
- Droht nach der Finanzkrise ein Energiekollaps? - Dirk Schelpe / pixelio.de
Experten warnen schon seit langem vor dem Ende des billigen Öls. Neben Erdgas und Kohle ist der Abbau und die Verwertung von Erdöl trotz den neuen „grünen“ Energien immer noch die Voraussetzung für die weltweite Energieversorgung und somit für den Wohlstand der modernen westlichen Welt. Doch das Öl wird knapper, dazu kommen Preissteigerungen und Kostenerhöhungen bei Abbau und Logistik. Werden wir nach Finanz- und Eurokrise in eine weltweite Rezession schlittern, die uns möglicherweise auch eine globale Energiekrise beschert? Der folgende Artikel beschreibt, was uns bevorstehen könnte.
Der Wendepunkt Peak Oil
Der Peak Oil, auch als Punkt der höchsten weltweiten Förderrate von Erdöl bekannt, markiert einen Wendepunkt in der Energieversorgung der Welt, denn nach seinem Verstreichen kann es mit der Förderung nur noch bergab gehen. Dieser Punkt ist nach einer Untersuchung der Ludwig Bölkow Stiftung (LBST) „jetzt“. In der Studie „Zukunft der weltweiten Erölversorgung“ der Energiewatchgroup / LBST heißt es, dass das Ölfördermaximum keinesfalls mehr als „Theorie“ bezeichnet werden kann, sondern eine Realität ist, die sich bereits vor unseren Augen abspielt. Demnach sei das weltweite Ölfördermaximum bereits 2006 eingetreten.
Doch die Menschheit ist noch nicht bereit für den ersatzweisen Umbau auf regenerative neue Energieträger. Trotz ihres hohen Potentials stehen alternative Energien aus Wind, Wasser, Sonne und Pflanzen aus verschiedenen Gründen nicht ausreichend zur Verfügung. Ein Beispiel ist die ungenügende Abdeckung von Lastspitzen, denn Sonne und Wind sind nun einmal wetterabhängig.
Der Anteil „grüner“ Energieträger an der weltweiten Energieversorgung beträgt trotz jahrzehntelangen Bemühungen immer noch nicht mal ein Fünftel! Große Steigerungen, welche die Ölverknappung ausgleichen könnten, sind nicht in der Größenordnung zu erwarten, wie es dringend erforderlich wäre. Denn ihre technische Weiterentwicklung und Erforschung kostet viel Geld, vor allem, weil Umwelt- und Klimaschutz sowie gesellschaftliche Rahmenbedingungen beachtet werden müssen. Ausreichende Mittel für alle diese Aufgaben haben wir aber nicht. Zu lange hat die Minderheit der westlichen Welt mit dem guten, alten Öl schnell und möglichst viel Geld verdient und offenbar gedacht, das es ewig so weitergehen könnte. Doch irgendwann ist der Topf leer und wir können nicht mehr auf die Schätze des Planeten, die vor Millionen von Jahren durch die Evolution entstanden sind, zurückgreifen. Denn wir haben sie geplündert und zu Geld gemacht! Nicht nur Erderwärmung und Klimakrise tragen den gleichen Kern wie die Finanzkrise, auch die bevorstehende Energiekrise hat die gleiche Ursache: Raffgier und Profitstreben.
Klimagipfel in Durban brachte zu wenig Ergebnisse
Auch nach der letzten UN-Klimakonferenz in Durban im Dezember 2010, auf die viele Hoffnungen gesetzt wurden, sind wir entfernter denn je von einem sicheren, zuverlässigen und nachhaltigen Energiesystem. Erst im Jahr 2015 soll der Weltklimavertrag zur Begrenzung der Erderwärmung ausgearbeitet sein. Selbst wenn der Klimavertrag 2015 steht, heißt das, dass die dringend notwendige Einhaltung der Ziele sich weiter nach hinten verschiebt. So viel Zeit haben wir aber nicht.
IEA warnt vor Ölknappheit
Die Internationale Energieagentur (IEA) als Interessenvertreter der insgesamt 28 Hauptverbraucherländer, darunter die USA, Großbritanniern und Deutschland, warnt zunehmend vor einer Ölverknappung und fordert eine radikale Wende in der internationalen Energiepolitik. Der Chef der IEA, Nobuo Tanaka, warnte schon vor drei Jahren auf einer Londoner Konferenz, dass trotz den seit Jahren hohen Ölpreisen die Marktverknappung [an Öl] von 2009 an tatsächlich zunehmen wird. Neue Reservenergänzungen würden mit dem Förderrückgang in den derzeit ausgebeuteten Ölfeldern und mit dem zu erwartenden Anstieg der Nachfrage nicht Schritt halten.
Nach Peak Oil folgt fossil-atomarer Energie-Peak
Experten sagen bereits einen weiteren Energie-Peak voraus. Nach der drastischen Ölverknappung werden bereits in einigen Jahren auch Erdgas und Kohle, vorerst die Hoffnungsschimmer von Rohstoff-Optimisten, knapper und teurer werden. Dann stellt sich die Frage, wie der stetig wachsende Energiebedarf zu decken ist. Angesichts der Zunahme der Erdbevölkerung um ein Viertel auf über acht Milliarden Menschen bis 2030 laut Schätzungen der UNO und einer damit verbundenen Erhöhung des Energieverbrauchs um 45 Prozent in den nächsten zwanzig Jahren (World Energy Outlook 2008) scheint diese Aufgabe kaum realisierbar zu sein.
Die Zeit läuft gegen uns
Der Chefökonom der IEA, Fatih Birol, gibt zum erwarteten Förderrückgang in den Ölfeldern den knappten Kommentar ab: „Die Zeit läuft gegen uns“. Obwohl nach IEA-Schätzungen der Ölverbrauch bis 2030 um fast ein Drittel ansteigen wird, sei völlig unklar, mit welchen Ölquellen der steigende Bedarf gedeckt werden soll, wie viel die neue Fördertechnik kostet und wie sich diese Entwicklungen auf die Verbraucher auswirken werden. Nach Untersuchungen der Energiewatchgroup zur Abschätzung der jährlichen weltweiten Ausgaben für die Energieversorgung wurden weltweit im Jahr 2008 zwischen 5500 und 7750 Mrd. Dollar für Brennstoffe, Kraftstoffe und Strom ausgegeben (Quelle: Dr. Werner Zittel, LBST GmbH).
Quellen: World Energy Outlook 2010 (Zusammenfassung), World Energy Outlook 2008, Studie „Zukunft der weltweiten Erölversorgung“ der Energiewatchgroup / Ludwig Bölkow Stiftung, Mai 2008 (Autoren: Jörg Schindler, Dr. Werner Zittel, Ludwig Bölkow-Systemtechnik GmbH, Ottobrunn), www.energiewatchroup.de, Bericht „Erdöl am Scheitelpunkt“ aus Sonne, Wind & Wärme 9/2009
