurde er zudem an die Ostfront geschickt. Dort entdeckte er – so Lobenbrett – nicht nur die Wirksamkeit seines Humors und das kulturelle deutsche Erbe als Überlebensmittel gegen die Barbarei, auch Läuse begegneten ihm dort. Eine davon ging später als Steinlaus in die Loriot-Geschichte ein. Nach einer Etappe als Holzfäller meldet sich der junge Vicco bei der Landeskunstschule Hamburg an und wird aufgenommen. Über diese Schule entdeckt er nicht nur, dass man mit Cartoons Geld verdienen kann (wenn auch zu Beginn nur in geringem Maße), er begegnet auch Romi, seiner späteren Frau. Und der Name Loriot wird geschaffen – nach dem Vogel Pirol in dem jahrhundertealten Familienwappen, auf französisch „le loriot“ genannt.

Der Cartoonist und Schauspieler Loriot

Seine Cartoons finden Anhänger und Kritiker, aber er knüpft mehr und mehr Kontakte zu Zeitschriften und Verlagen. Gleichzeitig bekommt er – mehr durch Zufall – ein paar Kleinstrollen in teilweise renommierten Filmen, wie zum Beispiel in „Die Brücke“ und „Der längste Tag“. Das dürfte selbst eingeschweißten Loriot-Fans neu gewesen sein. Auch sein weiterer Lebensweg liest sich spannend. Die Begegnung mit Evelyn Hamann, die zu Beginn so gar nicht seiner Vorstellung entsprach „mir schwebte eine mittelgroße, füllige, 50-jährige, dauergewellte, blonde deutsche Hausfrau vor“ machte sie für immer zu dem populärsten komischen Paar im deutschen Fernsehen.

Ein interessanter Blick auf das Lebenswerk Loriots

Das Buch „Loriot Biographie“ zeigt in jedem Fall, mit welcher Energie und Ausdauer Loriot seinen Lebensweg gegangen ist. Und sie zeigt, wie wichtig es ist, dann aufzuhören, wenn ein inneres Gefühl einem dies sagt. So sind es nur sechs Loriotfolgen auf dem roten Sofa geworden, mit all den legendären Sketchen, die dabei – in einer für heutige Verhältnisse – enorm langen Produktionszeit entstanden sind. Das Medium Fernsehen war danach für Loriot ausgereizt. Und es wurden auch nur zwei Spielfilme. Die Qualität hat sich gerade auch durch diese Entscheidungen nicht verwässert. So bleibt er bis heute der Großmeister des Humors.

Dieter Lobenbrett: Loriot Biographie, riva Verlag, 2011. 208 Seiten, Hardcover. Euro17,99.

Elvira Lauscher, Elvira Lauscher

Elvira Lauscher - Schreiben ist meine Leidenschaft, mein Beruf und meine Berufung. Ich war 28 Ausgaben für ein Ulmer Magazin Chefredakteurin und habe ...

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