Digitalkameras – Wie viele Megapixel braucht man wirklich?

Blende auf - digitale Foto bestehen aus Pixel - Vincenzo Pascale
Blende auf - digitale Foto bestehen aus Pixel - Vincenzo Pascale
Digitalkameras - Wie viele Megapixel braucht man wirklich? Hierbei kommt es auf die weitere Verwendung und die spätere Größe der Fotos an.

Seitdem es die Digitalfotografie gibt, leisten sich die Kamerahersteller regelrecht einen Wettlauf um die Digitalkamera mit den meisten Megapixeln. Jedes Jahr kommen neue Kameras auf dem Markt, die noch mehr Megapixel haben. Dabei finden immer mehr Pixel auf die gleich groß gebliebenen Sensoren Platz. Nun hat Sigma angekündigt eine Kamera mit 46 MB herauszubringen und dies zu einem Preis unter 2.000 Euro. Dies stellt einen Riesenschritt bei den Digitalkameras im semiprofessionellen Bereich dar. Es ist zu erwarten, dass die anderen namhaften Hersteller wie Nikon, Canon, Sony nicht lange auf sich warten lassen und in der nächsten Zeit nachziehen werden, um diesen Meilenstein zu überbieten. Dabei stellt sich die Frage: Wie viele Megapixel braucht man denn wirklich?

Verwendung der Bilder und Format beim Drucken ist maßgeblich

Um dies zu beantworten, sollten Sie sich zunächst fragen, in welcher Größe Sie gewöhnlich Bilder ausdrucken. Reichen Ihnen Urlaubsbilder in einem Format von 9 x 13 cm zum Herzeigen aus? Oder bevorzugen Fotos in 13 x 18 cm (DIN A5)? Lassen Sie die Bilder in der Größe eines DIN A 4 Blattes (20x 30 cm) ausdrucken oder gar in Postergröße (30 x 45 cm und mehr) vergrößern? Oder gehören Sie zu den Personen, die ihre Fotos den Freunden und Bekannten nur am Bildschirm vorführen? Hierüber sollten Sie sich im Klaren sein. Denn die spätere Verwendung und die Größe Ihrer Bilder ist ausschlaggebend, um die Frage beantworten zu können, welche Kamera mit wie viele Megapixel für Sie in Betracht kommt.

Wollen Sie Bilder in einer optimalen Bildqualität ausdrucken, ist eine Druckauflösung von 300 dpi erforderlich. Betrachten Sie die Bilder nur auf dem Monitor oder wollen Sie die Bilder nur ins Internet zum Beispiel bei Facebook, Flickr einstellen, reichen 72 dpi vollkommen aus. Woher weiß man nun, wie viel Megapixel die Digitalkamera haben muss, damit man Fotos in der gewünschten Größe in einer guten Bildqualität ausdrucken kann?

Optimale Bildqualität erreicht man beim Drucken mit 300 dpi

Wie beschrieben, benötigt man zum Ausdrucken von Bildern in einer optimalen Fotoqualität 300 dpi (dot per inch), also 300 Pixel pro Inch. Doch die Angaben verwirren ein wenig, denn wer verwendet heute in Deutschland oder in den deutschsprachigen Ländern noch die Maßeinheit Inch. Verständlicher wird das Ganze, wenn man die gebräuchliche Maßeinheit Zentimeter heranzieht. Ein Inch entspricht nach unseren Maßen 2,54 cm. Dividiert man nun die erforderlichen 300 dpi durch 2,54 cm, kommt man zu dem Ergebnis: 118,11 Bildpunkte pro Zentimeter.

Dies bedeutet, dass zum Ausdrucken eines Bildes in optimaler Fotoqualität 118,11 Pixel auf einen Zentimeter notwendig sind. Hiermit lässt sich die Dimension schon etwas klarer erfassen. Mit einer simplen Rechnung können Sie nun selbst ermitteln, wie viele Megapixel Ihre Kamera haben muss, damit Sie theoretisch Fotos in einer optimalen Qualität in der gewünschten Größe drucken können.

Mit wie viel Megapixel können Bilder in welcher Größe ausdrucken?

Geht man von einer 12-Megapixel-Kamera aus, ergibt sich die Höchstauflösung aus 4000 Pixel vertikal und 3000 Pixel horizontal (4000 x 3000 Pixel = 12 Megapixel). Die horizontale und vertikale Auflösung können Sie den technischen Daten der Kamera (Homepage/Produktinformationen der Hersteller, Testberichte aus Fachzeitschriften) entnehmen. Daraus lässt sich nun leicht errechnen, in welcher Größe Sie Bilder ausdrucken können, ohne Qualitätseinbußen befürchten zu müssen. Teilen Sie nun die vertikale Auflösung der Kamera von 4000 Pixel durch die zuvor ermittelten 118,11 Pixel/cm (= 33, 87 cm) und die horizontale Auflösung 3000 Pixel durch 118,11 Pixel/cm (= 25,40 cm).

Demnach können Sie mit einer 12-Megapixel-Kamera theoretisch Bilder in einer optimalen Fotoqualität in einem Format von 26 cm auf 34 cm drucken, also in Postergröße. Nach dieser Formel können Sie nun zu jeder Megapixel-Kamera die Druckgröße der Bilder bei bester Fotoqualität ermitteln.

Nachfolgend finden Sie einige Beispiele, welche Formate in Fotoqualität mit wie viel Megapixel theoretisch möglich sind:

  • 3-Megapixel-Kamera / 2048 x 1536 Pixel / Optimale Druckauflösung 13 x 18 cm
  • 8-Megapixel- Kamera / 3504 x 2336 Pixel / Optimale Druckauflösung 20 x 30 cm
  • 18-Megapixel-Kamera / 5.284 x 3456 Pixel / Optimale Druckauflösung 30 x 45 cm

Objektiv, Bildsensor und Bildaufbereitung beeinflussen die Bildqualität

Doch dies ist nur eine theoretische, rechnerische Herangehensweise, um sich zu orientieren, in welchen Megapixel-Bereich man sich bewegen sollte, um Bilder in der benötigten Größe in guter Fotoqualität zu bekommen. Die Anzahl der Pixel ist jedoch nicht alles. Auch andere Faktoren beeinflussen in welcher Größe ein Bild ohne Qualitätseinbussen ausgedruckt werden kann. Hierbei ist die Güte des Objektivs, der Bildsensor und die im Kameraprozessor stattfindende Bildaufbereitung zu nennen. Ein stark rauschender Bildsensor oder ein schlecht auflösendes Objektiv können die Qualität der Bilder stark reduzieren und die theoretisch errechnete optimale Druckgröße beeinträchtigen und herabsetzen.

Farbartefakte und Verluste entstehen beim Umrechnen in der Kamera

Auch kommt der internen Bildaufbereitung eine große Gewichtung zu. Herkömmliche Sensoren nehmen in der Regel nicht die eigentliche Farbe auf, sondern lediglich die Informationen über die Helligkeit einer Grundfarbe. Damit die „richtige“ Farbe später wiedergegeben werden kann, muss der Mikroprozessor der Kamera die genaue Farbe durch Vergleichsrechnungen ermitteln. Dies führt jedoch zu Farbartefakten und Verlust von Bilddetails. Damit Farbartefakte minimiert werden, läuft anschließend ein Weichzeichner über das Bild. Danach erfolgt eine Schärfung des Fotos. Wie Sie sich denken können, sind bei diesem Verfahren erhebliche Verluste an Qualität und Bildinformation unausweichlich.

Sind alle Komponenten (Objektiv, Sensor, interne Bildaufbereitung) qualitativ hochwertig und gut aufeinander abgestimmt, können bereits auch bei einer geringeren Megapixel-Anzahl bessere Ausdruckleistungen erzielt werden als theoretisch errechnet. Beispielsweise sind dann mit einer 10-Megapixel-Kamera Vergrößerungen über A3 möglich.

Ausschnittsvergrößerungen erfordern mehr Megapixel

Soweit Sie des Öfteren nachträglich am PC Ausschnittsvergrößerungen machen, brauchen Sie gewisse Reserven. Denken Sie bitte daran: Wenn Sie beispielsweise aus einem Bild in optimaler Druckauflösung von 20 x 30 cm ein Ausschnitt von 10 x 15 cm wählen und sie diesen auch in der Größe von 20 x 30 cm ausdrucken wollen, reduzieren sich auch die Bildinformationen entsprechend. Es empfiehlt sich daher von vorne herein zu einer Kamera mit mehr Megapixel zu greifen.

Quellen

  • Fotoheft, Ausgabe 11/2007, Verlag: VVA Kommunikation GmbH
  • Fotomagazin Ausgabe 05/2011, Verlag: JAHR TOP SPECIAL VERLAG GMBH & Co. KG
Vincenzo Pascale, Foto: Marco Pascale

Vincenzo Pascale - Unsere (Lebens-)Zeit auf diesem Planeten ist begrenzt, so dass es schade wäre, sich nur mit einer Sache zu beschäftigen. Es gibt ...

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