Gabriel Tellez, der später besser als Tirso de Molina bekannt wurde, erschuf im Jahr 1613 die Figur des Don Juan. Zum ersten Mal wurde der Stoff dann 1630 auf eine Bühne gebracht. Doch wer war dieser Don Juan?
Wer ist Don Juan?
Seit jeher versteht man unter Don Juan den Inbegriff des Verführers. Meist tritt er als jugendlicher Schönling adeliger Herkunft auf. Auch sein Ziel gleicht sich in den meisten Fällen. Er ist auf der Jagd nach möglichst vielen erotischen Abenteuern. Die gegenwärtige Forschung geht davon aus, dass es sich bei Don Juan nicht um eine geschichtlich verbriefte, real existierende Person handelt. Vielmehr ist man der Auffassung, dass der Mönch Tirso de Molina mit dem Stück „El burlador de Sevilla y convidado de piedra“ ("Der Trickser von Sevilla und der steinerne Gast") die Moral- und Zügellosigkeit bestimmter spanischer Adeliger, der Hidalgos, anprangern wollte. Diese These wird unter anderem dadurch gestützt, dass Tirsos Don Juan auch selbst dieser dritten Stufe des spanischen Adels angehörte.
Don Juan ist der typische Weiberheld. Er wird nahezu in jeder Rezeption als junger, gutaussehender Mann beschrieben, der es noch dazu versteht, sich auszudrücken. So gelingt es ihm auch Frauen von sich zu überzeugen, denen sein eigentliches Anliegen, nämlich ein erotisches Erlebnis, sofort ins Auge fällt. Ein Beispiel hierfür ist die verlobte Bauerstochter Aminta, die er mit Sätzen um den Finger wickelt, die etwa so lauten: "Lieber würde ich sterben, als dich nicht lieben zu dürfen." Don Juan ist es bei seinen Streifzügen durch die Landschaft der Frauen nicht nur egal, welchem Stand seine Beute angehört, sondern auch, wie deren Beziehungsstatus lautet. Während die Fischerin Tisbea ihr einsames Leben fristet, ist die eben schon angesprochene Bauerstochter bereits einem anderen Mann versprochen
Don Juan und Donna Anna
Als Sohn einer angesehenen Familie stand Don Juan bei seinen Machenschaften lange Zeit unter dem Schutz des Königs. Dieser wird ihm jedoch dann entzogen, als er höhergestellten Adeligen Schaden zufügt. Diese höhergestellten Personen sind zum einen die Adelige Donna Anna und deren Vater, der Großkomtur Don Gonzalo de Ulloa und zum anderen Donna Annas Angetrauter, der Markgraf La Mota.
Eines abends begab sich der Verführer auf den Weg zum Haus von Don Gonzalo, mit der Absicht, Donna Anna zu verführen. Um unbehelligt in ihr Zimmer zu gelangen, hängte er sich den Umhang von La Mota um die Schultern. In ihrem Zimmer angekommen, dachte Donna Anna nun, dass wirklich La Mota vor ihr stand. Als sie bemerkte, dass Don Juan unter dem Mantel verborgen war und nicht der Markgraf, rief sie um Hilfe. Ihr Vater eilte in ihr Zimmer und erwischte Don Juan in flagranti. Don Juan sah sich gezwungen, den Großkomtur zu töten.
Don Juan, der größte Verführer aller Zeiten wurde nicht nur zum Mörder, er hatte auch Donna Annas Ehre ruiniert und den Markgrafen La Mota in Verruf gebracht.
Don Juans Ende
Zur Strafe für den Mord am Großkomtur, wurde Don Juan dazu verurteilt, mit dem steinernen Standbild seines Opfers zu Abend zu essen. Auf der Speisekarte standen neben Skorpionen auch Schlangen und Spinnen. Nachdem das Essen beendet war, wurde Don Juan von der glühenden Hand des "steinernen Gastes" ergriffen. Erst hier bereute er all seine Taten. Doch zu spät: Die brennende Hand zog Don Juan in den Abgrund.
Don Juan-Rezeption
Bis in das 21. Jahrhundert hinein wurde der Stoff, welchen Tirso de Molina vorgelegt hatte in nahezu ganz Europa aufgegriffen und bearbeitet. In Italien wurde die erste Don Juan-Arbeit 1650 veröffentlicht ("Il convitato di pietra" - Giacinto Andrea Cicognini). Nach Deutschland fand die Erzählung durch Schauspieler, welche ihn zuvor schon in Italien und Frankreich ("Dom Juan ou le festin de pierre" - Molière 1665) aufgeführt hatten. In Russland wurde der Stoff erst 1830 zum ersten mal aufgegriffen, durch Alexander Puschkin. Das erste auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands aufgeführte Don Juan-Stück war „Don Juan oder Don Pedros Totengastmahl", welches 1690 von einem Unbekannten im Torgauer Theater inszeniert wurde. Weitere Don Juan-Werke aus Deutschland stammen von E.T.A. Hoffmann, Paul Heyse, Peter Handke und anderen.
Literatur
- Bork, Claudia: Femme fatale und Don Juan ein Beitrag zur Motivgeschichte der literarischen Verführergestalt. Bockel Verlag. 2000.Hamburg.
- Gnüg, Hiltrud: Don Juan ein Mythos der Neuzeit. Aisthesis-Verlag. 1993. Bielefeld.
- Göbler, Frank: Don Juan - Don Giovanni - Don Žuan europäische Deutungen einer theatralen Figur. Francke-Verlag. 2004. Tübingen (u.a.).
- Lindner, Sigrid Anemone: Der Don Juan-Stoff in Literatur, Musik und bildender Kunst eine Analyse ausgewählter Bearbeitungen unter besonderer Berücksichtigung medienspezifischer Gesichtspunkte. Universitätsdissertation. 1980. Bochum.
- Müller-Kampel, Beatrix: Mythos Don Juan zur Entwicklung eines männlichen Konzepts. Reclam. 1999. Leipzig.
- Rauhut, Franz: 1003 Variationen des Don-Juan-Stoffes von 1630 bis 1934.Wisslit- Verlag. 1990. Konstanz.
