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Dr. Beach entdeckt die Großen Seen und kürt fünf Top-Strände

Dr. Beach was here: Strand der Sleeping Bear Dunes - Cornelia Schaible
Dr. Beach was here: Strand der Sleeping Bear Dunes - Cornelia Schaible
Bisher konzentrierte sich US-Küstenexperte Stephen Leatherman auf Ozeane, jetzt hat er auch Strände der Great Lakes bewertet. Der Sieger liegt in Michigan.

Eine Fahrt ins Blaue ergibt sich in Michigan manchmal ganz von selbst. Wenn man zwischen Glen Arbor und Leland die County Road 669 in nördlicher Richtung nimmt, kommt alsbald ein Schild, auf dem sinngemäß steht: Die Straße endet am Wasser. Genau genommen endet sie am Strand, und zwar an einem der schönsten Badestrände, die der Bundesstaat zu bieten hat. Nichts als Wasser in allen Blautönen erstreckt sich bis zum Horizont, von ein paar weißen Schaumkrönchen der Wellen abgesehen. Wer hier baden gehen will, lässt sein Auto einfach auf dem kleinen Parkplatz stehen und springt ins Wasser.

Der Strand in einer kleinen Bucht im Sleeping Bear Dunes National Lakeshore ist vielleicht nicht ganz so breit wie an den Ozeanküsten des Landes, aber der Sand ist auf jeden Fall Spitzenklasse – feiner Quarzsand in einem hellen Goldton. Besser noch: Sogar an einem heißen Sommertag ist die Anzahl der Besucher höchst übersichtlich. Kein Wunder, dass Stephen Leatherman so lange gebraucht hat, bis er hergefunden hat. Um als Geheimtipp zu gelten, ist der malerische Sandstrand am Lake Michigan fast schon zu geheim.

Wo der Küstenforscher mit dem Spitznamen „Dr. Beach“ sonst baden geht

Seit 21 Jahren kürt Stephen Leatherman alias „Dr. Beach“ die zehn besten Strände der USA – bislang ging Amerikas Küsten-Koryphäe zu Testzwecken allerdings nur im Ozean baden. Und oft gehören Strände in Florida zu seinen Favoriten, was nicht überrascht, denn Leatherman ist Leiter des Labors für Küstenforschung der Florida International University. Sein Favorit für 2011: Siesta Beach in Sarasota. Der Sandstrand auf Siesta Key mit dem legendären weißen Sand ist indessen von Hotels und Wohnblocks gesäumt. Viele Strände der Großen Seen haben noch eine natürliche Kulisse zu bieten, überwiegend Dünen und Wald. „Sie sind wirklich ein verstecktes Kleinod“, wird Leatherman in einem Artikel der Associated Press zitiert. „Die Leute haben fast keine Kenntnis davon.“

Nun, einige Fans besitzen die Strände der Großen Seen schon. Über die Jahre hinweg erhielt Leatherman nach eigenen Angaben Tausende von E-Mails mit der Aufforderung, endlich auch einmal die Beaches der Great Lakes zu begutachten. So gab er schließlich nach, und die Strände der Großen Seen erhielten in diesem Sommer ihr eigenes Ranking auf der Website von „Dr. Beach“. Die Liste ist mit fünf Empfehlungen allerdings nur halb so lang wie Leathermans Ranking für die Top-Beaches am Meer.

Spitzenreiter auf der Leatherman-Liste ist der oben bereits erwähnte Sleeping Bear Dunes Lakeshore; der Nationalpark an der Küste des Michigansees besitzt gleich eine ganze Reihe von Stränden. Platz Nummer zwei belegt Presque Isle State Park am Eriesee in Pennsylvania, Nummer drei ist der Sandpoint Beach bei Munising auf Michigans oberer Halbinsel an der Küste des Lake Superior, dann folgt Bayfield Main Beach am Lake Huron in der kanadischen Provinz Ontario, und die Nummer fünf, der Oak Street Beach in Chicago, befindet sich wieder am Lake Michigan – das mag für viele erstaunlich klingen, aber in der Metropole im Bundesstaat Illinois gibt es tatsächlich Sandstrände.

Bei den Großen Seen hat Stephen Leatherman eindeutig noch Nachholbedarf

Die Verteilung der Empfehlungen auf vier der fünf Großen Seen – der Lake Ontario taucht nicht auf – lässt allerdings den Verdacht aufkommen, dass es sich hier weniger um ein richtiges Ranking handelt, als um Reisetipps für verschiedene Regionen der Großen Seen, die einigermaßen ausgewogen erscheinen sollen. Denn bei nur fünf Empfehlungen müsste eigentlich der Michigansee noch häufiger vertreten sein: Der drittgrößte der Great Lakes besitzt an der Westküste des Bundesstaates Michigan eine ganz Anzahl von Badeorten mit zumindest lokalem Renommee; der in vielerlei Hinsicht herausragende Strand im State Park von Ludington, der auch von den Dimensionen her locker mit Floridas Top-Badespots mithalten kann, wird in der Liste nicht einmal erwähnt. Stephen Leatherman gibt aber selbst zu, dass er bei den Großen Seen noch Nachholbedarf hat, und so hat er die schönsten Badestrände in Michigan bestimmt noch nicht alle persönlich besucht.

Ohne den Drang zur Ausgewogenheit wäre auch der Großstadt-Strand im Schatten von Chicagos Wolkenkratzern sicher nicht unter die Empfehlungen geraten; Oak Street Beach mag eine gute Adresse für hitzegeplagte Stadtbewohner sein, aber wer sonstwo eine Gelegenheit zum Baden im Lake Michigan hat, wird hier bestimmt nicht ins Wasser tauchen. Der Strand ist im Sommer auch hoffnungslos überfüllt, was bei „Dr. Beach“ eigentlich ein Negativ-Kriterium ist.

Weitere Kriterien auf Stephen Leathermans Bewertungsbögen sind Wasserqualität und allgemeine hygienische Standards. Immerhin brauchte der Küstenforscher an den Great Lakes nicht nach Quallen oder Haien Ausschau halten, denn die kommen in den riesigen Süßwasserseen nicht vor.

Sand zuhauf macht den Sleeping Bear Dunes National Lakeshore einmalig

Die Beschaffenheit des Sandes spielte beim Ranking ebenfalls eine Rolle, und genau das dürfte den Ausschlag für die Spitzenposition der Sleeping Bear Dunes gegeben haben: Leatherman zeigte sich begeistert von den riesigen Dünen am Lake Michigan, die man zum Teil auch besteigen kann. Und seine Kinder vergnügten sich angeblich damit, im seichten Wasser nach Petoskey-Steinen zu suchen – die Kiesel mit dem charakteristischen Muster sind versteinerte Korallen.

Im seichten klaren Wasser baden, Versteinerungen sammeln, in den Dünen wandern – das hört sich alles sehr beschaulich an. Und zumal in kleinen Buchten am Lake Michigan wie der Good Harbor Bay, wo die County Road 669 wie oben beschrieben so unvermittelt endet, zeigt der See an schönen Tagen ein geradezu unschuldiges Blau.

In den Großen Seen gibt es zwar keine Haie, aber Brandungsrückströmung

Niemand käme auf den Gedanken, hier zu schwimmen und zu baden könnte irgendwie gefährlich sein. Zumal es, wie gesagt, keine Haie gibt. Aber dafür gibt es rip currents, die gefürchteten Brandungsrückströmungen, denen selbst erfahrene Schwimmer nicht gewachsen sind. Jedes Jahr ertrinken in den Großen Seen Dutzende von Menschen, weil sie die Gefahren dieser Gewässer unterschätzen. Bei starkem Wind und hohen Wellen sollte man daher eher am Strand spazieren gehen als sich ins Wasser zu wagen – wie man das am Ozean auch machen würde.

Quellen

  • John Flesher: Long-neglected Great Lakes get top-5 rankings from „Dr. Beach“; Sleeping Bear Dunes is No. 1, Associated-Press-Artikel vom 1. Juli 2011
  • Offizielle Website von „Dr. Beach“
Cornelia Schaible, Cornelia Schaible

Cornelia Schaible - Geboren 1963, verbrachte nach dem Abitur ein Jahr in Marseille, studierte anschließend Germanistik sowie Allgemeine ...

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