Am Dienstag, den 11.03.08, startete ProSieben die neue Spielfilmreihe "Funny Movie“. Unter diesem Titel persifliert die Münchener Produktionsfirma RatPack von Christian Becker und Anita Schneider bekannte Spielfilme. "Dörtes Dancing“ – so der Titel der ersten Ausgabe.
Die Vorlage: "Dirty Dancing" mit Patrick Swayze
Zu den immer wieder gern gesehenen Meisterwerken des Filmgeschäftes gehört "Dirty Dancing“ mit Jennifer Grey und Patrick Swayze in den Hauptrollen. Der Blockbuster von 1987 erzählt die Geschichte der Arzttochter Frances Houseman, die innerhalb ihrer Familie und von Freunden Baby genannt wird. Wie jedes Jahr, so verbringt sie mitsamt ihrer paarungswilligen Schwester und Familie erneut ihre Ferien im Ferienresort Kellermans. Dort lernt Baby den Tänzer Johnny Castle kennen. Dieser lehrt Frances/Baby das Mambotanzen, weil Johnny für einen wichtigen Auftritt eine Ersatzpartnerin braucht. Johnnys Tanzpartnerin und frühere Freundin leidet unter den Folgen einer stümperhaft durchgeführten Abtreibung, sodaß sie ausfällt. Frances Baby Houseman sorgt dafür, daß ihr Vater Dr. Houseman Johnnys Partnerin hilft. Zeitgleich trainiert sie hart, um Johnny bei dessen Auftritt zur Seite stehen zu können. Im Lauf dieser Zeit verlieben sich die beiden ineinander.
"Dörtes Dancing" mit Tom Beck
Der ProSieben-Film "Dörtes Dancing“ greift die Hauptmotive von "Dirty Dancing“ auf. Dörte und ihr Freund Jens sind auf gemeinsamer Urlaubsreise durch die USA. Dörte tanzt für ihr Leben gern und hat "Dirty Dancing“ unzählige male gesehen. Ihr Freund Jens hat für das Tanzen wenig übrig. Nach einem Streit darüber haben Dörte und Jens einen Autounfall mit ihrem Kia. Dörte wacht nach kurzer Bewußtlosigkeit wieder auf und ist auf einmal Baby in einem Umfeld, das dem von "Dirty Dancing“ entspricht. Die Handlung wiederholt sich; Dörte erlebt die Geschichte von Frances Baby Housemann selbst. Sie kennt den Film natürlich und hilft den Geschehnissen etwas nach, um in den Armen von Jimmy, dem Gegenstück zu Johnny Castle, zu landen. Währenddessen stolpert Jens von Filmzitat zu Filmzitat (u.a. "The Rocky Horror Picture Show“), um letztlich seine Dörte wiederzufinden – im Film wie auch in der Liebe zu ihr. Das Happy End zum berühmten Song "(I’ve had) The Time of my Life" folgt mit einem Mamboquartett.
Die Besetzung: Jeanette Biedermann, Tom Beck und Sven Waasner
Jeanette Biedermann spielt die Rolle der Dörte quirlig, aufgedreht und girlie-like. Sie fügt sich daher perfekt in das Konzept dieses Films ein. Dass sie in der Figur etwas eindimensional bleibt, liegt an der Vorgabe der Rolle. Ihr Partner Sven Waasner, der ihren Freund Jens spielt, verkörpert einen sehr langweiligen Spießer. Doch seine Rolle ändert sich: Er begreift, daß er Dörte liebt und macht sich auf dem Weg ins Finale selbst zum Affen, um seine Freundin zurückzugewinnen.
Die Rolle des Schauspielers Tom Beck (Tänzer Jimmy), der als neuer Kommissar bei Alarm für Cobra 11 Gedeon Burkhard nachfolgt, ist dagegen vielschichtiger angelegt. Einerseits ist er ein wirklich guter Tänzer und andererseits ein Proll mit Opel Manta. Abwechslungsreich und unterhaltsam hat Tom Beck seine Aufgabe gemeistert. Interessantes Detail am Rande: Zwei Tage zuvor hat Tom Beck in einer Pilcherverfilmung Schwiegermutters Liebling gegeben. Vergleicht man beide Performances von Beck, kommt dessen schauspielerisches Können deutlich zum Vorschein.
Das Konzept der Funny Movies
Mit dem Konzept Funny Movie beweist die Firma RatPack einmal mehr, dass sie kreativer ist, als andere Filmemacher. Besonders das ZDF, das seine Serien und Filme nach Schema F abdreht, kann sich an ProSieben und RatPack ein Beispiel nehmen. In einer abgedrehten Komödie à la "Dörtes Dancing“ stecken mehr Hirnschmalz, Ideen und Liebe zum Film, als in einer der alltäglichen Liebesschnulzen. Allerdings gab es nicht viel Gelegenheit zum Lachen, denn wirklich witzig waren die wenigsten Momente. Auch wurde nicht an Originalschauplätzen gedreht, obwohl dies in der Presse zeitweise zu lesen war.
Die Quote von "Dörtes Dancing"
"Dörtes Dancing“ hat für die Reihe „Funny Movie“ aus Sicht der Verhältnisse von ProSieben einen guten Einstand erzielt: 3,82 Millionen. Zuschauer Gesamtpublikum und 11,6 Prozent Marktanteil sowie 3,09 Millionen und 22,8 Prozent Marktanteil bei den Zuschauern der für die Berechnung der Werbeeinnahmen der Privatsender entscheidenden Zielgruppe 14-49 sind ein sehr gutes Ergebnis. Doch das Gesamtpublikum – vor allen Dingen die älteren Leute, schauen lieber Serien wie "Um Himmels Willen“: Mit 6,89 Millionen Zuschauern und 20,9 Prozent Marktanteil war die ARD Tagessieger am 11. März 2008; was jedoch am Erfolg von "Dörtes Dancing“ und dem hohen Maß an damit zu Tage gelegter Kreativität nichts ändert. Eine ähnliche Kreativität hatte auch "Die ProSieben Märchenstunde“ von den gleichen Produzenten zu bieten. Leider ließ das Interesse der Zuschauer mit steigender Zahl an Folgen drastisch nach.
