Dorotheenstädtischer Friedhof - Ausflugsziel in Berlin-Mitte

Eingang Dorotheenstädtischer Friedhof - Manuela Käselau
Eingang Dorotheenstädtischer Friedhof - Manuela Käselau
Im Zentrum von Berlin liegt ein Friedhof, der Ruhestätte vieler berühmter Menschen ist. Geschichte, Natur und Besinnung finden hier auf engstem Raum statt.

Der Friedhof der Gemeinden Dorotheenstadt und Friedrichswerder in der Berliner Chausseestraße liegt zentral in Berlin-Mitte und ist immer einen Abstecher wert. Hier findet man nämlich nicht nur die Gräber zahlreicher bedeutender Persönlichkeiten, sondern auch eine äußerst interessante Ansammlung der verschiedensten Grabstätten. Dazu kommt eine wunderschöne baumbewachsene Anlage des Friedhofes, der so zu einer kleinen Oase der Ruhe und Besinnung mitten im Großstadttrubel wird. Der Friedhof steht unter Denkmalschutz, wird aber auch heute noch für Begräbnisse benutzt, ist also kein Freizeitpark, auch wenn manche Besucher sich so verhalten.

Der Friedhof der Gemeinden Dorotheenstadt und Friedrichswerder im Laufe der Zeit

Die Stadt Berlin brauchte im 18. Jahrhundert Platz für den Wohnungsbau, Friedhöfe wurden daher gerne nach außerhalb verlegt, was gleichzeitig den praktischen Nebeneffekt hatte, dass eventuell auftretende Seuchen sich nicht auf Bewohner in der Nachbarschaft ausbreiten konnten. 1762/1763 wurde deshalb außerhalb des Oranienburger Tors, sozusagen auf dem Acker vor der Stadt, ein Begräbnisplatz für die Gemeinden der Dorotheenstädtischen und Friedrichwerderschen Kirche gegründet. Ab 1770 fanden hier Begräbnisse statt, in der Regel für einfache Gemeindemitglieder.

Teilweise parallel entstanden im Umfeld der Chausseestraße Einrichtungen, die zu Berliner Institutionen wurden - Charité und Humboldt-Universität. Zu Zeiten der DDR, auf deren Gebiet der Friedhof lag, kamen noch die Bauakademie, die Akademie der Wissenschaften und die Akademie der Künste hinzu. Letztere hatte neben der Dorotheenstädtischen Gemeinde das Recht, auf diesem Areal Bestattungen vorzunehmen. Aufgrund der besonderen Lage des Gemeindefriedhofes und der umgebenden Einrichtungen sind deshalb hier in der Mehrzahl Menschen bestattet, die schon zu Lebzeiten bekannt oder sehr bekannt waren.

Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof sind viele bekannte Menschen begraben

Der Friedhof in der Chausseestraße ist letzte Ruhestätte für Prominente aus allen Disziplinen: Medizin, Architektur, Politik, Literatur, Journalismus, Philosophie, darstellende Künste und Wirtschaft. Ein Gang über die wunderschöne Anlage gleicht dem Blättern in einem Lexikon, wenn man an den Gräbern von so vielen bekannten Menschen entlang streift: Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Ernst Theodor Litfaß, August Borsig, Louise Borsig, Bertolt Brecht, Helene Weigel, Erwin Geschonneck, Paul Dessau, Ruth Berghaus, Heinrich Mann, Johannes R. Becher, Rudolf Bahro, Günter Gaus, Johannes Rau, Dietrich Bonhoeffer, Johann Gottlieb Fichte, Hanns Eisler, Stephan Hermlin, Anna Seghers, Wilhelm von Hufeland, Lin Jaldati, Heinrich Gustav Magnus, Herbert Marcuse, Bernhard Minetti, Heiner Müller, Gottfried Schadow, Hermann Schievelbein, Karl Friedrich Schinkel, Arnold Zweig, Slatan Dudow und so weiter. Auf dem Friedhof gibt es eine Tafel, auf der alle Prominenten dieses Friedhofes aufgelistet sind, dazu eine Zeichnung der Anlage mit Nummerierungen der Gräber, so kann man diese auch gezielt aufsuchen. Gelegentlich werden auch Führungen angeboten.

Die Berliner Grabmalkunst des 19. Jahrhunderts

Allerdings ist ein unorganisierter Streifzug über den Friedhof auch sehr zu empfehlen. Überall gibt es schöne Ecken zu entdecken, Bänke zum Ausruhen und Besinnen, kleine Wege und versteckte Gräber. Wer will, kann hier herrlich seine Gedanken schweifen lassen.

Eine weitere Spezialität des Geländes sind die unterschiedlichen Gestaltungen der Grabstätten. Da der Friedhof schon sehr lange benutzt wird, finden sich Gräber mit viel Gusseisen, aber auch Marmor und Granit - die Berliner Grabmalkunst des 19. Jahrhunderts ist hier fast vollständig vertreten. Zudem befindet sich, vom Tor in der Chausseestraße kommend, am Ende des Hauptweges ein Lutherdenkmal. Das 2,20 Meter hohe Marmorstandbild wurde 1909 von Ernst Waegener nach einem Modell von Johann Gottfried Schadow angefertigt.

Wo liegt der Friedhof, wie kommt man hin, wann ist er geöffnet?

Wer die von zahlreichen Bäumen eingerahmten Prominentengräber besuchen möchte, kann vom Berliner Hauptbahnhof aus zu Fuß dorthin gelangen, zehn Minuten Fußweg auf der Invalidenstraße Richtung Osten, rechts in die Chausseestraße einbiegen, nach wenigen Metern kommt rechts der Eingang zum Friedhof, Hausnummer 126. Aber Vorsicht, das schmiedeeiserne Tor kann man leicht übersehen. Der nächste U-Bahnhof Naturkundemuseum ist circa 2 Minuten zu Fuß entfernt. Wer mit dem Rad kommt, findet gleich hinter dem Eingangstor passable Fahrradbügel zum sicheren Befestigen des Fahrzeugs, auf dem Gelände darf weder Rad gefahren, noch Hunde mitgeführt werden.

Der Friedhof der Gemeinden Dorotheenstadt und Friedrichswerder hat Öffnungszeiten, an die man sich halten sollte. Die Tore sind hoch, wer hier vom Sicherheitsdienst eingeschlossen wird, hat schlechte Karten. Tägliche Öffnungszeit ist um 8 Uhr, je nach Monat wird früher oder später geschlossen, im Januar und Dezember bereits um 16 Uhr, im Februar und November um 17 Uhr, im März und Oktober um 18 Uhr, im April und September um 19 Uhr. In den Sommermonaten Mai bis August ist die Anlage bis 20 Uhr geöffnet.

Der Friedhof ist 17.000 Quadratmeter groß, wer alle Gräber sehen möchte, sollte ein bisschen Zeit mitbringen. Mit Ruhepausen auf den zahlreichen Bänken und einem Verweilen in den Nischen kann man hier gut und gerne zwei kurzweilige, informative und erholsame Stunden verbringen.

Touristenziele von Berlin-Mitte in der Nähe

Die zentrale Lage des Friedhofes führt dazu, dass sich in Fußnähe zahlreiche weitere touristisch interessante Orte befinden. Gleich nebenan, nur durch eine Mauer getrennt und durch eine kleine Pforte auch direkt zugänglich, befindet sich der Französische Friedhof, 1780 angelegt und ebenfalls Ruhestätte verschiedener Prominenter und Heimstatt interessanter Grabmale. Direkt auf der anderen Seite der Mauer grenzt in der Hausnummer 125 das Brecht-Haus an, die letzte Wohn- und Arbeitsstätte von Bertolt Brecht und Helene Weigel. Dort kann man Einsicht in das Privatleben und das Schaffen des Paares bekommen. Zudem bietet das dort beheimatete Literaturforum verschiedenste Veranstaltungen für Theater- und Literaturfreunde an und für Menschen mit Interesse an Politik und Geschichte.

Weitere Informationen: luise-berlin.de, stiftung-historische-friedhoefe.de

Manuela Käselau, www.valeriewagner.de

Manuela Käselau - Schreiben zu können fand ich gleich nach dem Erlernen desselben eine prima Sache. Und mit der Anwendung hat es dann auch gleich recht ...

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