Dortmunder U: HMKV mit Medienkunst, Biss, Engagement, Fun

HMKV im Dortmunder U: Agents & Provocateurs (2010) - Vera Kriebel, 2010
HMKV im Dortmunder U: Agents & Provocateurs (2010) - Vera Kriebel, 2010
Es ist schwierig, auf der Gratwanderung zwischen Fun, (Info)Entertainment, Kunst und politischer Stellungnahme nicht im Abgrund der Beliebigkeiten zu landen

Spannend, witzig, bedrückend, verspielt, kritisch, ironisch, lehrreich (ja, das auch!) ...

Die Ausstellungen des Hartware MedienKunstVereins (HMKV) sind alles andere als langweilig, denn die haben etwas zu sagen. Und zwängen sich anders als herkömmliche Kunstausstellungen nicht ins Korsett der reinen Kunst, sind aber auch nicht moralinsaure gesellschaftskritische Veranstaltungen oder die Spielwiese durchgeknallter Nerds.

Kann Kunst und gesellschaftliches Engagement also auch spannend und Fun sein ...?

Medienkunst hat zwar keine zweihundertjährige Tradition - wer aber denkt, Medienkunstausstellungen seien reine Jugend-, Gaming-, Video- oder Avantgarde-Veranstaltungen, irrt. Nicht ohne Grund sind in den HMKV-Ausstellungen Begriffe wie Gedächtnis, Erinnerung, Vergessen, aber auch im besten Sinne gesellschaftlich engagierte Kunstkonzeptionen zentral.

Mit Anspruch: Hartware MedienKunstVerein (HMKV)

Dessen Angebot nur mit zeitgenössischer Medienkunst zu beschreiben, greift aber zu kurz, auch wenn experimentelle (Medien-)Kunst den Schwerpunkt bildet: Der HMKV beschäftigt sich mit zeitgenössischer "Kunst, die sich inhaltlich und konzeptuell mit unserer in starkem Maße medial und technologisch geprägten Gegenwart auseinandersetzt, welche sich durch neue Medien und Technologien radikal verändert."

HMKV im Dortmunder U: Keine Angst vor Kunst, Spielen ...

Das klingt sperrig und schwergängig - was die Ausstellungen aber glücklicherweise nicht sind. Das steht das Gemälde und die Fotomontage neben der Videoinstallation, erklärenden Wandtexten, Wand-Grafiken oder Literaturauszügen neben "Spieleecken", wo Computergames oder Onlinespiele ausprobiert werden können, neben Kunstobjekte, bizarren Plakaten, Dokumentationen von Aktionskunst, Performances ...

Der HMKV zeigt alles, was im weitesten Sinne heute in einer Kunstausstellungen gezeigt werden kann (und - ganz wichtig: was für ihn bezahlbar ist!) - und was zum Thema passt. Denn die HMKV-Ausstellungen widmen sich nicht einer Kunstrichtung oder einem Künstler, sie haben ein Thema, eine Geschichte - und das macht sie auch so abwechslungsreich, unterhaltsam und oft wirklich spannend.

HMKV: Ausstellungs-Krimis

Denn die Ausstellungen des HMKV beginnen und drehen sich um komplexe Konzeptionen. Ein Wort und man sucht und findet Geschichten um diese Worte und Vorstellungen dazu herum. Wie die schöne Croatan-Geschichte zum "Verschwinden".

Diese Geschichte(n) bildet den gemeinsamen Ausgangs-, Dreh- und Angelpunkt aller Kunstwerke der jeweiligen Ausstellung, wird aber auch in der Ausstellung selbst inszeniert, zieht sich also als deren roter Faden von einer Wand, einem Kunstwerk, einem Kinoraum, einem Spiel zum nächsten - wundervoll war das in der Ausstellung zum Verschwinden "Gone to Croatan" umgesetzt, die schon vom rein räumlichen Aufbau eine des Verschwindens, sich Verlaufens, aber auch des Erfindens und Entdeckens war.

Die besten Ausstellungen des HMKVs sind geradezu Krimis: sie bauen nicht nur Spannung beim Besucher auf, sondern geben ihm mit seinem Eintauchen in die Ausstellungswelt auch mit jedem Schritt neue Informationen, Enthüllungen, Eröffnungen.

Medienkunst: Engagement und Kunst und Games

Die Ausstellungen des HMKV haben immer "etwas zu sagen", wollen etwas erreichen, haben starke gesellschaftliche und politische Ansatzpunkte, sind also nie nur Video-Shows mit Fun-Faktor. Im Gegenteil: Als Teil der culture engagée (im englischsprachigen Raum: als committed bezeichnet) versucht sich der HMKV außerordentlich gründlich in sozialkritischen und philosophischen Konzepten der Gegen- oder Subkultur oder des Dekonstruktivismus der 80er Jahre zu fundieren.

Seit 1996 hat der HMKV sich überregional, teilweise sogar international mit hervorragenden und anspruchsvollen Film-, Video-, Musik- und Performanceprogrammen, Workshops, Vorträgen, Tagungen, Konferenzen und Medienkunst-Ausstellungen einen Namen gemacht, zum Beispiel 2010 mit Building Memory, der ISEA (International Symposium on Electronic Art) oder inter-cool zur Jugendkultur, 2011 Breitenfellners "Traum einer Ausstellung" und The Oil Show.

Dass es nicht einfach ist, die Brücke zwischen meist massenmedial geprägter, konsumorientierter Funkultur und Medienspielen, zwischen künstlerischen Ansprüchen und der kapitalismus/wirtschafts/gesellschaftskritischen Zielrichtung zu spannen, wird in jeder der HMKV-Ausstellungen klar, die dies mal mehr, mal weniger gelungen umsetzen.

Der HMKV nutzt seit 2010 die dritte Etage des Dortmunder U als permanente Plattform seiner Ausstellungen. Für größere Ausstellungsprojekte kann er aber wie das Museum Ostwall auch die sechste Etage dazunehmen, so beispielsweise bei "Gone to Croatan", eine fantastische Reise ins Vergessen und Verschwinden.

Überblick und Infos zum HMKV

  • Hartware MedienKunstVerein (HMKV): 3. Etage im Dortmunder U, Tel. 0231 496642-0, info@hmkv.de,
  • Öffnungszeiten: Di - Mi 10:00 - 18:00 (ab Januar 2012: 11:00 - 18:00), Do - Fr 10:00 - 20:00 (ab Januar 2012: 11:00 - 20:00), Sa - So 11:00 - 18:00, Mo geschlossen.
  • Eintrittspreise: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Sonderausstellungen: 4,-/2,50 Euro. Kombitickets (gelten für zwei HMKV-Ausstellungen oder für je eine Museum Ostwall- und HMKV-Ausstellung): 7,-/4,- €.
  • Führungen: donnerstags 18:00 (After-Work-Führung), sonntags 16:00. Kostenlose Führungen für Lehrer. Führungen für Schulklassen ermäßigt 60 € inklusive Eintritt.
  • Tageskarte für alle städtischen Museen (nur für die Dauerausstellungen gültig): Erwachsene: 7,00 Euro, ermäßigt: 3,50 Euro. Jahreskarte für die Dortmunder Museen: 25,00 Euro.
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Vera Kriebel - Themen: u.a. Wirtschaft, Technik, Literatur, Reisen, IuK, Politik, Kultur, Geistes- und Sozialwissenschaften Texte, Recherchen, ...

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