Der deutsche Lebensmittelhandel schlägt Alarm. Aufgrund des Dioxin-Skandals gehen die Umsätze in einzelnen Bereichen des Einzelhandels stark zurück. Jürgen Abraham, der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie sprach gegenüber der Tageszeitung BILD am 13.01.2010 von drastischen Umsatzeinbussen: "Nach Bekanntwerden verseuchter Futtermittelbestände ist der Umsatz mit Eiern im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent eingebrochen", so Abraham in der Zeitung - und weiter: "Bei Schweinefleisch und Geflügel lagen die Rückgänge bei jeweils zehn Prozent.“

Auch der Export in andere Länder leidet

Doch nicht nur im Inland zieht der Skandal immer weitere Kreise. Auch im Ausland wird zunehmend mit Vorsicht reagiert. Japan etwa hat strengere Kontrollen für Eier, Schweinefleisch und Geflügel, die aus Deutschland kommen, angeordnet. Ein generelles Importverbot allerdings wurde noch nicht ausgesprochen. Weitaus drastischer handelten da Länder wie China, Russland oder Südkorea. Sie ließen die Zufuhren aus Deutschland stoppen. Bei der Bundesvereinigung Deutscher Ernährungsindustrie (BVE) ist man deswegen besorgt. Der Verband befürchtet einen Domino-Effekt und einen nicht wieder gut zu machenden Imageschaden für die deutschen Produkte. Es müsse dringend alles dafür getan werden, dass diese Länder Eier und Fleisch aus Deutschland wieder erlauben.

Umfassende Herkunftsbezeichnung gefordert

Während bei Eiern und Rindfleisch die Herkunft aufgrund von Stempeln und Etikettierungen nachgewiesen werden kann, ist das beim Schweinefleisch noch nicht der Fall. Der Bundesgeschäftsführer der BVE Matthias Horst berichtet im Südwestrundfunk, dass dies derzeit auf EU-Ebene in Brüssel diskutiert werde. Allerdings sei eine solche Maßnahme auch mit Problemen behaftet. Weil der Einzelandel sein Fleisch zum großen Teil aus den unterschiedlichsten Regionen und Gegenden beziehe, müsste Ware, die abgepackt wird, auch ständig umetikettiert werden. Dies bedeute natürlich einen immens großen Aufwand und damit verbunden wären hohe Kosten.

Dioxin-belastetes Fleisch eventuell beim Verbraucher angelangt

Offenbar gelangten Eier aus Betrieben, die wegen des Dioxin-Skandals gesperrt worden waren, während dessen in den deutschen Handel. Auch ist nicht auszuschließen, dass belastetes Schweinefleisch in den Kühltheken gelandet ist. Das teilten die zuständigen Behörden mit. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium erklärte, dass die Landkreise aufgerufen worden seien, die Supermärkte genauestens zu kontrollieren. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) kündigte ebenfalls an, die Futter- und Lebensmittelkontrollen verschärfen zu wollen.

Harles & Jentzsch meldet Insolvenz an

Unterdessen hat der Futterfettproduzent Harles und Jentzsch, der als Verursacher des Dioxin-Skandals gilt, Insolvenz angemeldet. Als Grund nannte ein Sprecher des Insolvenzverwalters, die vielen Schadenersatzansprüche, die unter anderem von Bauern und Futtermittelbetrieben angemeldet worden waren. Der Betrieb hat derzeit etwa rund ein Dutzend Mitarbeiter.

Gewinner des Dioxin-Skandals: das Bio-Ei

Das Ei von Bio-Bauernhöfen ist der große Gewinner des Skandals. Gut dreißig Prozent mehr Umsatz verzeichnen die Bio-Bauern mehr als sonst. Wie lange die große Nachfrage allerdings noch gedeckt werden kann – diese Frage konnte nicht beantwortet werden.