
- Drop out im Sport - Botho Rienäcker
Trotz des Wissens um die positiven Auswirkungen des Sports auf Körper und Geist, auf Gesundheit und Wohlbefinden, beenden viele Mitglieder kommerzieller und gemeinnütziger Sportanbieter ihre Aktivitäten bereits nach kurzer Zeit. Vor allem kommerzielle Sportanbieter beklagen eine hohe Drop out-Rate. So liegt die Aussteigerquote (Abgänge innerhalb eines Jahres in Relation zur Gesamtmitgliederzahl) in deutschen Fitnessstudios zwischen 35 und 50 Prozent. Die Aussteigerquote unter Neueinsteigern liegt in den ersten sechs Monaten sogar bei bis zu 80 Prozent. Aber auch bei gesundheitsorientierten Sportprogrammen ist die Drop out-Rate sehr hoch, bei Rehabilitationsprogrammen liegt sie zwischen 40 und 60 Personen. Also gerade Personen, die motiviert sein sollten Sport zu treiben, gehören zur großen Gruppe der Aussteiger.
Vereine und Fitnessstudios beklagen hohe Aussteigerquote
Für Mitglieder kommerzieller Sportanbieter sind es die hohen Mitgliedskosten, die der Hauptgrund für den Ausstieg sind. Aber auch die Rahmenbedingungen (zum Beispiel Betreuung und Atmosphäre im Studio) sind ein wichtiges Ausstiegsmotiv. Hier gibt es am ehesten Ansatzmöglichkeiten für die Sportanbieter, dem Drop out entgegenzuwirken. So haben viele Aussteiger nicht das Gefühl, bei ihrem Sportanbieter bekannt zu sein. Jeder zweite Aussteiger hält die Beratung und Betreuung für unzureichend. Auffallend ist dabei, dass rund 65 Prozent derer, die ihre Fitnessaktivität in einem Studio beenden, Fluktuierer sind, also weiterhin Sport treiben.
Für Mitglieder gemeinnütziger Sportanbieter sind hingegen vorrangig psychosoziale Gründe (fehlende Motivation und nachlassendes Interesse) ausschlaggebend, das sportliche Angebot des Anbieters nicht mehr wahrzunehmen. Diese psychosozialen Gründe führen meist zur Inaktivität, die Personen dieser Gruppe zeigen also kein weiteres sportliches Engagement. Neben den psychosozialen Gründen sind aber auch durch den Lebensstil bedingte Ereignisse (wie berufliche Konflikte, finanzielle Probleme) wichtige Drop out-Motive. Negatives emotionales Erleben und hohe Beanspruchungen im Alltag wirken sich negativ auf die Bindung aus. Generell fühlen sich Aussteiger ihren Zielen weniger verpflichtet, und je ungünstiger die körperlichen Voraussetzungen sind, um so unwahrscheinlicher ist eine dauerhafte Teilnahme am Sport. Aussteiger sehen im Vergleich zu Dabeibleibern weniger Sinn in ihren sportlichen Aktivitäten. Aussteiger sind im Vergleich dicker, schwerer und unmotivierter. Und Aussteiger nehmen bei Übungsleitern weniger individuelle Kontrolle und Korrektur, Fachkompetenz, Motivation und Verantwortung für das Gruppenklima wahr. Allgemein gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede: Männer halten länger durch als Frauen.
Hohe Kosten, keine Planung – Die Konsequenzen für die Sportanbieter
Ist die Fluktuation in einem Sportverein oder in einem Sportstudio sehr hoch, verursacht das dem Sportanbieter enorme Kosten und viel Aufwand für die Neukundenwerbung. Langfristige Planungen sind unter diesen Umständen aufgrund der hohen Unsicherheit kaum möglich. Und darüber hinaus wird die Zielgruppe mit jedem Aussteiger kleiner und der Ruf der Branche leidet.
Quellen:
-Rampf, Juliane; Brehm, Walter: Drop-Out und Bindung im Fitness-Studio. In: Bayreuther Beiträge zur Sportwissenschaft, Heft 6, Bayreuth 2000
-Wagner, Petra: Aussteigen oder Dabeibleiben? Darmstadt, 2000
