Dill, Petersilie und Liebstöckel – Küchenkräuter, die heilen

Liebstöckel soll magische Kräfte besitzen. - Josef Johann Obiltschnig/pixelio.de
Liebstöckel soll magische Kräfte besitzen. - Josef Johann Obiltschnig/pixelio.de
Schmucklos, aber stark duftend, würzen sie Suppen und Soßen. Außer Geschmack zu verstärken sind sie auch in der Lage zu heilen. Unsere Ahnen wussten dies.

Anders als unsere Vorfahren müssen wir nicht bis zu den warmen Tagen auf die frischen Kräuter warten. Die grünen wertvollen Blätter gibt es jederzeit in den Geschäften. Vom Frühling bis zum Herbst kann man sie am besten im eigenen Garten oder auf dem Balkon ernten.

Dill für Soßen und gegen hohen Blutdruck

Die alten Ägypter nutzten Dill gegen Kopfschmerzen und zur Erweichung der Blutgefäße. Auch Griechen und Römer kannten ihn als Gewürz und Heilmittel. Nach Europa ist er wahrscheinlich mit den Römern gekommen und machte vor allem in der Küche Karriere. Die hochwachsende Pflanze (bis zu 150 cm) mag warme, sonnige, feuchte und windgeschützte Plätze. Der Dill verträgt keinen Frost, daher sollte er vor der richtigen Kälte geerntet werden. In der Küche wird er frisch, getrocknet oder gefroren verwendet. Als Gewürz findet man ihn in Suppen, Soßen, Tunken, Salaten, in den Fleisch- und Fischgerichten. Dill enthält ätherisches Öl, viele Mineralien und Vitaminen B, C sowie Provitamin A.

Für die Naturheilkunde werden seine Samen verwendet. Sie sollen gegen Magen- und Darmbeschwerden sowie Hämorrhoiden helfen. Bei jungen Müttern fördern sie die Milcherzeugung. Außerdem senken sie angeblich den Blutdruck und regen den Appetit an.

Petersilie galt früher als Abtreibungs- und Potenzmittel

Die Petersilie ist heute das meist verwendete Küchenkraut. Als Heilpflanze kannten sie unsere Vorfahren aus der Jungstein- und Bronzezeit (6000 bis 900 v. Chr.). Griechische Ärzte schätzten ihre harntreibende Wirkung. Karl der Große (768 – 814) befahl den Anbau der Petersilie für den Gemüsegarten auf seinen Hofgütern. Im 12. Jahrhundert empfahlen Ärzte dieses Kraut als Medizin gegen Hautkrankheiten und Leberschäden. Die Volksmedizin kannte Petersilie als sehr wirksames Abtreibungsmittel. Die Männer versprachen sich von ihr Hilfe bei den Potenzproblemen.

Sie kann schon im März ausgesät werden, weil sie den späten Frost nicht fürchtet. Was ihr besonders schadet, ist die Trockenheit. Petersilie enthält Eisen, Calcium und Phosphor, außerdem eine ganze Reihe von Vitaminen – A, B, E, C. Nicht nur frische Blätter sondern auch die einjährigen Wurzeln dienen in der Küche für die Zubereitung von unzähligen Gerichten.

Medizinisch wird Petersilie bei Harn- und Darmbeschwerden, Rheuma, Arthritis, Zahn- und Ohrenschmerzen eingesetzt. Genauso wie Dill soll sie Milchsekretion fördern. Die Kosmetik verwendet Petersilie für das Gesichtswasser gegen Akne und Sommersprossen.

Liebstöckel ist in Vergessenheit geraten

Den Liebstöckel, auch Maggikraut genannt, kannten unsere Ahnen ebenso. Seine Heimat liegt vermutlich im Iran. Äußerlich ähnelt er dem Sellerie. Seinen Namen verdankt er dem Glauben an seine magischen Kräfte. Er sollte die Liebe erwecken zu können. Im Mittelalter kam er nach Europa. Hildegard von Bingen (1098 – 1179) empfahl Liebstöckel gegen Mandelentzündungen, Husten und Menstruationsbeschwerden. Mittlerweile ist er in Deutschland in Vergessenheit geraten. Zu unrecht. Er duftet, schmeckt und ist gesund. In der Küche dienen frische Blätter für Suppen, Eintöpfe, Ragouts, Salate. Die Blätter und Triebe kann man selbst als Gemüse zubereiten. Die Heilkunde verwendet heute nur die Wurzeln, wegen ihrer harntreibenden und entwässernden Wirkung. Der Tee aus der Liebstöckelwurzel beugt außerdem dem Nierengrieß vor.

Bildnachweis: Josef Johann Obiltschnig/pixelio.de

Quelle: Horst Mielke, Bärbel Schöber-Butin, Heil- und Gewürzpflanzen. Herausgegeben von der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft. Berlin 2007. 288 Seiten.

Grazyna Gintner, Grazyna Gintner

Grazyna Gintner - Ich habe als Journalistin in Polen gearbeitet. Seit Jahren lebe ich in Deutschland. Neulich brachte ich unter dem Pseudonym Lydia Sanojar ...

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