Dreadlocks- Kultur und Kult

Verfilzte Haare: (k)eine Frisur?

Dread-Man - Tomada en Breña
Dread-Man - Tomada en Breña
Wenn man morgens verknotete Haare hat, fragt man sich, wer diese Tortur freiwillig auf sich nimmt. Doch nicht nur in fremden Kulturkreisen sind diese Knoten eine Frisur.

Dreadslocks (auch „Dreads“ genannt) sind Strähnen aus verfilztem Kopfhaar. Wenn man die Haare nicht regelmäßig bürstet, kämmt oder rasiert, entstehen natürliche Dreadlocks. Aber auch mit Hilfe verschiedener Methoden lassen sich künstlich Dreads herstellen, die besonders in Europa und den USA als Modefrisur getragen werden. In anderen Kulturen hingegen haben sie religiöse oder spirituelle Hintergründe.

Hintergründe der Dreadlocks

Bei den Azteken waren vor der Entdeckung Amerikas 1490 lange verfilzte und meist schimmelige Haare das Kennzeichen der Priester. An dem Beginn ihrer Laufbahn, wurde den zukünftigen Priestern das Haupthaar abrasiert und danach nur noch mit einem Band zurück gebunden. Das darauf folgende Einschmieren mit Ruß führte zu dem gewünschten Verfilzen der Haare.

Auch im Sufismus, der islamischen Mystik, werden Dreadlocks von den Derwischen als traditionelle Frisur getragen.

Der bekannteste Kulturkreis ist der der Rastafaris, die aufgrund eines Gelübdes geschworen haben, ihr Haar frei wachen zu lassen. Zudem gelten Dreads als Ausdruck von Stärke und Macht und sollen wie eine Art Antenne wirken, um das Göttliche erfahren zu können. Sie sollen außerdem die Ehrfurcht vor Gott symbolisieren.

Aber auch als Ausdruck des Protests wurden Dreadlocks von den Rastafaris getragen. Sie wollten sich damit von den Schönheitsidealen der weißen Oberschicht abgrenzen. Durch diese Abgrenzung entstand das Vorurteil, dass Rastafaris bedrohlich, bzw. zum Fürchten seien. Daher stammt der Begriff „Dreadlocks“, vom Englischen „dread“ = „Furcht“.

Eine ähnliche Motivation seine Haare verfilzen zu lassen, ist bei vielen Menschen mit afrikanischer Herkunft vorzufinden. Da das Glätten der Haare als eine Art Unterwerfung an die „weiße Kultur“ galt, sollten die Dreadlocks den ethnischen Ursprung und Stolz symbolisieren.

Heutzutage gelten Dreadlocks in vielen Subkulturen als Ausdruck der Selbstentfaltung und des Individualismus, können aber auch als Symbol für Rebellion gegen traditionelle Werte und Normen und der Abgrenzung dienen.

Herstellung von Dreadlocks

Natürliche Dreads entstehen, wenn das Kopfhaar über einen längeren Zeitraum weder geschnitten noch gekämmt wird. Dabei verfilzt krauses Haar wesentlich schneller als glattes.

Eines der künstlichen Verfahren ist die sogenannte „Backcombing-Methode“. Dabei werden die einzelnen Strähnen so lange gegen den Strich gekämmt, bzw. toupiert, bis ein fester Filzkern entsteht. Eine andere Möglichkeit ist das Reiben zwischen zwei Fingern, bis mehrere kleine Knoten entstehen, die dann mit einem Kamm fest zusammen gekämmt werden.

Nach diesen Vorgängen bedarf es jedoch hauptsächlich Zeit, bis „richtige“ Dreadlocks entstehen, da das gewünschte Verfilzen mehrere Wochen, bzw. Monate dauern kann.

Hygiene bei Dreadlocks

Entgegen der Vorstellung, Dreadlocks seien schlicht ungewaschene Haare, sind sie eine Frisur wie jede andere, die spezieller Pflege bedarf. Die Ansätze müssen regelmäßig nachbehandelt werden, kleine Härchen mit Filz- oder Häkelnadeln wieder in den Dread eingefügt werden und aneinandergeknotete Dreadlocks wieder getrennt werden. Auch das Waschen der Haare ist bei Dreadlocks üblich. Hierbei wird hauptsächlich spezielles Dreadlock-Shampoo verwendet oder Antischuppen-Shampoo. Viele Dreadlock-Träger, sogenannte „Dreadheads“, pflegen ihre Dreads zusätzlich mit Masken aus Kieselerde, speziellem Dreadwachs, Haarspülungen mit Salzwasser oder Tee. Achtet man als Dreadhead sorgfältig darauf, dass die Dreadlocks nach dem Waschen vollständig getrocknet werden, vermeidet man damit die Schimmelbildung.

Dreadlocks- eine Frisur für die Ewigkeit?

Es ist möglich, dass Dreadlocks ausgekämmt werden. Jedoch kommt es dabei darauf an, wie lange die Dreads bereits getragen wurden. Bis zu einem Jahr können Dreads mit viel Mühe und unter Anwendung mehrerer Haarkuren ausgekämmt werden. Meistens ist jedoch eine Kurzhaarfrisur, bzw. Glatze die Folgefrisur von Dreadlocks.

Judith Binias, Judith Binias

Judith Binias - Judith Binias, Jahrgang 1985 freiberufl. Autorin/Regisseurin Kurzvita Abitur: 2005 Regiearbeiten: 2009: J. Binias: "Das ...

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