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"Dracula" ist eines der meistverfilmten und -gelesenen Bücher des 20. und 21. Jahrhunderts. Die letzte wirklich erwähnenswerte Verfilmung von Stokers Meisterwerk wurde im Jahr 1992 von Regisseur Francis Ford Coppola mit einem wahren Starensemble realisiert.
Näher an der Vorlage als so manch andere Verfilmung von "Dracula"
Dabei ist Coppolas Version näher an der Vorlage von Bram Stokers Buch als so mancher Versuch vor ihm. Der größte Unterschied ergibt sich aus zwei Dingen. Erstens gibt es im Buch keinen "historischen Prolog" über den Prinzen Vlad und seinen Kampf gegen die Osmanen, wie er hier in all seiner blutigen Pracht ausgebreitet wird. Zweitens ist Mina Murray hier die Wiedergeburt von Draculas Verlobter, die aufgrund einer falschen, vom osmanischen Feind mit einem Pfeil in die Burg geschossenen Nachricht ihren Geliebten für tot hält und daraufhin Selbstmord begeht. Dies ist allerdings nicht auf dem Mist von Coppola gewachsen. Es gab in den 70er Jahren bereits einen Fernsehfilm, in welchem Jack Palance den Vampirgrafen spielte und in welchem es eine ganz ähnliche Entwicklung der Handlung gibt (dort war aber nicht Mina die Wiedergeburt seiner Frau, sondern ihre Freundin Lucy Westenra).
Eine weitere Änderung betrifft den Schluss. Im Buch ist es so, dass – nach Draculas Tod – Mina und Jonathan sieben Jahre nach den Geschehnissen an den Ort des Kampfes zurückkehren und dort alles noch einmal Revue passieren lassen. Sie haben mittlerweile einen Sohn, den sie nach dem von Dracula getöteten Quincy P. Morris benannt haben. Im Film ist es Mina selbst, die Dracula tötet. Van Helsing und seine Gefolgsleute ziehen schließlich ab, da "Minas Aufgabe erst begonnen hat."
Die Darsteller in Coppolas Version von "Dracula"
Francis Ford Coppola konnte für seine Verfilmung von "Dracula" viele namhafte Schauspieler gewinnen, allen voran Gary Oldman als Dracula. Im Unterschied zur Dracula-Verfilmung mit Bela Lugosi ist die Figur des Grafen hier sehr viel vielschichtiger dargestellt. So wird der sexuelle Aspekt des Vampirismus stärker betont, als in jedem anderen Film über den Vampirgrafen davor. Außerdem wird der Graf hier auch als tragische Figur dargestellt, was in dem Film mit Lugosi völlig fehlt (dafür aber umso stärker in Murnaus "Nosferatu" zum Tragen kommt). Gary Oldman schafft es auch, diesem Charakter das nötige Leben einzuhauchen.
Winona Ryder spielt Mina Murray, die Verlobte von Jonathan Harker. Die Wandlung von der verklemmten Frau zur von Dracula verführten Femme Fatale spielt sie recht glaubhaft und außerdem wirkt sie – wohl auch dadurch, dass sie schlichtweg mehr zu tun hat – nicht so extrem farblos wie Helen Chandler in der 30er-Jahre-Version.
Ganz schlimm wird es allerdings, wenn man sich Keanu Reeves als Johnathan Harker ansieht. Irgendwie wirkt es wohl noch extremer, weil in diesem Film neben ihm Schauspieler wie Gary Oldman, Winona Ryder und Anthony Hopkins stehen, aber Keanu Reeves trägt in jeder Szene genau den gleichen Gesichtsausdruck spazieren. Egal ob er sexuell erregt (die Szene mit dem Vampirbräuten), zu allem entschlossen ist (der finale Kampf mit Dracula) oder seine Verlobte Mina heiraten soll. Es ist immer die genau gleiche Mimik. Als wäre das nicht schon negativ genug, kommt im Original auch noch der nur noch lächerlich wirkende Versuch von Keanu Reeves hinzu, einen englischen Akzent zu imitieren. Da hat sogar David Manners in der Version mit Lugosi direkt natürlich gewirkt.
Anthony Hopkins könnte seine Rolle gar nicht mehr viel unterschiedlicher anlegen als Edward van Sloan in den 30ern. Wirkt van Sloan viel mehr wie der typische steifen Wissenschaftler, geht Hopkins (was wohl auch daran liegt, dass seine Rolle hier vollständig anders aufgebaut wird) sehr viel mehr aus sich heraus.
Überdrehte und bunte Bilder in "Dracula"
Auffällig ist ebenfalls, dass alle Bilder in diesem Film erstens sehr bunt und zweitens auch alle äußerst schräg sind. Normale Kameraeinstellungen muss man schon beinahe mit der Lupe suchen. Die Farben der Bilder sind auch dermaßen übersättigt, dass es nicht verwunderlich ist, wenn viele Leute der Meinung sind, dass der Film sich selbst in Bildern erschlägt. Dennoch ist "Dracula" von Francis Ford Coppola durchaus einen Blick wert.
