DKP-Festival 2011 in Dortmund: Musik und Konzerte

Síncopa, DKP-Volksfest, Dortmund, 25. Juni 2011 - Vera Kriebel, 25.6.2011
Síncopa, DKP-Volksfest, Dortmund, 25. Juni 2011 - Vera Kriebel, 25.6.2011
DKP-Volksfest der Solidarität: Musik für alle - Liedermacher, Ska-Punk, Chöre, Folk, Blues, Rock, Pop - Diskussion um Hip-Hop-Band "Die Bandbreite".

Das DKP-UZ-Pressefest (früher Volksfest der Solidarität) findet alle zwei Jahre am langen Fronleichnamwochenende im Dortmunder Revierpark Wischlingen statt und ist eines der größten Feste der linken Szene in Dortmund überhaupt. Auch wenn die unten stehenden Fotos vom Aufbau des Festivalgeländes anderes vermuten lassen - die offene, bunte Atmosphäre des DKP-Fests machen es zur "Pflicht" (so der Macher der Kreuzviertel-Site Schweinrich.de) für alle, die auch mal etwas anderes unternehmen wollen als BVB oder Sektschwenkerei auf dem Alten Markt.

Musikalisch steht tiefster kalter Krieg neben heißen Rock- oder Latinorhythmen.

Bots mit 7 Tage trinken, Inti Illimani revisited, Eva Ayllón

Flauta, Geige und Gitarre der Liedermacher und Chöre (von manchmal schwer erträglicher Tonschrägheit und inhaltlicher Simplizität) beherrschen auf dem DKP-Fest nicht nur, aber vor allem die kleineren Bühnen und dröhnen aus jedem verfügbaren Zeltlautsprecher im Wettstreit mit den großen Gigs.

Das waren am Freitagabend die Bots ab 21 Uhr - allen "älteren Semestern" bekannt durch "Was wollen wir trinken sieben Tage lang" aus den 1970er und 1980er Jahren. Sie lieferten nicht nur den vielen grauhaarigen Besuchern eine tolle Show!

Freitag- und Samstagabend ab 20 Uhr sind weitere Highlights Inti Illimani Histórico und Eva Ayllón: Inti Illimani war zusammen mit Quilapyún nicht nur in Chile, sondern weltweit musikalisches Aushängeschild und Spachrohr des chilenischen Widerstands gegen die Pinochet-Diktatur von 1973 bis 1988. "Inti Illimani Histórico" - mit dem "Gravitationszentrum" Horacio Durán - ist ein Ableger der Musikgruppe nach der Spaltung im Jahr 2004.

Bei der diesjährigen Tour der chilenischen Gruppe steht aber nicht Inti Illimani selbst, sondern eher Eva Ayllón mit ihrem ebenso peruanisch wie afroamerikanisch bestimmten Repertoire im Rampenlicht. Laut Pressemitteilung wird sie von Mercedes Sosa als "schwarze Stimme Lateinamerikas" und von der Los Angeles Times als "Tina Turner Perus" bezeichnet - was in gewisser Weise passt, denn Eva Ayllón hat etwas von der verlebten Lebedame und viel von der Stimme Tina Turners - wenn da nicht die Musik wäre, eingängiger lateinamerikanischer Folkpop ...

Konzert-Highlights: Von Síncopa über Foggo bis Barcodes

Aber auch für diejenigen, die mit linker Musik nicht nur die Klampfe verbinden, ist gesorgt: Beispielsweise Marc Foggos Ska-Punk am Freitagnachmittag - der einen besseren Platz und eine bessere Zeit verdient gehabt hätte - oder Rockabilly & Surf mit den "Barcodes" am Freitagabend und schnelle kubanische Rhythmen von Síncopa.

Zum Thema politischer Korrektheit in der linken Szene passt, dass die Hip-Hop-Band "Die Bandbreite" nicht auftreten kann, weil die Veranstalter Unruhen auf dem Fest befürchten: "In den letzten Wochen wurde massiver Druck, insbesondere aus dem politischen Spektrum der sogenannten „Antideutschen“, auf den Veranstalter ausgeübt, diese Gruppe wieder auszuladen. Sie dürfe nicht auftreten, weil sie sexistische, homophobe, rassistische, faschistische und antisemitische Inhalte verbreite" (Presseerklärung der DKP, 21.6.2011).

Reaktionen auf Bandbreite-Absage: "Das ist schon Rufmord"

Die DKP als Veranstalter sagte daher den Auftritt von Bandbreite ab. In einer offenen Diskussionsrunde hatten die Bandmitglieder am Wochenende im Dortmunder Revierpark die Möglichkeit, den Vorwürfen zu begegnen. Doch das reicht den Gegnern nicht: In Twitter kursieren Meldungen, die auch dieses Vorgehen torpedieren, weil man damit "Bandbreite" ein "Forum zur Selbstdarstellung" (amzdo) böte.

Die schon seit Mittwoch zahlreich vertretenen Festival-Besucher sind sich einig darin, dass die Antifa-Vorwürfe gegenüber Bandbreite haltlos sind: Eine Besucherin aus Göttingen ist über die Absage entsetzt, sieht aber das Problem darin, dass die "Antideutschen wirklich bekloppt" sind. Sie hat in Göttingen erlebt, wie diese fundamentalistische Splittergruppe bei Konzerten vorgeht, die massiv Besucher hinderte, auf das Festivalgelände zu kommen. Bandmitglieder würden mit Vorwürfen überhäuft, die einem "Rufmord" glichen, zum Beispiel sei einem Bandmitglied einmal vorgeworfen worden, er habe eine Frau vergewaltigt - "gegen so etwas kann man sich dann praktisch nicht wehren". "Da muss man sich aber wirklich mal überlegen, wie man mit denen umgeht. Es kann nicht sein, dass wir uns von denen tyranniseren lassen."

Eine andere Besucherin wiegelt ab, als das Thema angesprochen wird: "Diese fünf Antideutschen werden unser Fest nicht kaputtmachen", und sorgt sich um "die Partei, die jetzt überall als Weicheier hingestellt wird".

Wie man mit solcherlei Drohungen seitens der DKP zukünftig umgehen soll, scheint aber offen. Die Diskussion und das anschließende Kurzkonzert der beiden "Bandbreiten" am Sonntagmittag, 26.6.2011, verlief kontrovers, aber friedlich (Fotos unten).

Mehr Infos zum DKP-Fest mit Anfahrt und Programmhinweisen.

Vera Kriebel, Vera Kriebel

Vera Kriebel - Themen: u.a. Wirtschaft, Technik, Literatur, Reisen, IuK, Politik, Kultur, Geistes- und Sozialwissenschaften Texte, Recherchen, ...

rss