
- Cover - Gräfe&Unzer Verlag
Früher war vieles einfacher. Für die Einschulungsjahrgänge gab es feste Stichtag, ab denen ein Kind eingeschult wurde. Nur ausnahmsweise wurden Kinder, meist aus gesundheitlichen Gründen, zurückgestellt. Heute wird die Einschulung in vielen Bundesländern flexibler gehandhabt. Durch dieses Mehr an Freiheit, bekommen die Eltern, Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen aber auch mehr Verantwortung, wenn es um die Frage geht, ob ein Kind die Schule schaffen kann oder lieber noch ein Jahr wartet. In diesem Bereich will der Ratgeber aus dem Gräfe&Unzer Verlag Hilfestellung leisten.
Jedes Kind ist anders
Auch wenn Kinder glücklicherweise unterschiedlich sind, gibt es doch ein Bündel von Kompetenzen, die zum Schuljahresbeginn größtenteils vorhanden sein sollten. Diese werden von der Autorin in dem Buch „100 Dinge, die ein Vorschulkind können sollte“ systematisch aufgearbeitet und übersichtlich zusammengestellt.
Dr. Birgit Ebbert
Die Autorin, Dr. Birgit Ebbert, ist Diplom Pädagogin und war viele Jahre im Bildungsbereich tätig. Sie ist Geschäftsführerin eines Zentrums für Lernberatung und Begleitung und verfügt über jahrelange Erfahrung, die sie schon in vielen Seminaren an Eltern, Lehrer und Erzieher weitergegeben hat. Neben mehreren Büchern betreibt die Autorin auch das Internetblog „Die Lernbegleiter“.
Aufbau des Buches
Der Ratgeber stellt zunächst die allgemeine Entwicklung eines Kindes, die von einem Zuwachs an Selbstständigkeit geprägt ist, bis zum Schulalter dar und gibt erste Tipps, die Fähigkeiten der Kleinen zu fördern. Danach werden die verschiedenen Dinge, die das Vorschulkind können sollte, aufgeteilt in einzelne Lebensbereiche.
Grundlage noch vor allen intellektuellen Fähigkeiten ist die Einordnung in der Familie und im Freundeskreis. Insbesondere für Kinder, die keine Geschwister haben und nicht oder nur kurz im Kindergarten waren, ist der Umgang mit anderen Kindern die größte Herausforderung im bevorstehenden Schulalltag. Das ist auch ein Bereich, der in der kurzen Einschulungsuntersuchung nicht abgedeckt werden kann. Hier müssen die Eltern selbst ihre Beobachtungen machen und auf die Erfahrung der Erzieherinnen und Erzieher zurückgreifen, die das Kind in der Lerngruppe beobachten können.
Die körperlichen Fähigkeiten, deren Rückgang auch vielerorts bemängelt wird, werden im nächsten Abschnitt des Buches behandelt. Es wird immer wieder berichtet, dass viele Kinder Dinge, die früher selbstverständlich waren, etwa Rückwärtsgehen, nicht mehr beherrschen. Balancieren und auf einem Bein stehen sind allerdings auch Dinge, die bei der Einschulungsuntersuchung geprüft werden. Wer die Liste aus dem Buch „100 Dinge, die ein Vorschulkind können sollte“ bei der Hand hat, kann sich daran machen, Bereiche die besonders geübt werden müssen, frühzeitig zu erkennen.
Richtiges Sprechen und verständigen sind ein weiterer Punkt, der in dem Buch ebenso angesprochen wird, wie tägliche Verrichtungen, wie etwa Zähneputzen, Schuhebinden, etc.
Muster erkennen, Blätter falten, zählen und solche Sachen werden häufig bereits im Kindergarten geübt und sind auch Dinge, die man üblicherweise mit der Schulreife verbindet.
Kritik
Interessant und hilfreich ist der Ratgeber „100 Dinge, die ein Vorschulkind können sollte“ vor allen in den Bereichen, die man normalerweise nicht direkt mit der Schulreife in Verbindung bringt. Es kann auch sinnvoll sein, das Buch vor einem Gespräch über die Schulfähigkeit des Kindes durchzuarbeiten. Viele Punkte, die Eltern vielleicht nur unbewusst wahrnehmen, werden bewusst gemacht. Der Ratgeber gibt eine Hilfe aufzuzeigen, wo die Stärken, aber auch die Schwächen eines Kindes liegen. Neben der eigentlichen Liste der grundlegenden Fähigkeiten, gibt das Buch auch allgemeine Erziehungstipps, zum Beispiel über das richtige Loben. Das Layout ist durch den sehr häufigen Einsatz unterschiedlicher Farben und der Hervorhebung durch Worte in gesperrten großen B U C H S T A B E N, etwas nervig.
Auch der Sinn der Tabelle am Ende, in der die einzelnen Dinge noch einmal kurz stichwortartig angesprochen und einzelnen Themenfeldern (warum?) zugeordnet werden, erschließt sich dem Rezensenten nicht.
Sicher werden die Eltern auch Punkte finden, die ihr Kind nicht kann (Zimmer aufräumen ist etwas, was viele Teenager noch nicht zustande bringen). Insofern ist der Absolutheitsanspruch im Titel wohl in erster Linie aus Gründen des Marketing gewählt.
