Dörfer in Berlin: Kladow

Haveldorf ging aus einer slawischen Siedlung hervor

Berlins Wahrzeichen: das Brandenburger Tor - Wilhelm Ruprecht Frieling
Berlins Wahrzeichen: das Brandenburger Tor - Wilhelm Ruprecht Frieling
Von den in der Weltstadt Berlin noch gut erhaltenen Dörfern ragt Kladow mit einem gut erkennbaren Dorfkern hervor.

Das verträumte Dörfchen Kladow, im südwestlichen Grüngürtel Berlins, liegt am rechten Ufer der Havel. Bis zum Fall der Berliner Mauer konnte der zu Berlin-Spandau gehörende Ort nur mittels eines längeren Anfahrtsweges erreicht werden. Dies ist sicherlich einer der Gründe, warum Alt-Kladow vom Zahn der Zeit teilweise verschont geblieben ist.

Kladow wurde erst spät „entdeckt“

Ein weiterer Grund ist, dass das ursprünglich vollständig ländliche 600-Seelen-Dorf erst um die Jahrhundertwende von den Berlinern „entdeckt“ wurde. Schnell wurde es zum Refugium für den stressgeplagten Städter. Erholungsheime, Krankenhäuser und Bildungseinrichtungen sind seitdem in Kladows Villen und ehemaligen Gutshäusern eingerichtet worden, und die Bevölkerung hat sich mittlerweile vervielfacht.

Dorfstruktur noch gut erkennbar

Kladow-Dorf besteht aus einem Ober- und einem Unterdorf. Das Oberdorf ist in seiner historisch gewachsenen Form mit Dorfaue, Kirche, Dorfkrug, Höfen und kleinen Straßen noch gut erkennbar. Dort residierte einstmals Kladows bekanntester Bewohner, der 2006 verstorbene Berliner Milieumaler Kurt Mühlenhaupt, im schönsten der noch erhaltenen dörflichen Anwesen, einem Bauernhof mit Nebengebäuden aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts am Sakrower Kirchweg.

Dorfkirche aus Feldstein

Die Dorfkirche wurde 1818 auf den Grundmauern einer abgebrannten spätgotischen Kirche aus Feldsteinen erbaut. Vor der Kirche spendet eine 1631 gepflanzte Linde auf der Dorfaue Schatten. Dort lädt auch ein alter Dorfkrug ein, der vielen Gourmets eine Reise wert ist. Denn hier wird nach traditioneller Hausfrauenart Eisbein mit Erbspüree und Sauerkraut serviert.

Älteste Urkunde von 1267

Kladow-Dorf muss zu Zeiten Kaiser Karls schon mindestens ein Jahrhundert bestanden haben. So datiert die nachweisbar älteste Urkunde aus dem Jahr 1267. Damals hieß Kladow noch Clodow; der Name wird auf das slawische Wort „kloda“ für Klotz oder Baumstamm zurückgeführt und bezieht sich auf die den alten Slawen wohl vertraute Wald- und Rodearbeit. Das slawische Dorf jener Tage war in Großfamilien organisiert, die inmitten des zu bewirtschaften Ackerlandes lebten. Sie ernährten sich in erster Linie von der Landwirtschaft.

Parkgelände mit Menckenhaus

Außerhalb des Dorfkerns stoßen Spaziergänger auf ein noch zu Kladow gehörendes Parkgelände. In seiner Mitte befindet sich ein großes, schlossartiges Gebäude, das Menckenhaus. Benannt wurde das prächtige Ensemble nach einer seiner Bewohnerinnen, Wilhelmine Luise Mencken, der Mutter Bismarcks, die hier Anfang des 19. Jahrhunderts wohnte. Das Anwesen hatte zuvor dem Alchimisten Johann Kunckel gehört, der im Auftrag des Großen Kurfürsten auf der Pfaueninsel Gold herstellen sollte.

Zu der weitläufigen Parkanlage gehört schließlich der einstige Golfplatz des Margarinekönigs van den Berg. Ganz in der Nähe befindet sich ein Golfplatz, der in der Zeit des Viermächtestatus Berlin von der britischen Armee betrieben wurde und Militärangehörigen (und ihren deutschen Freunden) vorbehalten war.

Weitere bekannte Berliner Dörfer sind Marienfelde und Lübars.

Wilhelm Ruprecht Frieling, © Wilhelm Ruprecht Frieling

Wilhelm Ruprecht Frieling - Wilhelm Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi ist seit 40 Jahren als Autor und Verleger aktiv. Er veröffentlichte in deutschen und ...

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