Dortmund - Westfälisches Schulmuseum: Sanierung Heizungssystem

Dortmund-Marten: Westfälisches Schulmuseum - Vera Kriebel, 6/2011
Dortmund-Marten: Westfälisches Schulmuseum - Vera Kriebel, 6/2011
Dortmund: Konjunkturpaket II erneuert Heizungssystem im Westfälischen Schulmuseum. Unter anderem wird dezentrales Pumpensystem von Wilo eingeführt.

Das Konjunkturpaket II - von der Bundesregierung 2009 zur Stützung der Wirtschaft aufgelegt - macht es möglich: ein eher abseitiges Gebäude wie das Schulmuseum in Dortmund-Marten wurde mit einer energetischen Sanierung bedacht, die unter anderem eine Erneuerung der kompletten Heizungsanlage umfasste.

335.000 Euro für Energiesparmaßnahmen

Die Gesamtkosten der Maßnahme belaufen sich auf 335.000 Euro, wovon nur 12,5 Prozent, also circa 42.000 Euro, durch die Stadt Dortmund aufgebracht werden mussten, der Rest kommt aus dem Konjunkturpaket II, also ebenfalls aus Steuergeldern.

Im Rahmen der Sanierung des Heizungssystems wurde im Schulmuseum das besonders effiziente Pumpensystem "Geniax" der Dortmunder Firma Wilo installiert, das deren Vertreter zusammen mit städtischen Mitarbeitern auf der Pressekonferenz am 9. Juni 2011 vorstellten. Das neue Heizsystem des Schulmuseums ist seit März 2011 in Betrieb; in den ersten zwei Monaten ist eine Heizkosten-Ersparnis von 45 Prozent zu verzeichnen, so ein städtischer Mitarbeiter. Das klingt erst einmal imposant.

Schulmuseum Dortmund: Amortisiert sich die Sanierung?

Es bleibt jedoch zweifelhaft, ob sich die Investitionskosten tatsächlich amortisieren - 335.000 Euro Investitionsaufwand müssen erst einmal an Energiekosten eingespart werden - wenn die Rechnung der Stadt nicht der Einfachheit halber nur den Eigenanteil von 42.000 Euro einbezieht. Die bei der Presskonferenz anwesenden zuständigen städtischen Mitarbeiter konnten keine konkreten Zahlen nennen, aus denen sich das Potenzial der Heizkostenersparnis ergibt, also beispielsweise wie hoch der Verbrauch und die Heizkosten in den Jahren zuvor waren, wie hoch die Kosten für die einzelnen Sanierungsmaßnahmen waren und welches Einsparpotenzial diese haben.

Dezentrales Pumpensystem von Wilo: 20 bis 30 Prozent Ersparnis

Das Konjunkturpaket II fördert explizit innovative energetische Baumaßnahmen in öffentlichen Gebäuden - dass diesmal mit dem Einbau des Geniax-Systems von Wilo die Neuentwicklung einer seit langem in Dortmund beheimateten Firma gefördert wird, passt genau ins Konzept des Förderprogramms. Das kleine Schulmuseum könnte dabei zudem als städtisches Testobjekt für die Geniax-Technik fungieren.

Das dezentrale Pumpensystem "Geniax" von Wilo ist eines der innovativsten und effizientesten, wenn es um das Thema Energiesparen geht - es gilt sogar als sinnvoller als Wärmedämmung, die oft nicht die finanzielle Heizkostenersparnis hereinholt, die sie gekostet hat. Laut Firmenangaben können mit dem dezentarlen Pumpensystem zwischen 20 und 30 Prozent der Heizkosten eingespart werden.

Bei "Geniax" werden kleine Pumpen an den Heizkörpern angebracht (siehe Fotos unten) und ersetzen die klassischen Heizkörper-Thermostatventile sowie die zentrale Heizungsumwälzpumpe. Sensoren sorgen dafür, dass nur gepumpt wird, wenn Wärme benötigt wird. Die Heizwärme wird also beispielsweise der Sonneneinstrahlung angepasst. Zu Geniax gehört eine zentrale Steuerungseinheit für das gesamte Heizungssystem.

Einsparpotenzial der Wilo-Pumpen

Die dezentralen Pumpen von Wilo sparen allein gegenüber der herkömmlichen zentralen Umwälzpumpe Strom, sind aber dort besonders effektiv, wo nicht die Bewohner die Heizleistung an der Zentralheizung drosseln oder aktiv über die Thermostatventile an den Heikörpern regulieren - also gerade in öffentlichen Gebäuden oder Gewerbeimmobilien, wo sich die Mitarbeiter selten die Mühe machen, Heizkörper abzustellen oder die Heizleistung zu drosseln, wenn in dem entsprechenden Raum keine Beheizung mehr benötigt wird.

Da jedoch im Geniax-System an jedem Heizkörper Pumpe und Stromanschluss angebracht werden müssen, ist der Aufwand in Altbauten enorm und in den seltensten Fällen rentabel. Im Neubau sieht die Rechnung anders aus. (Der VDI etwa hat eine Etage seiner neuen Zentrale mit den dezentralen Geniax-Pumpen ausgerüstet.) Und natürlich bei Gebäuden, die öffentliche Fördermittel in nicht unerheblicher Höhe erhalten. Wie eben das Schulmuseum.

Wie viel sparen Wilo-Pumpen?

Dass dort in den ersten Monaten 45 Prozent weniger Energie verbraucht wurde, wirkt zwar auf den ersten Blick überzeugend - dafür können aber ebenso - und wahrscheinlicher - die milde Witterung von März bis Juni 2011 sowie die übrigen durchgeführten Energiespar-Maßnahmen verantwortlich sein. Im Rahmen der Gebäudesanierung wurden im Schulmuseum nicht nur die Wilo-Heizungspumpen eingebaut, sondern unter anderem die Beleuchtung und sämtliche Heizkörper erneuert. Die Dachsanierung wird derzeit ausgeführt.

Am bedeutsamsten für den Energieverbrauch dürfte jedoch sein, dass das Schulmuseum nun an die Gebäudeleittechnik der Stadt Dortmund angeschlossen ist. Über die dezentralen Geniax-Pumpen ermöglicht dies eine zentral gesteuerte Veränderung der Raumtemperatur in den einzelnen Räumen - bedeutet jedoch auch ein strenges Regiment für das Museum selbst, denn das Museum musste hierfür eine Liste erstellen, die minutiös die einzelnen Räume, deren Nutzungsart, -intensität, -zeitraum und -dauer aufführte, so der Museumsleiter Rüdiger Wulf.

Mehr Geld für Museen

Ob sich die Sanierung des Schulmuseums tatsächlich rechnet, wird letztlich die Zukunft zeigen. Es darf jedoch daran gezweifelt werden, ob das Geld, das nun bei den Energiekosten - hoffentlich - eingespart wird, dem Museum zur Verfügung gestellt wird - eine Hoffnung des Museumsleiters Rüdiger Wulf, der im Übrigen nicht wirklich glücklich darüber wirkte, zum Spielball von Förderpaketen geworden zu sein.

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