Do you speak English?

English is everywhere - isn't it? Droht die absolute Anglisierung?

Fremdwörter sind ein wichtiger, teilweise unverzichtbarer Bestandteil des deutschen Wortschatzes. Die deutsche Sprache kam, wie jede andere Sprache der Welt, zu keiner Zeit ohne Fremdwörter aus. Sie erfüllen verschiedene wichtige Funktionen im Rahmen der alltäglichen wie der wissenschaftlichen Kommunikation. Ein Fremdwort kann dann nötig sein, wenn etwas mit deutschen Wörtern nur umständlich oder unvollkommen umschrieben werden kann, wenn man einen minimalen inhaltlichen Unterschied ausdrücken, unerwünschte Assoziationen vermeiden, etwas verwissenschaftlichen, ein bestimmtes Lebensgefühl zum Ausdruck bringen, die Aussage stilistisch variieren oder den Satzbau straffen will. All dies sind stilistische Funktionen.

Hinterfragen kann man den Gebrauch von Fremdwörtern dort, wo die Gefahr besteht, dass sie die Verständigung und das Verstehen erschweren, wo sie der Überredung oder Manipulation (vor Allem in der Sprache der Politik oder der Werbung) dienen oder wo sie lediglich als intellektueller Schmuck oder sogar aus purer Nachlässigkeit und Gedankenlosigkeit (weil ein deutsches Wort „gerade nicht zur Hand“ ist) verwendet werden. Ein Förderer dieser Dominanz sind Fremdwörter sich kaum auf Wörter des deutschstämmigen Wortschatzes beziehen lassen, da sie nicht zu einer vertrauten Wortfamilie gehören, aus der heraus sie erklärt werden können (wie Läufer von laufen). Aus diesem Grunde ist mit der Verwendung von Fremdwörtern auch ganz allgemein die Gefahr des falschen Gebrauchs verbunden. Fehlgriffe sind leicht möglich: Restaurator kann mit Restaurateur, Katheder mit Katheter, kodieren mit kodifizieren, konkav mit konvex, desolat mit desperat oder effektiv mit effizient verwechselt werden. Oft kann dabei unfreiwillig Komik entstehen, etwa wenn statt von einer Sisyphosarbeit von einer Syphilisarbeit die Rede ist.

Die These von der „Überfremdung“ des Deutschen durch übermäßiges Eindringen von Fremdwörtern erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Dass dabei oft nationalistisch motivierte Terminologien verwendet werden ist eine Begleiterscheinung der Beanstandung. Sprachhistorisch betrachtet ist dieses Phänomen indes keineswegs neu, denn völkerübergreifende Kontakte bedeuteten zu allen Zeiten auch Sprachaustausch und ließen fremdes Wortgut in die deutsche Sprache kommen. Für die Gallier war das Lateinische die Handelssprache mit den Römern. In der Rennaissance, geprägt durch die christliche Religion, waren Griechisch und Lateinisch schick. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde Französisch en vogue.

Die deutsche Sprache war im 20. Jahrhundert intensivem Einfluss der englischen Sprache und im Speziellen ihrer US-amerikanischen Variante ausgesetzt, was sich im 21. Jahrhundert fortsetzen wird. Das äußert sich in einer Vielzahl von Entlehnungen und unangepassten Übernahmen, die weit über den Wortschatz hinausreichen. Nachdem viele Wendungen des Englischen zunächst über verschiedene Fachwortschätze, vor allem denen des Sports, der Musik, der Wirtschaft und der Technik zu uns gelangt sind, finden sich die Belege für das Überfremdungssyndrom gegenwärtig auch in der Alltagssprache zuhauf. So werden heutzutage Vorbestellungen gecancellt, Probleme gemanagt, Situationen gehandelt und Preise gescannt. Statt Überschriften formulieren wir Headlines, das Date ersetzt die Verabredung, und eine Sitzung wird zum Meeting, in dem statt Entwürfen Papers oder Hand-outs verteilt werden. Längst kaufen Mum und Dad mit ihren coolen Kids lieber im Shopping-Center auf der grünen Wiese als im biederen Discounter in der City, und noch auf der langweiligsten Geburtstagsparty intonieren die Gäste selbstredend Happy Birthday. Der Sportteil jeder Tageszeitung weiß zu berichten, dass der Goalgetter und sein Coach im blauen Sweater beim Training über das vom Referee nicht gepfiffene Foul im letzten Match der Champions League diskutiert haben. Und wer als Aktivsportler up to date und nicht out sein will, steht auf Bungeejumping, Freeclimbing, Rafting, Mountainbiking und Snowboarding. Steht der Facilitymanager nicht auf Active-Sports, sollte er einfach nur relaxen und mal schnell das Radio aufdrehen um die Tophits abzuchecken.

Kommunikationsprobleme?

In der Europäischen Union leben so viele verschiedene Völker mit so vielen verschiedenen Sprachen und Dialekten, dass die Verständigung untereinander beinahe an ein Wunder grenzt. Häufig werden Sprachprobleme einfach als gegeben betrachtet oder nicht ernst genommen. Die EU hat momentan 11 Amtssprachen. Und es werden nach einer möglichen Südosterweiterung noch mehr. Dass alle in der Praxis keineswegs gleichberechtigt sind, kann man auch als EU-Bürger von Zeit zu Zeit spüren. Viele amtliche Formulare werden zumeist ausschließlich in englischer Sprache herausgegeben.

Aufgrund von Sprachproblemen macht sich oft eine gewisse "kulturelle Einbahnstraße" bemerkbar. Das Ziel der europäischen Bildungspolitik, die die Beherrschung von immer mehr Gemeinschaftssprachen verfolgt, scheint letztlich unrealistisch. Auch wenn Französisch einen hohen Stellenwert in der EU hat, so ist Englisch immer noch die vorherrschende Sprache. Wenn man allein die Bedeutung des Englischen in der Entwicklung der Telekommunikationsbranche und im speziellen des Internets beobachtet, so muss man feststellen, dass nur wenige Sprachen, die eine große Sprecherzahl haben breiteren Niederschlag finden. Ähnliche Vorgänge kann man in der Musikbranche beobachten. Dort ist die Englische Sprache nicht nur vorherrschend, sie diktiert sogar den Verlauf der populistischen Musik.

Vor- oder Nachteil?

Die Anglisierung des Deutschen ist das Resultat der politisch-wirtschaftlichen Dominanz der USA, kommunikationstechnischer Entwicklungen und mangelnden Sprachloyalität. Die hauptsächlichen Transporteure von Anglizismen sind die Massenmedien und die Werbe- und Unterhaltungsbranche.

Das Deutsche ist in einigen Fachgebieten als Kommunikationsmittel ungebräuchlich geworden und droht seinen Status als Wissenschafts- und Kultursprache zu verlieren. In vielen Bereichen der Forschung, der Technik und der Wirtschaft ist versäumt worden, geeignete deutsche Terminologien zu entwickeln und sie ständig der Entwicklung anzupassen. In vielen Wissenschaften wird nicht oder kaum mehr auf Deutsch publiziert. So müssen die Forscher das Englische verwenden, um in ihrem Fach arbeiten zu können.

Dies alles mag auf den ersten Blick bedrohlich wirken. Tatsächlich aber bereichern und befruchten sich verschiedene Sprachen gegenseitig und schaffen Übergänge statt Grenzen. Wortschätze waren stets im Wandel und geprägt vom stärksten Kulturträger. Das war so in der Blütezeit der Römer, unter französischer Kulturdominanz und heute unter dem Konsumdiktat der Vereinigten Staaten. Ein wesentlicher Vorteil, den eine kulturübergreifende Sprache mit sich bringt ist schnellerer Austausch von Wissen. Was meist auf der Strecke bleibt sind Kunst und Tradition. Doch gerade aus dieser defensiven Situation heraus haben die Einzelsprachen die Aufgabe diese Errungenschaften zu verbreiten, denn wie in der modernen Berufswelt sind Spezialisten gefragt. In einem komplexen Staatenbund wie der EU ist das Nebeneinander von Amtssprachen und Einzelsprachen eine Entwicklung, der man wohlwollend entgegenblicken kann. Auch wenn der Weg lang zu sein scheint.

Werner Hoffmann, Werner Hoffmann

Werner Hoffmann - Ausbildung und Studium: Sept. 1993 - Juni 2002 | BRG 7 WienOkt. 2002 - Nov. 2009 | Publizistik- und Kommunikationswissenschaft / ...

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