Doug Magee – Schöne Ferien

Doug Magee - Schöne Ferien Buchcover - Rütten & Loening
Doug Magee - Schöne Ferien Buchcover - Rütten & Loening
In Doug Magees Thriller durchleben Eltern ihren größten Alptraum: Ihre Kinder wurden entführt. Ängste, Verdächtigungen und Geheimnisse kommen zum Vorschein.

Doug Magee ist Regisseur und Drehbuchautor. Sein erster Roman beschreibt den Alptraum aller Eltern: Ihr Kind wird entführt. Während die Polizei ermittelt und bei den Tätern immer mehr schief läuft, muss die Protagonistin mit ihren eigenen Ängsten kämpfen.

Die Handlung von „Schöne Ferien“: Kidnapping und Ehekrise

In der Ehe von Lena und David ist der Wurm drin. Lena erhofft sich eine Lösung während der zwei Wochen, in denen ihre neunjährige Tochter Sarah im Ferienlager ist. Kurz nachdem ein Fahrer ihre Tochter abgeholt hat, steht erneut ein Wagen des Sommercamps vor der Tür. Lena muss entsetzt feststellen, dass ihre Tochter zusammen mit drei anderen Kindern entführt wurde. Ehemann David macht ihr Vorwürfe und verdächtigt die anderen Eltern. Aber er hat selbst Geheimnisse, die während der Ermittlung auffliegen könnten. Währenddessen stirbt der Entführer, der die Kinder in ein weitflächiges Waldgebiet geführt hat, an einem Herzinfarkt. Die Neunjährigen sind mitten in der Wildnis auf sich allein gestellt und Lena muss sich mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass sie ihre Tochter nicht mehr lebend wieder sieht.

„Schöne Ferien“: Ein Filmstoff wird zum Buch

Ursprünglich wollte Doug Magee aus seiner Idee zu „Schöne Ferien“ einen Film machen. Stattdessen hat er daraus einen Roman gemacht. Was im Drehbuch funktioniert, lässt sich aber nicht eins zu eins auf einen Roman übertragen. Im Film sprechen Wort und Bild, im Buch muss die Sprache die Bilder beim Lesen hervorrufen. Aber Magees Sprache ist nüchtern und beschreibend, sie erzeugen keine Atmosphäre, geben den Figuren keine Tiefe.

„Schöne Ferien“: Verschenktes Potential

Magee verlässt sich in „Schöne Ferien“ auf filmdramaturgische Mittel, legt falsche Spuren (Red Herrings), überrascht mit unvorhersehbaren Wendungen (Twists) und wechselt die Perspektiven (Szenen), um Spannung zu erwecken. Aber damit führt er auch viele Handlungen, Themen und Personen ein. Statt sich auf weniges zu konzentrieren, reißt er vieles an, was nicht vertieft wird oder die für die Handlung nicht relevant ist. Schlimmer noch, der Autor sabotiert regelrecht Gelegenheiten, die Spannungspotential bieten könnten, indem er sie fallen lässt oder zu einem anderen Handlungsstrang wechselt. Dabei bietet „Schöne Ferien“ genug interessante Ansätze wie z. B. die Rolle der Medien und des Internets bei Verbrechen.

Fazit: „Schöne Ferien“ ist nur Durchschnitt

Magees Buch schwankt zwischen Krimi und Familiendrama, wobei der Krimi noch eher funktioniert. Der Ermittlungsablauf wird realistisch geschildert, aber die Enttarnung der Mittäter überzeugend wenig, wirkt wie vieles in dem Buch auf Effekt konstruiert.

„Schöne Ferien“ weckt mit der Bezeichnung Thriller und dem interessanten Plot hohe Erwartungen. Magee steigt schnell in die spannende Handlung ein, aber dann verlaufen sich die Spannung und der Focus immer mehr bis zu einer unvermittelten, esoterisch angehauchten Auflösung und einem Epilog, der bestenfalls überflüssig ist. „Schöne Ferien“ ist leider nur ein Durchschnittkrimi geworden.

Doug Magee. Schöne Ferien. Rütten & Loening. November 2010. Broschur. 400 Seiten. 14,95 €

Brigitte Grahl, Brigitte Grahl

Brigitte Grahl - Nach meinem Studium der Germanistik und Publizistik an der FU habe ich als freie Journalistin bei Print- und Online-Medien ...

rss