Seit rund 900 Jahren wird in Europa Papier hergestellt. In China kannte man das Geheimnis der Papierherstellung schon viel früher als in Europa. Zum Glück müssen wir heute die Zellulose als Grundstoff der Papierherstellung nicht mehr aus Lumpen tagelang kochen. Eine ziemliche Matscherei, die man am besten im Sommer draußen erledigen sollte, ist die Sache aber auch heute noch.
Die Materialien
Pürierstab
Holzlatten und Moskitonetze bzw. Fliegengitter für den Bau unserers Schöpfrahmens
Wanne
Eimer
Filz
alles, was Fasern hat
Bau des Schöpfrahmens
Für den Schöpfrahmen kann man einfach zwei Bilderrahmen ohne Glas nehmen. Aber dann haben wir wieder die altbekannten Formate. Viel interessanter ist es natürlich, für das selbstgeschöpfte Papier ein eigenes unverwechselbares Format zu haben. Das wählen wir uns aus und machen zwei gleich große Rahmen. Die Holzlatten müssen keine große Belastung aushalten, weshalb es ausreicht, sie einfach nur zusammenzutackern. Einen der beiden Rahmen bespannen wir mit dem Moskitonetz. Der zweite Rahmen wird später zum Schöpfen auf den ersten gelegt und dann, wieder abgenommen, damit das Papier auf den Filz gelegt werden kann.
Papier - aus was?
Man kann eigentlich alles zum Papiermachen verwenden, was längere Fasern hat, also zum Beispiel das Payrusgras aus dem Garten, sogar Heu oder Laub und - das ist natürlich erst einmal am einfachsten - Altpapier. Früher hat man alte Lumpen in einem Bottich verfaulen lassen. Wer keinen Ärger mit den Nachbarn will (stinkt nämlich bestialisch) der macht es lieber weniger authentisch. Pflanzenfasern müssen richtig lange einige Stunden auf dem Herd gekocht werden. Wenn wir unser Papier aus Altpapier herstellen, geht es einfacher.
Es ist besser das Papier zu zerreißen, als es zu zerschneiden, denn beim Zerreißen behalten die Fasern eher ihre Konsistenz. Das kleingerissene Papier wird nun in warmem Wasser zwei bis drei Tage eingeweicht.
Pampe herststellen
Jetzt ist es Zeit für den Pürierstab, mit dem das ganze zerkleinert wird. Falls die Pampe zu fest wird, einfach noch einmal Wasser hinzufügen.
Das eigentliche Schöpfen
Nun kommt unser gebauter Schöpfrahmen zum Einsatz. Wir geben zuvor aber unsere Pampe in die Wanne und viel Wasser dazu, etwas im Verhältnis 9 Teile Wasser 1 Teil Pampe oder 8:2. Wir wollen ja Papier herstellen und kein Pappmaché. in der Wanne wird kräftig umgerührt. Die Fasern sollen frei umherschwimmen.
Wir nehmen unsere beiden Rahmen, legen den ohne Gitter auf den mit dem Gitter und führen ihn senkrecht nach unten in die Wanne, drehen ihn in die Waagrechte und führen ihn wieder nach oben. Nun sollte sich aus den Fasern ein Blatt Papier gebildet haben. Wir nehmen den leeren Rahmen ab, legen Filz auf das Papier und drehen beides um. Falls sich das Papier nicht sofort lösen lässt, hilft ein wenig Druck. Das Papier liegt nun auf dem Filz. Eine frische Lage Filz darüber und der Vorgang kann wiederholt werden, bis das Papier zu dünn wird.
Pressen und Trocknen
Haben wir kein Material mehr zum Schöpfen, pressen wir Papier und Filz aus. Die Blätter können nun an einer Wäscheleine zum Trocknen aufgehängt werden.
Glätten
Die selbst geschöpften Blätter sind sehr rau. Die Profis glätten sie mit einem geschliffenen Achat. Für uns genügt auch die glatte Glasoberfläche einer Flasche. Tinte zerläuft auf dem selbstgeschöpften Papier sehr leicht. Das kann man verhindern, in dem das Papier noch einmal dünn mit Leim bestrichen und noch einmal getrocknet wird.
Variationen
Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Man kann das Papier mit Ostereierfarben einfärben, parfümieren oder in die feuchte Papiermasse Blüten eindrücken. Wenn man auf dem Fliegengitter ein bestimmtes Symbol befestigt, bildet sich ein Wasserzeichen.
Viel Spaß!
