Nehmen wir einmal an, Sie haben letzte Nacht die geniale Idee für ein Drehbuch gehabt. Da Sie noch nie ein Drehbuch geschrieben haben, stellen Sie sich sicher die Frage, was Sie mit der genialen Idee anfangen. Höchstwahrscheinlich würden Sie sie gerne zu Geld machen. Aber wie?
Das ist gar nicht so schwierig, wenn man sich an paar grundsätzliche Regeln hält.
Zuerst einmal brauchen Sie eine Outline. Das sind ca. drei Sätze, in denen Sie Ihre Idee möglichst klar und verständlich beschreiben.Danach besorgen Sie sich die Telefonnummern der Produktionsfirmen, von denen Sie glauben, dass sie eine geniale Idee gut umsetzen können. Wenn einer der verantwortlichen Redakteure von Ihrer Idee überzeugt ist, wird er Sie um ein Exposé bitten. Oder Sie erhalten die Gelegenheit, an eimem so genannten Pitch teilzunehmen. Dieses Folterinstrument der Produktionsfirmen funktioniert in etwa so: Sie sitzen einem oder mehreren Leuten gegenüber, die Ihnen 3 oder 5 Minuten Zeit geben, sie für Ihr Projekt zu begeistern. Sollten diese Damen und Herren nach Ablauf der eingeräumten Frist immer noch fasziniert an Ihren Lippen hängen und Worte stammeln wie "und was passiert dann" oder "wie geht es denn weiter", sieht es schon einmal sehr gut für Ihr Projekt aus.
In der Regel folgt jetzt spätestens die Bitte, ein Exposé anzufertigen. Dabei handelt es sich um eine fünfzehnseitige Darstellung der Story. Sie sollten unbedingt vermeiden, das Exposé aus Gründen der Effizienz in einer Schrift kleiner oder größer als 12 Punkte zu schreiben. Eigentlich sollten Sie nur in der Größe von 12 Punkten schreiben. Zeilenabstand ist dabei immer 1,5 .
Sollten Sie jetzt schon einen Vertrag bekommen, haben Sie es schon ziemlich weit gebracht! Herzlichen Glückwunsch! Sie können mit der Ausarbeitung des Bildertreatments beginnen!
Ein Bildertreatment beschreibt, was in jeder einzelnen Szene geschehen soll, wer darin mitspielt, zu welcher Tageszeit sie stattfindet und ob sie draußen oder drinnen gefilmt wird. Das sieht dann ungefähr so aus:
11. Schlafzimmer Micha/Lisa Int/Nacht
Sehr hilfreich ist es, die Bilder auf einzelne Kärtchen zu schreiben, um festzustellen, ob die Szenenfolgen optimal plaziert sind, Duch Hin- und Herschieben der Kärtchen kann man ohne viel Aufwand Szenen austauschen und Reihenfolgen verändern. Dadurch wird schnell klar, ob der Spannungsbogen verändert werden muss oder wo sich eventuell logische Lücken auftun.
Wenn Ihr Treatment Gnade vor den Produzenten gefunden hat, bekommen Sie den Auftrag, die Dialoge zu schreiben. Dabei können Sie auf das Bildertreatment zurück greifen, in dem Sie jede Szene mit Dialogen ausstatten.
Fertig und ab damit! Schön wär's ... Jetzt werden die Redakteure erst richtig aktiv und versuchen, alles Mögliche an Ihrem genialen Wurf zu ändern. Bleiben Sie ruhig, dass ist völlig normal und sollte Ihr Selbsbewusstsein auch nicht erschüttern. Irgendwann ist das mit dem Ändern auch durch.
Und dann liegt es vor Ihnen, Ihr erstes Drehbuch, und soll auch noch verfilmt. werden ... Dass der Honorarscheck lange, lange später kommt, ist dabei doch irgendwie zweitrangig, oder?
