Die gebürtige Ebenhauserin Lia Schneider-Stöckl pflegt eine enge Beziehung zum Hollerhaus. Sie kennt den alten Hof in Irschenhausen seit ihrer Kindheit und half einst der Bewohnerin Ingrid Lepsius, die damals in den Siebzigern im Atelieranbau eine etablierte Kunstgalerie führte. Schon früh war sie begeistert vom einzigartigen Ambiente des Hollerhauses, der Kunst und den Künstlern. Heute führt die Juristin und Mutter von drei Kindern das Kunstkleinod vor den Toren Münchens selbst und kennt die Geschichte des Hauses im Detail.

Als im Juli 1891 die neu gebaute Isartalbahn ihren Betrieb zwischen Thalkirchen und Wolfratshausen aufnahm, entdeckten die Münchner zum ersten Mal den Süden ihrer Stadt für die Sommerfrische. Historische Dokumente beweisen, dass der Andrang in den Wagons bei den ersten Fahrten ins Oberland groß war. Verständlicherweise, denn bis dato kamen die Städter per Kutsche und Pferdegespann nicht weit ins Voralpenland hinaus. Im Abstand von nur wenigen Jahren wurde die Strecke der Isartalbahn weiter ausgebaut und führte schließlich über Eurasburg und Beuerberg bis nach Kochel. Das ehemalige Teilstück von München nach Wolfratshausen ist noch heute die Strecke der S-Bahnlinie sieben, und die führt die direkt am beschaulichen Dörfchen Irschenhausen vorbei, das oberhalb des Isartals zwischen Ebenhausen und Icking liegt.

Beeindruckt von dem kleinen Dorf und seinen traditionellen Bauernhöfen muss auch das Münchner Künstlerpaar Porges gewesen sein, als es um 1910 herum, das heute 400 Jahre alte Hollerhaus entdeckte, kaufte und selbst bezog. Er, ein bekannter Münchner Konzertgeiger, sie, eine Malerin, ließen sich 1917 von Professor Lechner einen Atelieranbau errichten, in dem gemalt und musiziert werden konnte. Das war der Beginn einer langen Kulturtradition im Hollerhaus. Mehr und mehr wurde das Atelier zu einem Treffpunkt der Münchner Bohème und der Künstler aus dem Umland.

Illustre Gesellschaft

In Fotoalben, aus denen Zeitzeugnisse und Bilder nur so heraus quellen, hat Lia Schneider-Stöckl die Geschichte der kleinen Galerie gesammelt. So kennt sie – zumindest aus Dokumentationen – die ehemaligen Besitzer und interessanten Persönlichkeiten, die hier schon über den knarrenden Dielenboden wandelten. Einer war Waldemar Bonsel, der 1922 den Hof von dem Künstlerpaar Porges kaufte. Er war Schriftsteller, Autor der Biene Maja und ein großer Frauenverehrer. Noch heute erzählt man sich im Dorf, so Schneider-Stöckl, die vergnügliche Anekdote von den nächtlichen Schleiertänzen leichtbekleideter Mädchen im Hollerhausgarten, die wegen des großen Interesses der männlichen Dorfbevölkerung zu allerlei Aufruhr bei den Bäuerinnen geführt haben sollen.

Nur dem Zuspruch eines jungen Großbauern war es zu verdanken, dass die angedachte Ausweisung des „Künstlervolkes“ bald vergessen war. In den 1930iger Jahren kehrte dann wieder Sittsamkeit im Hollerhaus ein, als Felix Buttersack, der Mitbegründer des Münchner Merkurs, das Anwesen für seine Schwester, Baronin Marianne von Beaulieu, erwarb. Die gesellige Baronin eröffnete bald darauf die „Pension Hollerhaus“, zu deren illustren Gästen viele Berliner und Münchner Künstler und Wissenschaftler zählten. Bis zu ihrem Tod Anfang der Sechzigerjahre war sie die Seele der kleinen Künstler-Pension.

Ein Jahrzehnt später zog die Tochter Ingrid Lepsius ins Hollerhaus ein und machte daraus wieder einen Ort für künstlerische Begegnungen. Berühmte Persönlichkeiten wie Golo Mann, Gerd Fröbe, O. W. Fischer und die schwedische Königin Silvia waren gern zu Gast. Ingrid Lepsius führte das Hollerhaus bis zu ihrem Tod im Jahr 2004. Bereits Ende der neunziger Jahre gehörte das Hollerhaus der Ebenhauser Familie Stöckl, die es bis heute als kulturelle Institution im Isartal erhalten. „Für mich ist das ein ganz besonderer Ort, der eine magische Ausstrahlung besitzt – eine Perle der Kultur im Isartal“, sagt Lia Schneider-Stöckl.

Eine begehrte Filmkulisse

Es muss was Wahres dran sein, denn die urigen Räume, mit der tiefen Decke und den grün-getünchten Fensterläden ziehen auch immer wieder Filmleute an. Schon mehrfach diente es als Kulisse. So wurden hier Folgen der Kultserie „Der Bulle von Tölz“ gedreht, mit Ottfried Fischer und Ruth Drexel (gestorben 2009) in den Hauptrollen. Zudem spielte die TV-Serie „Eine glückliche Familie“ mit Fritz Strasser und Maria Schell im Hollerhaus und 1994 wurde die BR-Produktion „Schwabing im Isartal“ gedreht sowie viele Beiträge für „Bayern Kultur“.

Lia Schneider-Stöckl inszeniert regelmäßig Ausstellungen vom farbexplosiven Expressionismus bis zum ruhenden Realismus mit regional und international bekannten Künstlern, wie Klio Karadim oder dem Birdman. Sie lädt gerne Kulturabenden ein mit bekannten Musikern, Schauspielern und Schriftstellern, wie Quadro Nuevo, Willy Michl, Wolf Euba, Maria Reiter, Anatol Regnier. Mit ihrer Professionalität, ihrer Liebe zur Kunst und ihrer herzlichen Art, schafft sie es, dass die Besucher gerne kommen. Für Lia Schneider-Stöckl ist vor allem eines wichtig: „Stets für Neues aufgeschlossen zu sein und die große Freude an der Kunst mit allen zu teilen, ob Jung oder Alt.“