Am 10. und 11. Mai 2011 wiederholt 3sat um 20.15 Uhr das Kriegsdramas "Dresden".

„Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens.“ Den Satz des Dichters Gerhart Hauptmann kann man gleichermaßen auf den zweiteiligen Film „Dresden“ übertragen: Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder bei diesem Film.

Ein radikaler Film über die Bombardierung Dresdens

Das ZDF deklariert „Dresden“ als Anti-Kriegsdrama, und tatsächlich ist es ein erschütternder Film über die Härte des Krieges, oft an der Grenze des Erträglichen.

Thema ist die Bombennacht vom 13. Februar 1945, bei der unzählige Zivilisten ums Leben gekommen sind und Dresden zerstört wurde.

Erzählt wird dieses deutsche Trauma vor dem Hintergrund einer Liebesgeschichte zwischen einer deutschen Krankenschwester und einem britischen Piloten.

Diese vielfach kritisierte Liebesstory soll allerdings mehr sein als ein melodramatischer Versuch, den Stoff erzählbar zu machen – sie hat auch symbolische Bedeutung. „Der Versöhnungsgedanke war grundlegend“, betont ZDF-Redakteur Günther van Endert. „Deswegen war früh klar, dass es eine Liebesgeschichte zwischen einem Engländer und einer Deutschen sein sollte.“

Dresden ist eine Anklage gegen den Krieg

Damit der Film nicht ins Melodramatische abrutscht und an Glaubwürdigkeit verliert, sollen die Bilder nichts beschönigen. „Das ist ein Balance-Akt“, sagt der ehemalige ZDF-Fernsehspielchef Hans Janke. „Hinter der märchenhaften Liebesgeschichte darf die Anklage gegen die Härte des Krieges nicht verschwinden. Wir wollten keine Bombenschnulze zeigen.“

Doch muss man den Zuschauern die brutalen Bilder verstümmelter und verbrannter Menschen überhaupt zumuten? „Im Sinne der Wahrhaftigkeit haben wir riskiert, dass einige Zuschauer das nicht ertragen wollen“, so Janke

Abgesehen davon ist es ein heikler, höchst brisanter Stoff. Die Fragen um Schuld und Verbrechen werden bis heute heftig diskutiert. „Eine große Herausforderung, weil der Film nicht nur ästhetischen, sondern auch politischen und moralischen Anforderungen gerecht werden muss“, sagt Janke.

Um jede Schwarz-Weiß-Malerei zu vermeiden, hat Drehbuchautor Stefan Kolditz nicht nur aus der Perspektive der direkt betroffenen Frauen, Kinder und älteren Menschen erzählt, sondern lässt auch die andere Seite zu Wort kommen. Die Briten sind keine gesichtslosen Dämonen, sondern Menschen, deren strategische Erwägungen plausibel werden sollen, ohne die Angriffe zu rechtfertigen. Um so authentisch wie möglich zu sein, spielen Engländer die Kommandanten und Piloten der Royal Air Force.

Der Film nimmt es mit den Fakten nicht immer genau

Deutsche und britische Wissenschaftler prüften die zeitgeschichtlichen Fakten. Dennoch gibt es Momente, die historisch kaum glaubhaft wirken. So verteilt Kai Wiesinger als Jude Simon Goldberg am Tag der Bombardierung Briefe an die verbliebenen Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Tatsächlich hat es das gegeben. Kein Geringerer als Victor Klemperer, dessen Schicksal bereits verfilmt wurde, hat die Briefe verteilt. Ironie des Schicksals: Die Bombenangriffe retteten ihm und anderen Juden das Leben.

Dass allerdings – wie im Film gezeigt – ein Brite nach dem Inferno die ausgebrannte Frauenkirche hochmarschiert, ist schlicht Blödsinn. „Der Mann hätte einen Asbestanzug tragen müssen“, sagt die Zeitzeugin Heide Blum, die als Statistin mitgewirkt hat. Allerdings ist auch die Frauenkirche ein Symbol der Versöhnung, wie sich nicht zuletzt bei der Eröffnung im Oktober 2005 zeigte. Deshalb ist der historische Fehler unter künstlerischer Freiheit des Films abzubuchen.

Die Geräuschkulisse wurde mit einer 15.000-Watt-Anlage erzeugt

Zumal die 69-jährige Blum auch Zeugin dafür ist, dass der Film das Geschehen der Bombardierung sowohl auf den Straßen als auch in den Kellern beängstigend realistisch wiedergibt. Um das zu erreichen, ließ Regisseur Roland Suso Richter ein Tonband bespielen mit der Geräuschkulisse von 200 Flugzeugen, die ihre Bomben abwerfen. Das Band wurde beim Dreh über eine 15.000-Watt-Anlage abgespielt. Für die Schauspieler eine extreme Belastung.

Eine besondere Herausforderung war auch der Feuerset. Die Häuserfassade wurde auf feuerfesten Platten in Troisdorf gebaut, die Temperaturen von bis zu 3.000 Grad standhalten mussten. Mehr als 300 Brandherde hielten das Feuer eine Woche lang in Gang, die Flammen schlugen bis zu sechs Metern hoch.

Riesenprojekt: 1.600 Statisten wirkten mit

Mit zehn Millionen Euro Produktionskosten ist „Dresden“ einer der teuersten deutschen TV-Filme überhaupt. An 68 Tagen wurde an Originalschauplätzen in Dresden sowie in Leipzig und Troisdorf gedreht. Dabei wirkten 1.600 Statisten mit – darunter viele Menschen, die den Bombenangriff 1945 selbst erlebt haben.

TV-Termine:

Am 10. Mai wiederholt 3sat um 20.15 Uhr den ersten Teil des Kriegsdramas "Dresden" aus dem Jahr 2006. Der zweite Teil ist am 11. Mai ebenfalls um 20.15 Uhr auf 3sat zu sehen. Die Hauptrollen spielen Felicitas Woll, John Light und Benjamin Sadler.

Quelle: ZDF