Doris Dörrie und Simone Young bringen Don Giovanni auf die Bühne

Simone Young + Doris Dörrie - Benita Brunnert
Simone Young + Doris Dörrie - Benita Brunnert
Zum ersten Mal bringen zwei Frauen, Mozarts Don Giovanni auf die Bühne. In der Hamburgischen Staatsoper zeigen Simone Young und Doris Dörrie das Ergebnis.

Doris Dörrie inszeniert in Hamburg den "Don Giovanni". Am 18. September 2011 feiert die Oper Premiere. Vier Tage zuvor sprachen Simone Young und Doris Dörrie über ihre gemeinsame Arbeit.

Wolfgang Amadeus Mozart gab in seinem Meisterwerk »Il dissoluto punito, ossía Don Giovanni«, nach Da Pontes Textbuch komponiert, dem Stoff um den Verführer der Frauen die volkstümliche Gestaltung, die ihn in ganz Europa populär machte. Bereits die Uraufführung der Oper 1787 in Prag war ein ungeheurer Erfolg.

Der Tod ist eine Frau

Für eben diese Prager Fassung haben sich nun auch die Opernchefin Simone Young und Regisseurin Doris Dörrie entschieden. Dabei soll es einen Klang geben, der tatsächlich eher an Mozarts Zeiten orientiert ist. "Wir verwenden Naturtrompeten und Naturposaunen", erläutert Simone Young die selsbt am Hammerklavier begleiten wird. Eine weitere Besonderheit der Neuproduktion dürfte auch die latinische Sichtweise der Regisseurin Doris Dörrie sein. "In den romänischen Ländern", so erklärt Dörrie, "ist der Tod feminin". Dies sei eine wunderbare Idee für Don Giovanni.

Somit ist die Frau für ihn das Ziel seines Lebens. Nie wirklich erreichbar und Grund für sein Sterben. "Und dass der Tod ihn als eine Frau durch die Jahrhunderte jagt, finde ich eine sehr passende Metapher für das, was Mozart hier gesehen hat." erklärt Dörrie weiter. Für Simone Young ist es bemerkenswert, dass auch Mozart die Wichtigkeit des Todes von Anfang an zeigt. "Eine durchgehende Basslinie zeigt den Tod das ganze Stück über an", erklärt die Opernchefin.

Simone Young und Doris Dörrie waren sich schnell einig

Viel Diskussionsbedarf gab es zwischen Young und Dörrie nicht. "Da wir beide Frauen sich hat die Verständigung zwischen uns blitzschnell funktioniert", lacht Doris Dörrie, die sich bereits mit "Cosi fan tutte", "Turandot" und unter anderem auch "Rigoletto" auch als Opernregisseurin einen Namen gemacht hat. Dennoch haben die beiden Frauen drei Jahre lang an dem Stoff gearbeitet. Nun sind sie rundum zufrieden. "Ich könnte nicht glücklicher sein über die Besetzung. Alles stimmt", strahlt Doris Dörrie und Simone Young ergänzt, "Sie finden uns in optimistischer Stimmung."

Doris Dörrie ist von der schauspielerischen Seite an die Oper herangegangen

Für Doris Dörrie steht der Ausdruck bei allem an erster Stelle. Das Gefühl muss stimmen. "Die Besetzung ist ausgesprochen international. Ich habe die Sänger zunächst ihre Texte, ganz ohne Gesang, nur in ihrer eigenen jeweiligen Landessprache sprechen lassen. So sind sie leichter ins Gefühl und die passende Körperlichkeit gekommen. Das konnten sich sich dann merken und für ihre Arien später transportieren", erklärt die Regisseurin. "Es war ausgesprochen interessant für mich, Doris bei dieser Arbeit zu beobachten, ihre Herangehensweise ist toll", schwärmt Simone Young. Bei aller schauspielerischen Herangehensweise hat Dörrie aber auch immer auf die körperlichen Notwendigkeiten für die Sänger geachtet. "Sänger haben ein ganz großes Handicap. Ihr Körper ist ihr Instrument", erklärt Dörrie. Wenn ein Schauspieler Traurigkeit darstellen soll, fällt er körperlich in sich zusammen, weil man das überall auf der Welt so macht wenn man traurig ist. Ein Sänger kann das nicht, weil er dann nicht mehr singen kann. "Also müssen wir nach anderen Mitteln schauen." Auch deshalb hätte es immer einen regen Austausch zwischen Sängern, Dirigentin und Regisseurin gegeben.

Wolfgang Koch als Don Giovanni

Die Hamburger Opernfreude haben besonderen Grund zur Freude. Denn mit Wolfgang Koch als Don Giovanni kehrt einer der Publikumslieblinge zurück an die Hamburgische Staatsoper während Elza van den Heever als Donna Anna ihr Hamburg-Debüt gibt. Sie ist seit drei Jahren Ensemblemitglied der Frankfurter Oper und sang bereits die Elisabeth von Valois in "Don Carlo" und die Elsa in "Lohengrin". Als Leporello wird Wilhelm Schwinghammer auftreten.

Auch der Butoh-Tänzer und Choreograf Tadashi Endo, bekannt unter anderem aus Doris Dörries preisgekröntem Film »Kirschblüten-Hanami«, wirkt bei der Neuproduktion von »Don Giovanni« mit.

"Don Giovanni" unter der Regie von Doris Dörrie feiert am 18. September 2011 in der Hamburgischen Staatsoper seine Premiere.

Benita Brunnert, Benita Brunnert

Benita Brunnert - auch bei Twitter https://twitter.com/#!/BenitaBrunnertseit 2011 Moderatorin, Reporterin Nowo1 TV2009 Freie Redakteurin und Moderatorin ...

rss