
- Ministerin Schmied verleiht Schönherr den Orden - Georg Stefanik
„Ich hoffe, dass es mit den Ehrungen jetzt vorbei ist. Ich will nicht mehr reisen und meine Ruhe haben“, sagte Dietmar Schönherr, kurz bevor er von seinem Domizil in Ibiza aufbrach und sich ins nebelige Wien aufmachte, um von Unterrichtsministerin Claudia Schmied das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse in Empfang zu nehmen.
„Das ist eine große Ehre", bedankte sich der 85jährige Schauspieler, Moderator, Synchronsprecher, Autor, politische Aktivist und Entwicklungshelfer höflich nach der Überreichung des Dekrets und der Insignien, kündigte aber auch an, den Orden selten zu tragen, weil er weder Frack noch Uniform besitze.
Festredner: Ex-Burgtheaterdirektor Klingenberg…
Auch in den Laudationes kam der Humor nicht zu kurz. Der ehemalige Burgtheaterdirektor Gerhard Klingenberg „lobte“ Schönherr: „Dietmar ist ein brillanter Kopf mit hoher Intelligenz – und niemand kann sich vorstellen, wie blöd er sein kann.“
Diese Aussage „untermauerte“ Klingenberg mit einer Schilderung eines Reiserlebnisses in Afrika. Schönherr sei damals besessen gewesen, alles Mögliche auf Tonband aufzuzeichnen – so auch einige Löwen. Abends am Lagerfeuer spielte er die gut gelungenen Aufnahmen ab. Die beiden schliefen ein und waren, als sie aufwachten, von einem Rudel Löwen umzingelt, die die Tonbandstimmen für ein anderes Rudel gehalten hatten. Glücklicherweise waren die Löwen nicht hungrig und zogen ab.
… und Ex-ORF-Radio-Intendant Grissemann
Ein alter Weggefährte Schönherrs, der ehemalige ORF-Hörfunkintendant Ernst Grissemann, erinnerte an die gemeinsamen Anfänge im Tiroler Radio, wo Schönherr mit einem Beitrag über Siegmund Freud erstmals das tat, worin er später große Fertigkeiten entwickeln sollte: Anstoß erregen. Fast wäre er dafür vom äußerst konservativen Sendeleiter gefeuert worden.
Als Moderator des Schweizer Fernsehens (SRG) beschimpfte er in einer Talkshow den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan wegen dessen Unterstützung der Contras in Nicaragua als „Arschloch“ und flog vom Sender.
„Prominentenblockade“ für Raketentransport in Mutlangen
Als die NATO unter amerikanischer Vorherrschaft gewaltig aufrüstete, beteiligte sich Schönherr 1983 eben Heinrich Böll, Walter Jens, Peter Härtling u.a. an der „Prominentenblockade“ auf dem Raketenstationierungsgelände in Mutlangen.
Am ersten Tag griff die Polizei nicht ein. Am zweiten wurden Schönherr und seine namhaften Gefährten weggetragen und zu DM 8.000 Strafe verurteilt, die, so besagte es das Urteil, an eine gemeinnützige Einrichtung freier Wahl zu zahlen sei. Schönherr gründete rasch einen karitativen Verein und überwies den Betrag dorthin.
„Das war“, rekapitulierte Grissemann in seiner Laudatio, „nun ,the very beginning‘ der großartigen Erfolgsgeschichte seines Engagements im kleinen, krisengeschüttelten Nicaragua, das sich in einen grausamen Bürgerkrieg verfangen hatte."
„Das Engagement in Nicaragua ist mir das Wichtigste“, sagt Schönherr
„Mein Engagement in Nicaragua“, bestätigt Schönherr selbst im Interview, „ist mir das Wichtigste. Es entstand aus einer Freundschaft mit dem Befreiungstheologen und Dichter Ernesto Cardinal heraus. Diese Freundschaft besteht immer noch. Begonnen hat es damit, dass ich habe ihn auf einer großen Friedensveranstaltung kennengelernt habe. Dann bin ich nach Nicaragua gegangen, habe ein zerstörtes Dorf im Norden wieder aufgebaut, dann das Kulturzentrum Pan Y Arte (Brot und Kunst) gegründet. Das ist mein Lebenswerk.“
Frühe Erfolge als Schauspieler
1926 in Innsbruck geboren, kam Dietmar Schönherr nach dem Krieg, einem abgebrochenen Architekturstudio und seiner Tätigkeit für den Hörfunk zur Schauspielerei. Der Durchbruch gelang ihm mit dem Film "Rosenmontag" (1955). Fortan wirkte er in mehr als 100 Kinoproduktionen mit; seinen künstlerischen Schwerpunkt verlegte er auf das Charakterfach („Schachnovelle“, „Der längste Tag“, „Der schwarze Tanner“ , „Der Tod zu Basel“ u.v.a.)
Legendäre Fernseh-Erfolge
Im wahrsten Sinne ein Houshold Name wurde er in den 60er Jahren durch das Fernsehen. Er spielte in der legendären "Raumpatrouille Orion" und moderierte gemeinsam mit der dänischen Schauspielerin Vivi Bach, mit der er seit 1966 verheiratet ist, den legendären Show-Straßenfeger „Wünsch Dir Was“. Mit „Je später der Abend“ leitete Schönherr auch die erste Talkshow im deutschen Sprachraum.
Auch dem Theater eng verbunden
Schönherr war auch dem Theater eng verbunden verbunden: Er spielte u.a. auf der Exl-Bühne in Innsbruck, im Theater in der Josefstadt, im Theater an der Wien, auf dem Salzburger Landestheater, dem Tiroler Landestheater in Innsbruck, der Komödie Berlin, im Berliner Renaissance-Theater, im israelischen Nationaltheater Ha-Bimah in Tel Aviv und 15 Jahre lang am Zürcher Schauspielhaus.
Er inszenierte auch zahlreiche Stücke, gehört zu den Mitbegründern der Tiroler Volksschauspiele in Telfs und hat selbst drei Bühnenwerke verfasst.
Das Schreiben ist Schönherrs zweite Leidenschaft
Generell ist das Schreiben neben Nicaragua die zweite Präferenz unter den aktuellen Aktivitäten des Dietmar Schönherr. Sein Buch „Nicaragua, mi amor“ vereinigt beide.
Sein Märchen „Liberté und die Wölfe“, eine – allerdings nicht positiv endende – politische Utopie, wird verschiedentlich sogar Saint-Exupérys „Kleinem Prinz“ gleichgestellt. Schönherrs bislang letztes Buch „Begrabt mein Herz am Fuße des Berg“, dieses Jahr im Wiener Ephelant Verlag erschienen, schildert auf teilweise skurrile Weise die wahre Geschichte der dänischen Insel Samsö, die vom zweiten Weltkrieg verschont blieb, weil sich die Bevölkerung und eine Handvoll deutscher Besatzer auf ein Aussetzen jeglicher Kampfhandlungen einigten.
„Ich denke, ,Nicaragua mi amor‘ ist wichtig, weil es viel über meine Arbeit und die Beziehung zu den Leuten dort aussagt. In poetischer Hinsicht ist vielleicht mein Märchen „Liberté und die Wölfe“ mein Favorit“, rekapituliert Dietmar Schönherr sein schreiberisches Werk.
