Drag Me To Hell: Sam Raimis makabre Höllentour

Lange mussten Horrorfans auf einen neuen Genrebeitrag von Altmeister Sam Raimi warten. Dieser legt nun zwar keinen Geniestreich, aber einen makaberen Horrorstreifen vor.

Gibt es ein Leben nach "Spiderman"? Diese Frage beantwortet Sam Raimi nach mittlerweile drei Filmen über den Spinnenmann mit seinem neuesten Werk "Drag Me To Hell". Fast zwei Jahrzehnte nach seinem letzten Gruselstreifen beschert der dank seiner "Tanz der Teufel"-Trilogie kultisch verehrte US-Amerikaner seinen zahlreichen Fans endlich wieder einen Horrorfilm. Kann dieser die hohen Erwartungen erfüllen?

"Drag Me To Hell": Horror in Zeiten der Wirtschaftskrise

Eigentlich müsste die junge und hübsche Christine (Alison Lohman) zufrieden sein. Ihr Job bei der Kreditabteilung einer Bank ist gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten krisensicher, ihr adretter Freund Clay (Justin Long) verehrt sie und im Rennen um den vakanten Posten als stellvertretender Filialleiter rechnet sie sich gute Chancen aus.

Doch als sie befürchten muss, bei der Stellenvergabe zu Ungunsten ihres schleimigen Kollegen übergangen zu werden, trifft sie eine unglückselige Entscheidung: Sie kündigt der betagten Mrs. Ganush (Lorna Raver) einen fälligen Kredit, was für diese den Verlust ihres Hauses bedeutet. Prompt lauert ihr diese nach Feierabend im Parkhaus auf, attackiert sie und belegt sie mit einem schlimmen Fluch. Von einem Wahrsager erfährt sie, was dieser Fluch bedeutet: Drei Tage lang wird sie den Angriffen eines unsichtbaren Dämons ausgesetzt sein, bis sie dieser schlussendlich zu sich in die Hölle zerren wird …

"Tanz der Teufel" technisch verfeinert

Berühmt – und bei der FSK berüchtigt – wurde Raimi durch seine Trilogie "Tanz der Teufel", die neben Hektolitern an Kunstblut vor allem auch viel Humor bot. In dieser Hinsicht erscheint "Drag Me To Hell" angenehm altmodisch: Augenzwinkernd ironisch präsentiert Raimi die Missgeschicke seiner sympathischen Protagonistin und wühlt tief in der Klischee-Kiste des Genres, ohne diese jedoch ernst zu nehmen.

Im Gegenteil: Ein Teil des Sehvergnügens liegt gerade in dem Wissen um die parodistischen Elemente des Films. Beispielsweise handelt es sich bei Mrs. Ganush um eine alte Zigeunerin, die das ahnungslose Opfer mit einem schrecklichen Fluch belegt. Einem Fluch, der mit Hilfe von Esoterikern, Blutritualen oder Séancen von ihr genommen werden soll. All dies wird zum einen brüllend komisch, zum anderen auf dem aktuellen Stand der Technik präsentiert.

Horror abseits von "Spiderman" oder "Saw"

Wer von Raimi bislang nur die Spiderman-Filme kannte, sei gewarnt. Mit dessen breitenwirksamer Harmlosigkeit hat "Drag Me To Hell" nichts zu schaffen! Dies ist ein Film von einem Horrorfan für Horrorfans, die sich von Folter-Horror à la "Saw" genervt fühlen und sich auf blutige Weise gruseln lassen wollen. Auch in diesem Aspekt macht der Streifen alles richtig: Der Horror kommt nicht auf leisen Sohlen, sondern mit einem Grinsen im Gesicht. Ernst kann und soll man diesen Film nicht nehmen. Vielmehr lädt er dazu ein, mit der Protagonistin gleichermaßen zu leiden und zu lachen.

Kurzweiliger Splatter für Zwischendurch

Freilich: Dem fehlenden Anspruch fallen auch die Charakterisierungen zum Opfer. Tiefgründige Figurenzeichnungen darf man sich in einem solchen Film aber meist ohnehin nicht erwarten. Ein Anspruch, den "Drag Me To Hell" erst gar nicht stellt. Das lustvolle Spiel mit den Konventionen – Zigeunerfluch, Gewitter samt strömenden Regens zum ungünstigsten Zeitpunkt, üble Dämonen – ist der Nabelpunkt des Werks, das einige sehr drastische Splatterszenen bietet.

Dennoch weiß Raimis neuer Horrorfilm auf unterhaltsame Weise zu überzeugen. Ob kriecherische Kollegen, selbsternannte Geistermedien oder versnobte Eltern: Mit beißendem Spott wird genauso wenig gegeizt, wie mit makaberem Humor. Einzig die „Schlusspointe“ mag nicht so recht zu überraschen und erscheint wie der Versuch, den Film mit aller Gewalt halbwegs originell zu beenden.

Kurzum: Wer "Tanz der Teufel" liebte, wird von "Drag Me To Hell" gewiss nicht enttäuscht werden. Nicht-Horrorfans schlagen um derartige Genrebeiträge ohnehin einen weiten Bogen und warten lieber auf Raimis nächsten "Spiderman".

Originaltitel: "Drag Me To Hell"

Regie: Sam Raimi

Produktionsland und -jahr: USA 2009

Filmlänge: ca. 99 Minuten

Verleih: Universal

Deutscher Kinostart: 11. Juni 2009

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Rainer Innreiter - 1972 in einem kleinen Ort nahe der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz geboren, entdeckte Rainer Innreiter seinen Hang zu ...

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