Donnerstag ist der erste Freitag der Woche

Kölsch am Donnerstag - S. Hofschlaeger / pixelio.de
Kölsch am Donnerstag - S. Hofschlaeger / pixelio.de
In der Großstadt Köln war der Donnerstag der beliebteste Ausgehtag. Heute hat sich das Donnerstagsverhalten geändert.

Noch vor etwa zehn Jahren war überall in der Kölner Innenstadt ein seltsames Phänomen zu beobachten: Egal ob im Belgischen Viertel oder im "Bermuda-Dreieck" an der Luxemburger Straße - die Kneipen waren schon am Donnerstag so voll, wie andernorts nur am Wochenende. Und oft genug wurde nach "Ladenschluss" hinter den Rolladen bis zum Morgengrauen weiter gefeiert.

Erklärung des Phänomens

Am Wochenende ging ein Kölner seltener aus. Das lag an den Menschen von außerhalb, meist aus Bergisch Gladbach, Bergheim oder Kerpen, die am Wochenende in Scharen in Köln einfielen. Lange Schlangen, verstopfte Straßen und eine Ballermann-Atmosphäre waren die Folge. Ein echter "Kölscher" oder wer sich als solcher etablieren wollte, mied deshalb die Innenstadt am Wochenende, und traf sich lieber mit Freunden zu Hause, ging auf eine Privatparty (von der man oft am Donnerstag erfuhr) oder blieb im eigenen "Veedel" (Stadtviertel). Es bildete sich eine Feiergemeinschaft, da man fast jeden Donnerstag immer wieder die gleichen Gesichter sah und zwangsläufig mit ihnen in Kontakt kam, denn es war üblich, dass man die Kneipe während des Abends wechselte. Aus diesen Kontakten entstanden Freundeskreise, Beziehungen und - typisch für den Kölner Klüngel - gemeinsame Projekte. Wagte man sich am Wochenende doch einmal in eine der Donnerstags-Kneipen, wie das Hallmackenreuther, das M20, das Six-Pack, das Blue Shell oder das Stereo Wonderland, weil man zum Beispiel Besuch von außerhalb bekam, so sah man dort kaum eins der vertrauten Gesichter.

Ist der Ausgeh-Donnerstag Geschichte?

Befragt man heute einen Taxifahrer, der damals schon in der Stadt unterwegs war, so bekommt man bestätigt, dass früher der Donnerstag ein Wochenendtag war und heute ein gewöhnlicher Wochentag ist. Noch immer sind an einem Donnerstag die Kneipen ein wenig voller als an einem anderen Wochentag, doch längst nicht mehr in dem beschriebenen Maße. Ob es an der wirtschaftlichen Entwicklung liegt, dem größeren Stress im Beruf oder einfach nur an einer neuen Generation, bei der es mehr auf das Sehen und Gesehen-Werden ankommt - darüber streiten sich die Geister. Die Ursache ist hierbei auch egal, weil diese Entwicklung wohl nicht mehr umkehrbar ist. An ihre Stelle sind organisierte Veranstaltungen, so genannte After-Work-Parties getreten. Doch auch dieser Trend ist rückläufig, seitdem "Lounge" zu einem Schimpfwort und dem Aufenthaltsort für Möchtegern-Hipster geworden ist.

Ersatzbefriedigung am Donnerstag

Befragt man heute Kölner oder Kölsche, was sie gewöhnlich an einem Donnerstag unternehmen, so wird man feststellen, dass sich ihr donnerstägliches Ausgehverhalten nur geändert hat und nicht vom Erdboden verschwunden ist. Ob Pokern, Kickern, gemeinsam Kochen oder DVD-Abende - solche Veranstaltungen im Freundeskreis finden generell häufig am besagten Donnerstag statt. Im Prinzip bleibt also alles beim Alten, doch anders als früher bleibt man bei diesen "Stammtisch-Veranstaltungen" meist unter sich.

Klaus Gieraths, Klaus Gieraths

Klaus Gieraths - TV-Redakteur seit 1988. Aufgewachsen, wohnhaft und tätig in Köln. Immer neugierig und auf der Suche nach Themen für ...

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