Doktorspiele und andere sexuelle Experimente

Warum Kleinkinder und Schulkinder mit der Sexualität spielen

In einer toleranten Atmosphäre zeigen Kinder ihre sexuellen Interessen recht unbefangen. Weder ihre Neugier noch ihr Lustempfinden spart die Geschlechtsorgane aus.

Wenn der fünfjährige Paul mit seinen gleichaltrigen Freunden Niki, Laura und Kevin im Garten nackt herumtollt, veranstalten sie eine Wasserschlacht, sie kugeln miteinander im Gras herum, sie genießen es einander zu schubsen, zu drücken, zu streicheln, und auch sich gegenseitig zu untersuchen.

Abends kriecht Paul glücklich ins Bett. Kann er nach dem aufregenden Nachmittag mit seinen Freunden nicht gleich einschlafen, spielt er - mit seinem Teddybär, seinem Polsterzipfl, und dann mit seinem Glied. Was er dabei entdeckt hat? Dass das Berühren Lust bereitet.

Kinder spielen mit allem, auch mit der Sexualität

Die Entdeckungsreise hin zum eigenen Körper beginnt schon zwischen dem sechsten und achten Lebensmonat. In der Zeit, da das Kind noch Windeln trägt, sind die Möglichkeiten sich im Intimbereich zu berühren, zwangsläufig begrenzt. Der bevorzugte Ort der Selbstbefriedigung ist dick verpackt, also eher unerreichbar. Auch darum ist es für die Zweijährigen so schön, im Garten oder am Badestrand einmal Windelfreiheit genießen zu dürfen. Sie lieben ihr Spiel mit dem eigenen Körper und - wenn sie in der Gruppe zusammen sind - auch das Spiel mit dem Körper der anderen. Fast alle Kleinkinder reagieren höchst unwillig, wenn sie nach einer so schönen Zeit ohne Windeln unten herum wieder unangreifbar eingepackt werden.

Sexuelle Erkundungsspiele bei Kindern

Sexuelle Erkundungsspiele von Kleinkindern können zum Beispiel sein: Wie lang kann man ein Glied ziehen? Wo kommt eigentlich das Lulu heraus? Kann man in eine Scheide hineinschauen? – Das muss Kind doch wissen?! Warum sollte ein kleiner Junge nicht sein Glied anfassen, langziehen, vielleicht ausprobieren dürfen, ob er es schon auf den Stuhl legen kann? Und: Warum sollte ein Mädchen seine Scheide nicht mit vorsichtig tastendem Finger erkunden dürfen? Es wird damit die natürliche Neugier befriedigt.

Lust und sexueller Höhepunkt bei Kindern

Die andere Sorte sexueller Experimente sind die echten Lust-Spiele. Kinder haben herausgefunden, dass das Berühren, das Reiben am Geschlecht sehr angenehme Gefühle auslöst. Und deshalb tun sie es. Allein oder auch mal gemeinsam mit anderen.

Dazu sollte man wissen: Schon Babys und Kleinkinder können sich durch Manipulation an den Genitalien körperlich-sinnliche Lust verschaffen. Doch erst im Kindergartenalter, vor dem Schuleintritt, wird bei fast allen Kindern in der sexuellen Entwicklung ein vorläufiges Reifestadium erreicht, in dem diese Lust bis zu einem Höhepunkt gesteigert werden kann.

Normale, gesunde Entwicklung

In einer toleranten Atmosphäre zeigen Kinder ihre sexuellen Interessen recht unbefangen. Weder ihre Neugier noch ihr Lustempfinden spart die Geschlechtsorgane aus - die Eltern können dies als ein Zeichen dafür sehen, dass das Kind sich gut entwickelt. Spaß an sexuellen Spielen an sich selbst oder miteinander haben besonders jene Kleinkinder, die sich einer guten Beziehung zu ihren Eltern erfreuen, die viel liebkost und gestreichelt werden!

Sexualerziehung und Intimsphäre

Viele Eltern fürchten jedoch, dass Kinder durch eine freizügige Sexualerziehung neugieriger und dadurch gefährdeter würden. In der Realität ist oft genau das Gegenteil der Fall. Kinder, die ihren eigenen Körper gut kennen, reagieren zum Beispiel in der Regel auf sexuelle Anspielungen unbefangener und selbstbewusster, wehren sich leichter, bitten auch nach sexuellen Belästigungen eher Erwachsene um Hilfe. Das kann entscheidend sein!

Kindern sollte allerdings – auch zum eigenen Schutz - sehr wohl beigebracht werden, nicht überall die Hände ins Höschen zu stecken. Ihnen zu erklären, dass jede Art von sexueller Befriedigung in unserem Kulturkreis in die Intimsphäre gehört, und dort, aber nicht überall erlaubt ist, ist Teil der Sexualerziehung.

Verletzungsgefahr bei Doktorspielen

Als Doktorspiel verkleiden sich sexuelle Experimente von Kindern oft deshalb, weil ein Arzt nun mal alle Körperteile untersuchen muss... Spricht man mit dem Kind über das Doktorspiel, so sollte es nicht um die Frage gehen, ob dieses gut oder nicht gut ist, sondern vor allem um die Frage nach dem Wie. Manche Kinder versuchen nämlich durchaus bei Doktorspielen in Körperöffnungen etwas hineinzustecken. Man muss Kindern unbedingt verdeutlichen, dass es dem anderen Kind dabei weh tut und es sogar verletzen kann; und dass die Untersuchungen im Rahmen von Doktorspielen daher wenn dann nur mit der bloßen Hand, nie mit "ärztlichen Instrumenten", durchgeführt werden dürfen.

Karin Martin, Karin Martin

Karin Martin - ... geboren und aufgewachsen in Wien absovierte ich eben dort mein Romanistik- und Publizistik-Studium. Später zog ich mit meiner ...

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