
- Wie spricht der Raum? (Blick vom Dortmunder U) - Vera Kriebel, 1/2011
Neben der etwas simpel geratenen Fake-Raffinierie von Übermorgen (siehe Foto unten) nun eine weitere geologisch inspirierte Kunstinstallation beim HMKV im Dortmunder U:
Interaktive Medien-Kunst: Bewegung, Schwingung, Erschütterung
In Kerstin Ergenzingers "Rotes Rauschen" wird der gesamte Ausstellungsraum zu einem Seismographen: Bodenerschütterungen werden über die gesamte Bodenfläche und über ein Pendel an der Wand registriert. Im Zentrum des Raums wird eine kinetische Skulptur durch Schwingungen angeregt und aus dem Gleichgewicht gebracht. Jeder, der diesen Raum betritt, verändert die Gewichtsverteilung und verschiebt das Gefüge im Raum.
"Als Raumseismometer lauscht der Ort so den Gewichtsverlagerungen in seinem Innern und den langsamen Frequenzen des allgegenwärtigen, seismischen Rauschens, das unter ihm durch den Boden wandert", so die etwas kryptische, lyrisch angehauchte Pressemitteilung des HMKV.
Warum die Installation aber "Rotes Rauschen" heißt - das wird (hoffentlich) ab Freitagabend, dem 27. Januar 2012, klar.
Vermessen als Strategie zur Erfassung von Raum
Die Bezeichnung "Seismometer" für Ergenzingers Installation ist übrigens nicht ganz korrekt. Ergenzinger misst im Roten Rauschen und zeichnet Bodenerschütterungen auf - genau das machten die Seismographen, ältere Geräte, in denen Aufzeichnung und Messen noch kombiniert vorgenommen wurde. Seismometer ist die Bezeichnung für moderne Messsysteme von Bodenbewegungen, und bei diesen modernen Systemen werden die Funktionen des Messens und Aufzeichnens getrennt vorgenommen.
Was ist Raum?
Wie läuft das Zusammenspiel von Raum und Bewegung ab? Wie erfahren wir den Raum? Wie schaffen wir Räume?
"Räume zu vermessen" ist ein Leitmotiv in Ergenzingers Arbeiten. "Die komplexen, multimedialen Installationen von Kerstin Ergenzinger sind Versuchsanordnungen, in denen die Regelsysteme des Universums und subjektive Wahrnehmungsvorgänge einander gegenübergestellt werden. Ausgangspunkt für Ergenzingers künstlerische Recherchen ist das grundlegende menschliche Bedürfnis nach Orientierung. Ihre raumgreifenden Installationen dekonstruieren die Stabilität des festen Bodens unter unseren Füßen als eine lediglich auf die Landschaft oder den Raum projizierte Sehnsucht." (Ammann, new talents-Katalog der Biennale in Köln 2010, an der Kerstin Ergenzinger mit "Whiskers in Space" in der Kunst-Station Sankt Peter teilnahm)
Infos zu Kerstin Ergenzingers "Rotes Rauschen"
Die Rauminstallation Rotes Rauschen von Kerstin Ergenzinger (*1975) entstand im Rahmen des Stipendiums für Medienkünstler des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, das vom HMKV betreut wird.
Kerstin Ergenzinger: Rotes Rauschen. Eröffnung: Freitag, 27. Januar 2012, ab 18:00 Uhr. Laufzeit: 28. Januar - 19. Februar 2012. Adresse: Hartware MedienKunstVerein im Dortmunder U, 2. Etage, Leonie-Reygers-Terrasse, 44137 Dortmund.
Eintritt frei. Öffnungszeiten: Di + Mi 11:00 - 18:00 Uhr, Do + Fr 11:00 - 20:00 Uhr, Sa + So 11:00 - 18:00 Uhr, Mo geschlossen.
Workshop-Wochenende: "Parallelwelten - Und wo warst Du?" für Kinder und Jugendliche von 9-12 Jahren findet am 28. und 29. Januar 2012 von 11:00 - 16:00 Uhr unter der Leitung von Kerstin Ergenzinger und Daniel Burkhardt im Dortmunder U (2. Etage) statt. Verpflegungskostenpauschale: 5 €. Anmeldung unter info@hmkv.de.
