Am 2. Oktober rief der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) die Medien dazu auf, die Berichterstattung über die Tom-Jones-Konzerte am 5. und 7. Oktober in Frankfurt und Hamburg zu verweigern. „Die Bedingungen für Fotografen während der Tom-Jones-Tour bedeuten einen massiven Eingriff in die Freiheit der Berichterstattung“, so DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. „Urheberrechte werden mit Füßen getreten.“ Dazu wolle Tom Jones auch noch ein Recht darauf haben, die Bilder selbst nutzen zu dürfen.
In den Bestimmungen für die Tournee wurden Agenturfotografen von Konzerten ausgeschlossen, alle zugelassenen Fotografen mussten von den Herausgebern ausdrücklich zum Fotografieren eingeteilt werden und die Bilder durften nur im jeweiligen Medium veröffentlicht werden. Tom Jones sollte darüber hinaus kostenlos die veröffentlichten Fotos für Werbezwecke benutzen dürfen. Fotografieren sollte überdies nur während der ersten drei Stücke erlaubt sein.
„Nicht nur will Tom Jones verhindern, dass Fotografen ihre Bilder mehrfach verwerten können“, kritisiert der DJV-Bundesvorsitzende. „Er will darüber hinaus auch noch kostenlose Bilder von Fotografen beziehen. Darauf dürften sich Zeitungen und Zeitschriften und andere Medienunternehmen nicht einlassen."
Ausbeutung von Fotografen und Journalisten keine Ausnahme mehr
Der Aufruf des DJV zum Boykott eines Konzertes war schon lange überfällig. Immer häufiger versuchen Künstler kostenlos an Fotos und Artikel für ihre Zwecke zu kommen. Weigert man sich die Verträge zu unterschreiben, bekommt man keine Akkreditierung. Unterschreibt man die Verträge und weist darauf hin, dass sie unhaltbar seien, wird von den Veranstaltern und PR-Firmen ein Anwalt eingeschaltet. Sie haben zwar oft keine Chance, aber am Ende gewinnen sie doch. Der Fotograf oder Redakteur wird aus der Presseliste gestrichen und nicht mehr eingeladen.
Tot durch Digitalkameras
"Kostenlos" ist das Unwort des Jahres, wenn es um Fotos geht. Seit hochwertige Digitalkameras auf den Markt für jeden günstig zu erwerben sind, hält sich jeder für einen Fotografen. Hinzu kommen "Hobbyjournalisten", die irgendwo in den Weiten des WWW eine eigene Homepage betreiben. Sie nennen sich meist noch Chefredakteure und sind Inhaber eines fadenscheinigen Presseausweises. Die PR-Agenten sind oft mit den Anfragen überfordert und geben fast jedem eine Akkreditierung für die jeweiligen Konzerte. Wenn die Probanten dann noch einen Vertrag unterschreiben, in dem sie zusichern kostenloses Fotomaterial zur Verfügung zu stellen, sind sie willkommene Gäste. Was sie den "Profis" damit antun, interessiert sie nicht. Hauptsache, man kann seine Seite mit tollen Bildern von Konzerten und Superstars aufwerten.
Fotograf ist ein Beruf
Fotografieren kann man nicht, nur weil man eine tolle Digitalkamera mit hoher Auflösung in der Hand hält. Das verkennen viele Hobbyfotografen. Gerade im hartumkämpften Ressort "Roter Teppich" gehört viel mehr dazu. Nicht nur die Ausrüstung, die einen Profi im Schnitt 20.000 Euro kostet, auch ein gewisses Talent spielen eine Rolle. Starfotografen sind Jäger. Man muss wissen, wie man sich verhält, bestimmte Regeln beachten und wissen, wie ein Foto präsentiert werden muss. Eine Ausbildung zum Profifotografen dauert bis zu drei Jahre und ist kein Zuckerschlecken.
Bilder so billig wie möglich oder kostenlos
Kein Artikel ohne Bilder. Würden Fotografen die beschriebenen Artikel mit ihren Fotos nicht belegen, wären die Zeitschriften, Magazine und Tageszeitungen ganz schön langweilig. Wer will schon nur lesen, erst durch ein gutes Bild wird ein Bericht so richtig interessant. Allerdings will man auf dem Bild auch was erkennen. Verschwommene Konturen, verschossene Bilder und ein Micro vor dem Gesicht, will kein Leser sehen. Ende vom Lied, selbst wenn die Bilder kostenlos sind, dem Leser wird es zu bunt und er kauft sich das Blatt nicht mehr.
Auch Fotografen müssen essen
Wenn nicht ein Umdenken stattfindet, wird es immer weniger gute Fotografen geben, weil ihre Existenz gefährdet ist. Sie werden sich, wie es viele schon gemacht haben, umorientieren. Entweder sie eröffnen ein Fotostudio, wo ihre Arbeit noch anerkannt und adäquat bezahlt wird, oder sie geben ganz auf und wechseln das Genre. Viele konzentrieren sich auf den Werbemarkt, wo es noch Geld gibt.
Am Ende gibt es nur noch Hobbyfotografen in den "Gräben" der Konzertsäle und die Künstler bekommen etwas, was sie gar nicht wollen. Miese Bilder, die von keiner Redaktion genommen werden und kostenloses Werbematerial, mit denen sie ihre Homepages ganz bestimmt nicht aufwerten können. Bleibt zu hoffen, dass die Künstler sich darauf zurückbesinnen, dass die Arbeit der Fotografen Hand in Hand mit ihren Interessen gehen. Je besser die Fotos, desto eher kauft sie eine Redaktion und der Künstler steht garantiert am nächsten Tag groß in der Zeitung!
