Dokumentarfilme über Künstler

Regisseur Heinz Peter Schwerfel im Interview

Heinz Peter Schwerfel - Heinz Peter Schwerfel
Heinz Peter Schwerfel - Heinz Peter Schwerfel
Der unabhängige Dokumentarfilmer dreht mit Künstlern wie Jannis Kounellis und Georg Baselitz für Arte und Sender in aller Welt

Heinz Peter Schwerfel stammt aus Köln, lebt in Paris und seine Frau ist aus Argentinien. Genauso international wie sein Lebensumfeld produziert und konzipiert der Kunstkritiker und Dokumentarfilmer Heinz Peter Schwerfel seine Filme über Kunst. Seine unabhängigen Projekte finanziert er je nach Thema mit dem Centre Georges Pompidou in Paris, dem Kultursender Arte und dem deutschen, englischen, französischen oder italienischen Fernsehen. Wichtig ist ihm, klarzustellen, dass seinen Filme keine Kunst sind, sondern, dass seine Arbeit im «Dienst der Kunst steht». Wenn man seine Filme über Jannis Kounellis, Georg Baselitz und Rebecca Horn sieht, könnte man anderer Ansicht sein.

Fast alle Ihrer Dokumentarfilme porträtieren einen Künstler. Wie wählen Sie Ihre Protagonisten aus?

Normalerweise sind das Künstler, die ich persönlich gar nicht gut kenne. Sehr oft sind es Künstler, über die ich als Kunstkritiker schon geschrieben habe. Das heißt, deren Arbeit ich so gut kenne, dass ich aufgrund meiner intensiven Auseinandersetzung mit den Werken auch schon mal mit dem Künstler zusammen gekommen bin. Ich muss die Kunst sehr gut kennen.

Wie nähern Sie sich dem Künstler an, wenn Sie einmal den Entschluss gefasst haben, 'Ich will einen Film über den machen'?

Ich rufe bei ihm im Studio an, zu Hause oder bei der Galerie oder ich schreibe einen Brief. Ich setze mich aber erst mit den Künstlern in Verbindung, wenn ich weiß, dass ich auch das Geld für den Film zusammenbekomme, damit ich dann nicht später anrufen muss und sagen muss: «Ich habe die Produktion nicht zusammenbekommen».

Wie ensteht der nähere Kontakt?

Das ist bei jedem Künstler anders. Es gibt welche, die lassen mir völlig freie Hand, es gibt andere, mit denen ich zusammen Konzepte entwickle, bei denen ich frage, 'was drehen wir, worüber sprechen wir, was für eine Musik ist wichtig'. Es gibt wieder andere Künstler, die schon eine sehr entschiedene Vor-stellung haben, wie sie den Film machen wollen. Das ist aber selten. Bei meinem ersten Film mit Baselitz war das so, er hatte ein Bild im Kopf und etwas anderes kam auch gar nicht in Frage. Das hat dann auch gut geklappt. Danach hat Baselitz zu mir gesagt, das war gut. Jetzt können wir einen Film machen, wie Sie es wollen.

Wie finanzieren Sie Ihre Filme?

Ich produziere meine Filme normalerweise selbst. Das heißt, ich versuche an verschiedenen Orten, Geld für den Film zusammenzutreiben: bei Fernsehanstalten, in verschiedenen Ländern, Minsiterien, Kulturinstituten. Also, ich gehe rum und schaue, dass ich Geld für einen Künstler finden kann.

Viele Ihrer Filme sind zusammen mit dem Centre Georges Pompidou in Paris produziert. Wie kam der Kontakt zustande?

Das Centre Georges Pompidou ist eines der wenigen Museen auf der Welt, das eine eigene Filmabteilung hat, mit tollen Schneide- und Tonsälen. Das Zentrum wurde als pluridisziplinäres Museum entwickelt, das es auch ist. Sie koproduzieren nicht nur meine Filme, sondern auch die anderer Leute. Bei Künstlern, die das Museum interessieren, haben sie dann oft gesagt: «wir machen mit».

In Köln haben Sie die Kunstfilmbiennale ins Leben gerufen. Wie kam das?

Das ist eine Idee, die ich schon seit über 20 Jahren hatte. Ich wollte Kunst und Film zusammenbringen. Der Gedanke entstand auch wegen einer Tendenz in der zeitgenössischen Kunst: Immer mehr Künstler machen selber Filme. In Köln zeigen wir deshalb nicht nur Dokumentarfilme über Künstler, sondern vor allem Filme von Künstlern.

Der Dokumentarfilmer, der Filme über Künstler macht ist in Ihren Augen kein Künstler...

... natürlich nicht! Er ist ja wie ein Journalist, der über Künstler schreibt. Es ist einfach ein anderes Medium. Man hat zwar viele Gestaltungsmöglichkeiten, aber ein Kurator ist ja auch kein Künstler. Nur, weil der eine innovative Methode gefunden hat, Bilder aufzuhängen, kommt auch keiner auf die Idee, ihn Künstler zu nennen.

Haben Ihre Filme ein großes Publikum?

Nein. Bei meinen Filmen verhält sich das genauso wie bei der zeitgenössischen Kunst: Sie ist nicht für Massen gemacht, sondern für eine Minderheit. Die Kategorie von Größe ist deshab ganz anders.

An was arbeiten Sie gerade?

Gerade mache ich einen Film über die Kunstszene in Berlin, dann arbeite ich an einem Projekt über die Essen, Kulturhauptstadt 2010. Parallel entwickle ich zwei kleine Filme über Kounellis und Baselitz. Wir geben jetzt ein DVD raus und da wollen wir unsere vorherigen Filme aktualisieren.

Veronica Frenzel, Veronica Frenzel

Veronica Frenzel - Seit fünf Jahren arbeitet Veronica Frenzel als freie Journalistin in Málaga, Andalusien. Für das Reisejournal der Westdeutschen ...

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