Dreimal "Paradies auf Erden"

Was zeichnet „glückliche Länder“ und glückliche Menschen aus?

Die glücklichsten Menschen der Welt leben laut Happy Planet Index auf einer Insel namens Vanuatu, in Kolumbien und Costa Rica.

Glaubt man dem Happy Planet Index (HPI) der britischen „New Economics Foundation“, so leben die weltweit glücklichsten Menschen auf einem kleinen Archipel im pazifischen Ozean namens Vanuatu. Was macht es aus, dass sich Menschen in einem Land mehr entfalten können als in einem anderen? Wie sieht das Paradies auf Erden aus, in dem nicht nur einige wenige, sondern die die Mehrheit der Menschen glücklich leben können?

Die Inselgruppe Vanuatu – das Paradies?

Zur Inselgruppe Vanuatu gehören mehr als 80 kleine Inseln, die sich auf über 2.500 km erstrecken. Der Archipel, der bis 1980 „Neue Hebriden“ genannt wurde, wird von einem demokratisch gewähltem Parlament regiert. Auf Vanuatu gibt es kein Militär. Der ökologische Fußabdruck beträgt 1.1, was bedeutet, dass nur um etwa 10% mehr Ressourcen verbraucht werden, als auf alle Erdbewohner hochgerechnet anteilig vorhanden sind. Trotzdem ist die Lebenserwartung mit 68.8 Jahren relativ hoch und die Menschen schätzen sich selbst so glücklich und zufrieden ein wie vergleichsweise die Bewohner Neuseelands. Forscher führen die hohe Lebenszufriedenheit der Inselbewohner auf drei Hauptursachen zurück: 1. hohe Lebenserwartung. 2. üppige Natur mit einem Reichtum an natürlichen Ressourcen, unversehrten Küsten und einzigartigen Regenwäldern. 3. Demokratische Regierung.

Das Leben auf den Inseln ist durch kulturelle Vielfalt geprägt – es gibt alleine mehr als 100 lokale Sprachen. Etwa 65% aller Menschen auf dem Archipel leben von Landwirtschaft und Fischerei. Es gibt leichte Industrie und einige Bedarfsartikel werden exportiert. Somit ist Vanuatu wirtschaftlich weitgehend unabhängig von internationalen Märkten. Staatseinnahmen werden zum Großteil aus Zolleinnahmen von Importprodukten gewonnen. Für die Menschen, die auf einer der über 80 Inseln im Westpazifik leben, scheint es das Paradies zu sein. Die Lebensumstände, die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Bedingungen lassen es zu, dass ein Großteil der Bewohner glücklich und zufrieden leben kann.

Kolumbianer – die zweit glücklichsten Menschen der Welt?

Dass ausgerechnet Kolumbianer zu den glücklichsten Menschen der Welt gehören sollen, mag viele verwundern. Beim Happy Planet Index schneiden sie mit einem Wert von 67.2 jedenfalls sehr gut ab. Einerseits ist die Lebenserwartung in Kolumbien mit 72.4 Jahren relativ hoch, andererseits schätzen sich die Bewohner des Landes als sehr glücklich und zufrieden ein. Und dabei verbrauchen die Kolumbianer pro Kopf nur ein Viertel der Ressourcen, die man im gleichen Zeitraum im europäischen Durchschnitt verbraucht. Berichtet wird von einem besonders hohem „sozialen Kapital“, also starkem sozialen Zusammenhalt. In Kolumbien gibt es große regionale Unterschiede in Hinsicht auf Sprache, Küche, Musik, Tanz und Kultur. Die Natur ist üppig und bringt eine Vielfalt an Früchte- und Gemüsesorten hervor.

Kolumbien ist seit etwa 100 Jahren der modernste und wirtschaftlich stabilste Staat Lateinamerikas. Seine Wirtschaft wurde noch von keiner hohen Inflationsrate geschwächt und die kurze Zeit der Militärdiktatur hat kaum Spuren hinterlassen. Die Bildungs- und Gesundheitsstandards des Landes sind sehr hoch. Ausgeprägter Katholizismus und Naturreligionen existieren seit Jahrhunderten friedlich nebeneinander.

Medien berichten über Kolumbien oft in Zusammenhang mit Korruption und Kokain – zwei Probleme, mit denen der Staat zu kämpfen hat. Über die positiven Aspekte des Lands und der kolumbianischen Gesellschaft wird nur selten berichtet, weshalb Kolumbien im Teilen der Welt das Image eines „Problemlands“ hat.

Costa Rica – Platz drei

Costa Rica ist eines der wenigen Länder Zentralamerikas, das in den vergangenen Jahrzehnten nicht von Bürgerkriegen oder Machtkämpfen erschüttert worden ist. Wie eine Oase des Friedens liegt das Land im Herzen einer paradiesischen Landschaft. Oft als „Schweiz Zentralamerikas“ bezeichnet, ist das Land ein wahres Paradies in vielerlei Hinsicht. Seit 1948 hat das Land keine Armee mehr. Seine politische Führung basiert auf demokratischen Prinzipien, man investiert viel Geld in das Gesundheits- und Bildungssystem. Freie Presse und Bürgerrechte sind seit den 1950-er Jahren eine Selbstverständlichkeit für die Bewohner Costa Ricas.

Mit einer Lebenserwartung von 78.2 Jahren liegt das Land an der Spitze der westlichen Hemisphäre. Die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bedingungen des Landes zählen zu den besten in ganz Lateinamerika. Mit seinen wunderschönen Küsten und Regenwäldern ist Costa Rica mittlerweile auch zu einem beliebten Urlaubsziel geworden. Die Artenvielfalt innerhalb dieses kleinen Landes ist beeindruckend – etwa eine halbe Million Tier- und Pflanzenarten sind hier beheimatet, womit Costa Rica zu den Top 20 Ländern mit der größten biologischen Vielfalt zählt. Etwa ein Drittel der Landesfläche und etwa zwei Drittel der bestehenden Regenwälder stehen unter Naturschutz.

Sowohl Vanuatu als auch Kolumbien und Costa Rica beweisen, dass es nicht Vermögen und Reichtum sind, die den Menschen ein glückliches Leben möglich machen. Vielmehr sind es Komponenten wie soziale und politische Strukturen, individuelle Freiheit, die Beschaffenheit von Klima und Natur und vor allem der Umgang mit der Natur, die zur Steigerung der Lebensqualität nicht nur einer Generation, sondern vieler Generationen beitragen.

Mehr zu dem Kriterien und den Ergebnissen des Happy Planet Index lesen Sie im Artikel "Die Suche nach dem Glück".

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Mag. Margot Aigner, Margot Aigner

Margot Aigner - Margot Aigner hat Publizistik und Kommunikationswissenschaft in Kombination mit Anglistik/Amerikanistik an der Paris-Lodron ...

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