
- Naturschutzgebiet Hallerey, Dortmund-Marten - Klaus Lohmann, 2001
Marten liegt im Dortmunder Westen und ist zugegebenermaßen nicht gerade der hippste Ort. Trotzdem lohnt es sich aus verschiedenen Gründen auch für Studenten, in Marten zu wohnen: wegen der exzellenten ÖPNV-Anbindung, der Uninähe und der leicht erreichbaren Dortmunder City bei gleichzeitig viel Grün "um die Ecke".
Dortmund-Marten: Allgemeine Infos
Dortmund-Marten, im Westen Dortmunds gelegen zwischen Dorstfeld und Lütgendortmund, ist geprägt durch die eher kleinbürgerliche und vor allem überalterte Bevölkerung mit einer - vorsichtig ausgedrückt - konservativen Grundhaltung.
Das drückt sich natürlich auch politisch aus: Die SPD hat traditionell die Nase vorn, allerdings mit sinkender Tendenz (etwa 35 Prozent), es folgt mit weitem Abstand die CDU (19 Prozent). FDP und Grüne erreichten bei der Bundestagswahl 2009 10 Prozent, die Linke etwa 15 Prozent; alle anderen sind abgeschlagen, wobei die Piratenpartei noch mit über 3 Prozent hervorzuheben ist.
Es gibt relativ viele kleine Einfamilien-Häuschen, alte Backsteinzechenhäuser und Nachkriegssiedlungen bis etwa acht Wohneinheiten mit recht viel Grün dazwischen und nur wenige echte Stadthäuser in Blockbebauung. Das höchste "Hochhaus" hat fünf Stockwerke.
Dortmund-Marten: Gastro und Kneipenszene
Die Infrastruktur ist in fast allen Beziehungen exzellent, mit einer Ausnahme: Die gastronomische Ausstattung ist miserabel. Zwei Restaurants und (Stand 11/2011) zwei Kneipen gibt es noch als Rest eines ehemals stadtbekannten Vergnügungsviertels.
Dortmund-Marten Geschichte
Im benachbarten Germania stand bis in die 70er Jahre die größte Zeche Europas mit mehr als 20.000 Arbeitern (das Fördergerüst steht heute im Bochumer Bergbaumuseum). Das hieß für Marten: vier Kinos, 60 Kneipen, fünf Metzger. Am Montag gab es die Lohntüte (den Wochenlohn in bar) - da war ganz Marten eine einzige Ballermann-Meile. Heute ist dies kaum mehr vorstellbar.
Die übrig gebliebenen Kneipen ("In der Meile", "Zum Abzweig") haben schon bessere Tage gesehen: die Musik ist gewöhnungsbedürftig, die Gäste sind in der Mehrzahl in den Nachkriegsjahren geboren, aber es lohnt sich, zu wichtigen Fußballspielen einmal dort einzukehren - vielleicht sogar mit auswärtigen Besuchern, denn das Ganze hat durchaus touristische Reize. "Wichtige Spiele" heißt hier natürlich nur diejenigen von Borussia Dortmund.
Alles Notwendige vorhanden: Imbisse, Geschäfte, Banken, Post, Bücherei, Trödel
Es gibt mehrere recht gute Imbisse; hervorzuheben ist der gegenüber von KuK, dem Supermarkt an der Martener Straße. Unten im "Dorf" - wie das kleine Zentrum von den Ureinwohnern genannt wird - gibt es noch je einen griechischen, türkischen und asiatischen Imbiss.
Marten verfügt über Postfiliale, Volksbank und Sparkasse sowie über eine Grundausstattung an Läden: der erwähnte Supermarkt KuK (der Bäcker dort hat die besten Brötchen!), Penny ist im Dorf, Aldi am Rand in der Schulte-Heuthaus-Straße. Etwa einen Kilometer entfernt in Germania befindet sich der Supermarkt Fruchtbörse.
Nebenan ist in der Zeche Germania ein öffentlich gefördertes Projekt des CJD beheimatet, das unter anderem auch über eine große Trödelhalle verfügt (hartnäckiges Handeln ist unbedingt vonnöten!).
Und Schnäppchen lassen sich beim Second Hand-Kleiderladen der katholischen Kirche machen. Dort bekommt man für 2 Euro Markenjeans, für 1 Euro Qualitätspullover und vieles mehr in ausgezeichnetem Zustand. Umgekehrt freut man sich aber auch über Kleiderspenden und funktionstüchtige Haushaltselektrogeräte.
Uni, Innenstadt, Hauptbahnhof - U-Bahn, S-Bahn, Busse
Was nicht in Marten vor Ort ist, ist aber durch die ausgezeichnete Infrastruktur auch ohne Auto schnell erreichbar: Die Innenstadt ist über die U44 in 18 Minuten erreichbar, das Kreuzviertel direkt mit der S4 in zehn, der Hauptbahnhof in unschlagbaren acht über die Umsteigverbindung S4/S2 in Dorstfeld, die TU Dortmund mit einem direkten Bus in 20 Minuten, und selbst die Uni Bochum noch mit akzeptablen Anbindungen über die S4/S1 in Dorstfeld oder über die Kombination S4 nach Lütgendortmund, von dort weiter mit dem Bus.
Im Indupark Oespel "nebenan" (etwa drei Kilometer) befinden sich Ikea, Promarkt, Real, Mediamarkt, ein Baumarkt - auch er ist, wenngleich nicht ganz so problemlos, gut per ÖPNV erreichbar (S4 bis Germania, dann noch 500 Meter per Bus oder zu Fuß).
Dortmund-Marten: Viel Grün für Freizeit und Erholung
Für viele ebenfalls ein Pluspunkt: das Grün der Gärten an den kleinen Mehrfamilienhäusern und um Marten herum. Der Revierpark Wischlingen mit Solebad, toller Sauna (recht teuer), Fitnesscenter, Eishalle und vor allem einem megatollen Kletterwald ist nur etwa 1,5 Kilometer entfernt. Leider ist im Revierpark das Grillen nicht erlaubt.
Der Park grenzt an das Naturschutzgebiet Hallerey - ein echtes Kleinod. Den Teich dieses kleinen Fleckchens Natur bevölkern im Frühjahr hunderte Vögel, im Sommer quaken am Ufer die Frösche und schwirren riesige schillernde Libellen, in heißen Juninächten schweben Glühwürmchen umher, in kalt-nassen Novembernächten kreuzen Tausende Kröten den Weg.
Der Teich ist durch Grubensenkungen entstanden und wird kontinuierlich tiefer. Wer ein wenig in der Erde am Seeufer gräbt, wird auf Glas und eventuell auf altmodische Schnappverschlüsse für Bierflaschen stoßen: in den 1960er Jahren haben die Dortmunder Brauereien ihre Produktion von Schnappverschlüssen auf Kronkorken umgestellt und die alten Flaschen auf dem Hallerey-Gelände entsorgt. So war das damals in Dortmund ... (Dass sich nicht so schrecklich viel geändert hat an der Dortmunder Einstellung zu ihrer Umwelt, macht der PCB-Skandal deutlich).
Dortmund-Marten: Olleroh und Überschwemmungen
Am Martener Rand gibt es Friedhöfe (östlich am Wischlinger Weg und südlich an der Planetenfeldstraße), einige kleinere Felder, die tatsächlich bewirtschaftet werden, und einen alten, aufgegebenen Friedhof namens Olleroh (niederdeutsch für "Altes Rad" - dort stand früher eine Mühle), jetzt als Park genutzt.
Der Olleroh grenzt an die beiden Wasserauffangbecken der Emschergenossenschaft - Marten ist Überschwemmungsgebiet, was jeder Einwohner spätestens seit der großen Flut 2008 weiß, als Marten nach einem Gewitter regelrecht unterging (Videos auf YouTube, Fotos unten). Das sollten vor allem diejenigen bedenken, die sich längerfristig in Marten ansiedeln möchten.
Inzwischen haben sich auch ein paar Studenten in diesem Hort bürgerlichen Daseins eingenistet; nicht nur in der Haumannstraße werden großzügige WG-Wohnungen explizit an Studenten vermietet.
Wohnung in Dortmund-Marten für Studis? Ein Überblick
- Uninähe (drei Kilometer): direkter Bus, per Fahrrad 20 Minuten.
- exzellente ÖPNV-Anbindung: S4, U44 und jede Menge Busse, natürlich auch Nachtbus. Mit der Kombination S4/S2 in acht Minuten am Hauptbahnhof, mit der S4 in zehn Minuten im Kreuzviertel
- alle wichtigen Geschäfte fußläufig erreichbar; CJD-Trödel auf Zeche Germania; Second-Hand-Kleidung an der katholischen Kirche (Sadelhof, nur Mittwochs 15:30-17 Uhr), Indupark mit Ikea, Real, Metro und Mediamarkt nur etwa drei Kilometer entfernt
- viel Grün (Revierpark Wischlingen, Naturschutzgebiet Hallerey)
- Kultur: Schulmuseum (An der Wasserburg 1). Dort auch die kleine, durch einen privaten Verein geführte Bücherei, die alles für die Wochendlektüre oder für die Sachinformation zwischendurch hat. Ausrangierte Bücher gibt es dort für 0,50 bis 1 Euro (auch Krimis). Öffnungszeiten: Mo 15-18, Di, Do, Fr 14-17, Mi geschlossen.
- Minus: keine Kneipenszene, überwiegend kleinbürgerliche Bevölkerung
(in Kooperation mit Vera Kriebel)
