Dörfer in Berlin: Lübars

Im Norden Spreeathens befindet sich die Pferdepension der Stadt

Dörfliche Idylle in Berlin-Lübars - Wilhelm Ruprecht Frieling
Dörfliche Idylle in Berlin-Lübars - Wilhelm Ruprecht Frieling
Lübars ist das Musterdorf Berlins. Hier bietet sich die anheimelnde Atmosphäre ländlichen Lebens.

In Lübars genießt der Städter noch den Eindruck des weiten Landes, den er sonst erst im Land Brandenburg erfährt. Es gibt Kuhställe und Misthaufen, dicke Schmeißfliegen schwirren umher, und frühmorgens kräht der Hahn.

Der Krieg veränderte das Dorf

Vor dem Zweiten Weltkrieg besaß der Ort fünf Erbhöfe; 17 Bauern bewirtschafteten die fruchtbaren Wiesen und ertragreichen Felder; 350 Rinder, 300 Schweine, 55 Pferde und eine große Zahl an Federvieh wiesen Lübars als echtes märkisches Bauerndorf aus.

Nach dem Krieg mussten dann obdachlos gewordene Menschen mit Wohnraum versorgt werden, und auf den ehemaligen Roggen- und Maisfeldern entstanden Wohnhäuser. Dennoch ist Lübars ein Bauerndorf geblieben. Besucher finden malerische Höfe und schmucke Bauernhäuser. In einer Bäckerei wird Lübarser Landbrot nach traditionellem Rezept gebacken. Im Dorfkrug treffen sich am Abend die Bewohner zum zünftigen Skat auf ein Bier. Am Sonntagvormittag sieht man sie mit der Familie zum Gottesdienst in die kleine Dorfkirche gehen.

Die einstige Pferdepension Berlins

Lübars gilt vielen als Pferdepension Berlins. Hier treffen sich die Dorfkinder und Stadtkinder zum Austritt und zur anschließenden Stallarbeit. Auch viele Kinder und Jugendliche, die Reiterferien machen wollen, finden ihr Urlaubsdomizil in Lübars. Vor dem Fall der Mauer war dies der einzige Platz in der Millionenstadt, wo ein Urlaub auf dem Bauernhof möglich war.

Sehenswerter Dorfkern

Im Dorfkern findet sich eine barocke kleine Kirche aus dem Jahre 1793. Das schlichte Innere beherbergt einen Altar von 1739, der aus der abgerissenen Gertraudenkirche am Spittelmarkt stammt. Auf dem mit Gras bewachsenen Dorfanger vor der Kirche ruht ein gewaltiger Findling, der 1956 aus dem Acker des Bauern Rosentreter gebrochen wurde.

Wenige Schritte von dem Relikt aus der Eiszeit entfernt, berichtet das einstige Wohnhaus einer Gutsbesitzerfamilie mit klassizistischer Stuckfassade über die Gründerjahre von 1870 bis 1890.

Der einstige Tonstich wurde zum Badesee

Im Lübars finden sich noch mit Stroh gedeckte Bauernhäuser, prachtvoll gekalkte Gebäude und altertümliche Backsteinhäuschen, die einstigen Wohnhäuser der früher im Lübarser Tonstich tätigen Ziegeleiarbeiter. Noch in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde Ton gestochen und eine Ziegelei betrieben. Der einstige Tonstich wurde zum stark besuchten Strandbad Lübars, und nur der Name Ziegeleisee erinnert daran, was sich einst an der Stelle des sauberen Gewässers befand.

Erstmals 1247 urkundlich erwähnt

Die urkundliche Überlieferung des Dorfes beginnt im Jahre 1247. Als Besitz des Spandauer Benediktinerinnenklosters wird „Lubas“ 1375 verzeichnet. Damals wurden sechs Kleinbauern registriert und ein Dorfkrug, dessen Wirt dem Dorfschulzen fünf Schilling zu zahlen hatte.

Nordwestlich des Dorfs befindet sich die letzte frei sprudelnde Quelle Berlins. Dieses Wasserloch, das bereits 1751 erwähnt wurde, heißt im Volksmund Osterquelle.

Betonstadt schaut auf ländliches Idyll

Vor den Toren von Lübars offenbart die Schlafstadt „Märkisches Viertel", die rund 60.000 Menschen in Hochhäusern beherbergt, den Gegensatz zwischen dörflichem und städtischem Leben. Diese Betonstadt wird im Volksmund „Langer Jammer“ genannt.

Weitere bekannte Berliner Dörfer sind Kladow und Marienfelde

Wilhelm Ruprecht Frieling, © Wilhelm Ruprecht Frieling

Wilhelm Ruprecht Frieling - Wilhelm Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi ist seit 40 Jahren als Autor und Verleger aktiv. Er veröffentlichte in deutschen und ...

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